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Eilmeldung

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Wann wurde Homosexualität in den Ländern Europas legalisiert?

Wann wurde Homosexualität in den Ländern Europas legalisiert?
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Bild von nancydowd auf Pixabay
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Erst kürzlich - am 11. Juni 2019 - war das Jubiläum der Legalität von Homosexualität in Deutschland. Vor etwa 25 Jahren hat der Bundestag den Paragraphen 175 abgeschafft und damit Homosexualität in Deutschland legalisiert.

Bis zum 11. Juni 1994 war Homosexualität in Deutschland noch strafbar - obwohl schon seit 1969 erwachsene Homosexuelle nicht mehr wegen "Unzucht" strafrechtlich verfolgt wurden.

Seit 2001 ist die eingetragene Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare möglich, seit 2015 auch die Adoption leiblicher Kinder des Partners. Mittlerweile dürfen auch Adoptivkinder des Lebenspartners adoptiert werden. Seit dem 1. Oktober 2017 dürfen homosexuelle Paare durch das "Eheöffnungsgesetz" offiziell heiraten.

Mit der Legalisierung von Homosexualität war Deutschland ziemlich spät. Wie sieht es jedoch im Rest von Europa aus? Euronews wirft für Sie einen Blick in verschiedene europäische Länder.

Österreich

Bis 1971 war Homosexualität in Österreich strafbar. Jedoch gab es bis 2002 noch §209, der verschiedene Mindestaltergrenzen für homo- und heterosexuelle Beziehungen festlegte. Heterosexuelle Menschen durften demnach schon mit 14 Jahren eine Partnerschaft eingehen, homosexuelle Beziehungen waren erst ab 18 Jahren erlaubt. Jedoch bezog sich der Paragraph nur auf Männer. Lesbische Frauen und Mädchen waren nicht strafrechtlich betroffen.

Der Verfassungsgerichtshof setzte sich dafür ein, dass der Paragraph aufgehoben wird und setzte dem Parlament eine Frist bis 2003. Das führte schließlich dazu, dass die Diskriminierung Homosexueller beendet wurde.

Die Ehe für alle kam dann ab dem 1. Januar 2019.

Schweiz

Homosexualität ist in der Schweiz seit 1942 legal. Ein Mindestalter von 20 Jahren bei homosexuellen Beziehungen (im Gegensatz zu 16 Jahren bei heterosexuellen Beziehungen) wurde Ende 1990 aufgehoben.

Seit 2007 können gleichgeschlechtliche Paare eine Partnerschaft eintragen lassen. Jedoch ist ihnen die Adoption von Kindern nicht erlaubt.

Italien

Mit dem Strafgesetzbuch des damaligen Justizministers Giuseppe Zanardelli, dem sogenannten Codice Zanardelli, wurde Homosexualität 1889 in Italien entkriminalisiert. Seitdem galt Homosexualität als "Sünde gegen Religion und Privatleben", solange es nicht zu Gewalt oder öffentlichen Skandalen kam, die damit zusammenhingen. Strafrechtlich verfolgt wurde Homosexualität an sich jedoch nicht.

Was auf den ersten Blick liberal anmutet, war jedoch taktisches Kalkül: Zwar galt Homosexualität nicht als kriminell, jedoch führten die Mitglieder der LGBT-Community ein Leben im Schatten.

Auch der Rocco codice von 1930 während der Zeit des Faschismus vetrat diesen Ansatz. Als Rechtfertigung hieß es in dem Gesetzestext: "Es wird nicht bestraft, da das schändliche Laster der Homosexualität in Italien nicht so verbreitet ist, dass es eine rechtliche Intervention erfordert."

Dieser Ansatz des Augenverschließens ist auch heute noch verbreitet, zum Beispiel in verschiedenen afrikanischen Ländern wie Uganda, in denen die Staatsoberhäupter leugnen, es gebe Homosexuelle in ihrem Land. Jedoch werden in vielen dieser Länder Homosexuelle heute noch verfolgt.

Frankreich

In Frankreich ist Homosexualität seit 1982 entkriminalisiert. Die Sozialistische Partei des damaligen Staatspräsidenten François Mitterrand beendete die Diskriminierung Homosexueller. Bis dahin war es homosexuellen Menschen erst ab dem Alter von 21 Jahren erlaubt, eine Beziehung zu führen. Während es heterosexuellen Menschen schon ab 15 Jahren erlaubt war. Das war seit dem Vichy-Regime verboten gewesen.

