Indiens Regierungschef Narendra Modi empfängt Friedrich Merz in seiner Heimatregion Gujarat, wo der Bundeskanzler das Gandhi Ashram besuchen wird. Doch im Zentrum der Reise steht die Wirtschaft.
Seine erste Asien-Reise als Bundeskanzler führt Friedrich Merz nicht nach China, sondern nachIndien. In der Heimatregion des indischen Premierministers Narendra Modi machen Passanten Fotos vor Plakaten mit dem deutschen Regierungschef.
Die Ehre der Einladung nach Ahmedabad mit gemeinsamem Fototermin im Gandhi Ashram, der Gedenkstätte für Mahatma Gandhi, vor dem EU-Indien-Gipfel Ende Januar wertet Berlin laut der Frankfurter Allgemeinen als Zeichen der besonderen Wertschätzung. Denn nicht nur Deutschland hofft auf mehr Handel mit dem 1,41 Milliarden-Einwohner-Staat Indien, offenbar sucht Narendra Modi die Annäherung an Deutschland.
Wirtschaftlicher Austausch: Da geht mehr
Wegen der unberechenbaren US-Strafzöllen, die US-Präsident Donald Trump auch gegen Indien erhebt, setzen Politiker und Unternehmer in Indien auf mehr Zusammenarbeit mit Europa. Und der wichtigste indische Handelspartner in der EU ist Deutschland. Allerdings schafft es Indien nicht einmal in die Top 20 der Handelspartner Deutschlands.
Mehr als 2.000 deutsche Firmen sind bereits in Indien vor Ort, während 750 indische Unternehmen in Deutschland tätig sind.
Etwa 170.000 Inder und Inderinnen arbeiten derzeit in Deutschland. Die Regierung in Berlin hofft auf mehr Fachkräfte - besonders in der Pflege. Doch bisher haben nicht alle Programme funktioniert, und vor allem wegen mangelnder Integration sind nicht alle Krankenschwestern aus Indien geblieben. Im Pflegebereich arbeiteten 2024 etwa 18 Prozent oder 300.000 ausländische Fachkräfte - davon laut Bundesagentur für Arbeit 8.800 aus Indien.
Die Zahl der Studierenden aus Indien ist zuletzt auf den Rekord von etwa 60.000 gestiegen. Dabei gab es allerdings auch Negativ-Schlagzeilen um den Skandal an einer Berliner Uni.
Und gibt es durchaus Kritik an Merz' Indien-Reise. So stichelt die BILD-Zeitung mit dem Titel "Was will der Kanzler in Indien?".
Deutsche U-Boote für Indiens Marine
Auf der Agenda von Kanzler Friedrich Merz steht sicher auch der Rüstungsdeal zwischen ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) und der indischen Armee im Wert von 7 Milliarden Euro. TKMS-Chef Oliver Burkhard gehört zur deutschen Delegation. Sein Unternehmen will sechs U-Boote der 214-Klasse für Indiens Marine bauen.
Zur Zeit hat Delhi vor allem atomgetriebene U-Boote aus Russland. Indien gehört zu dem zu den Staaten, die noch russisches Öl und Gas importieren. Auch dazu wird sich Friedrich Merz nach seinem Vier-Augen-Gespräch mit Narendra Modi an diesem Montag vor der Presse äußern müssen.