Seit 1981 stuft Frankreich außerdem Homosexualität nicht mehr als psychische Krankheit ein. Die WHO dagegen strich sie erst im Mai 1993 von ihrer Liste.

Ganz verboten war Homosexualität in Frankreich offiziell nie. Bis 1791 war Sodomie verboten, jedoch nicht ausdrücklich homosexuelle Beziehungen. Jedoch wurde das Verbot der Sodomie dazu genutzt, Homosexuelle zum Tode zu verurteilen und auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen.

Die Ehe für alle ist seit 2013 erlaubt.

Spanien

In Spanien war Homosexualität ab 1978 offiziell keine Straftat mehr. Am 26. Dezember 1978 markierte eine Änderung des Gesetzes das Ende der rechtlichen Verfolgung von Homosexuellen in Spanien.

Das Gesetz, das 1978 abgeschafft wurde, wurde jedoch acht Jahre zuvor noch bekräftigt. Im Jahr 1970 wurde laut El País ein Artikel hinzugefügt, der "gewöhnliche Vagabunden" als gefährlich einstufte. Damit waren neben gewöhnlichen Kriminellen wie Dieben auch "Personen, die homosexuelle Handlungen begehen" gemeint. Vor allem schwule Männer wurden deswegen verfolgt und in die Gefängnisse Huelva und Badajoz gesteckt. Für lesbische Frauen gab es keine speziellen Einrichtungen.

Die Änderung dieses Gesetzes 1978 bedeutete jedoch nicht automatisch Anerkennung der LGBT-Community. Die Polizei hatte immer noch die Möglichkeit einer "Hintertür": Es war immer noch möglich, Menschen wegen "öffentlicher Skandale" zu verhaften. Dies wurde dazu genutzt, vor allem transsexuelle Frauen weiterhin festzunehmen. Erst 1995 wurde das betreffende Gesetz endgültig aufgehoben.

Spanien war jedoch eines der ersten europäischen Länder, die die Ehe für alle einführten. Nach den Niederlanden (2000) und Belgien (2003), erlaubt Spanien gleichgeschlechtlichen Paaren seit 2005 zu heiraten.

Großbritannien

Vorreiter im Vereinigten Königreich waren England und Wales, die 1967 mit dem Sexualdeliktegesetz (Sexual Offences Act 1967) Homosexualität legalisierten. Seit 2013 gibt es in England zudem die Ehe für alle.

Als nächstes folgte Schottland. Dort wurden durch den Criminal Justice Act 1980 homosexuelle Handlungen entkriminalisiert. In Kraft trat das Gesetz am 1. Februar 1981.

Schlusslicht war Nordirland, wo Homosexualität erst ab 1982 durch die Homosexual Offences Order legal wurde.

Russland

Im kaiserlichen Russland war Homosexualität eine Straftat. Nach der Revolution, also seit Anfang der 1920er Jahre, war Homosexualität dann legal.

Unter Stalin trat 1937 das Strafrecht jedoch wieder in Kraft. Homosexualität war verboten und konnte strafrechtlich verfolgt werden.

Erst 1993 wurde das Gesetz aufgehoben und Homosexualität entkriminalisiert.

Im Jahr 2013 verabschiedete die Staatsduma dann ein Gesetz, dass jede Form von "Homosexuellenpropaganda" verbietet. Der offizielle Titel des Gesetzes heißt übersetzt "das russische Bundesgesetz zum Schutz von Kindern vor Informationen, die für eine Ablehnung traditioneller Familienwerte eintreten".

Historisch blieben gleichgeschlechtliche Beziehungen in Russland eher unbemerkt als toleriert.

Griechenland

In Griechenland ist Homosexualität seit 1951 nicht mehr illegal. Ein Gesetzesartikel, der in Fällen von Prostitution Sex speziell zwischen Männern bestrafte oder falls einer der beiden Partner minderjährig war, wurde 2015 abgeschafft.

Ungarn

In Ungarn wurde Homosexualität 1961 entkriminalisiert. Der österreichische Kaiser Josef II., der damals auch der Herrscher Ungarns war, hob bereits 1787 die Todesstrafe für Homosexuelle auf.

Ein Recht auf Eheschließung haben gleichgeschlechtliche Paare in Ungarn jedoch nicht. 2012 wurde die Ehe in der ungarischen Verfassung als eine Verbindung zwischen Mann und Frau definiert.

Änderungsanträge blieben bisher erfolglos.