Euronews kann nicht mehr über Internet Explorer abgerufen werden. Der Browser wird von Microsoft nicht aktualisiert und unterstützt die neuesten technischen Entwicklungen nicht. Wir empfehlen Ihnen, einen anderen Browser wie Edge, Safari, Google Chrome oder Mozilla Firefox zu benutzen.
Eilmeldung
Aerosolemissionen aus der Verbrennung von Biomasse am 28. August 2019
Aerosolemissionen aus der Verbrennung von Biomasse am 28. August 2019 -
Copyright
EU Comission | Copernicus | ECMWF

In Afrika gibt es mehr Feuer als im Amazonas - Sollten wir uns Sorgen machen?

Alle Welt schaut auf den Amazonas, wo die Feuer immer noch unerbittlich brennen. Doch Satellitenbilder zeigen noch mehr Grund zu Besorgnis: Auf der anderen Seite des Atlantiks stehen dem Anschein nach mehrere afrikanische Länder in Flammen.

Nach Angaben von Global Forest Watch gab es bisher im August in der Demokratischen Republik Kongo mehr Brandmeldungen als in Brasilien, wo sieben Staaten um Verstärkung zur Brandbekämpfung gebeten haben. Direkt hinter dem südamerikanischen Land liegen Angola, Sambia und Mosambik - und übertreffen damit die Anzahl der Feuer in Bolivien. Das Land hat sich bereit erklärt, internationale Hilfe zur Bekämpfung der Flammen zu erhalten.

Tatsächlich zeigen NASA-Satelliten viele Brandaktivitäten im afrikanischen Streifen von Angola bis Mosambik. Und Daten der Europäischen Agentur Kopernikus zeigen auf einer Karte deutlich Emissionen aus der Verbrennung der Biomasse in diesem Gebiet.

Aber während die Brände in Südamerika seit zwei Wochen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der internationalen Medien stehen, berichtet niemand über die Brände in den afrikanischen Staaten - oft nicht einmal lokale Medien

Lesen Sie mehr dazu: Nicht nur in Brasilien: Starker Anstieg der Waldbrände

In einem Interview mit Euronews versicherte die angolanische Umweltministerin Paula Francisca Coelho, dass es im Land derzeit keine Waldbrände gibt. Sie bezeichnete die in einigen internationalen Medien nach den Satellitenbildern veröffentlichten Informationen als Dramatisierung und Desinformation.

"Wir haben kein Feuer, das kontrolliert werden muss", sagt sie, obwohl sie anerkennt, dass es einige aktive Brände von "den Praktiken einiger Gemeinden bei der Vorbereitung des Bodens für den nächste landwirtschaftliche Zyklus gibt. Gerade diese Saisonalität wird von Experten als Schlüssel zum Verständnis der Situation bezeichnet.

"Ein sehr, sehr empfindlicher Satellit"

Bob Scholes, Professor für Systemökologie an der Witwatersrand-Universität im südafrikanischen Johannesburg, erklärt, dass bei der Analyse von Satellitenbildern wie dem MODIS der NASA Vorsicht geboten ist. "Es ist ein sehr, sehr empfindlicher Satellit im Weltraum, der selbst sehr kleine Feuer erkennen kann. Zum Beispiel ein Feuer, um Müll im Hinterhof oder Garten zu verbrennen."

NASA | FIRMS Fire Information for Resource Management System
Feuerkarte basierend auf Informationen von NASA-Satelliten, 27. August 2019NASA | FIRMS Fire Information for Resource Management SystemRodriguez, Marta

"Die Tatsache, dass die Zahl der Brände in Afrika viel höher zu sein scheint als in Brasilien, bedeutet nicht unbedingt, dass die ökologischen Schäden größer sind", fügt er hinzu. "Es kommt darauf an, wo sie brennen und wie viel Fläche verbrannt wird. Das lässt sich nicht aus der Anzahl der Hotpixel ableiten. Die zweite Frage ist, ob man sich die Verteilung der Hotpixel in Afrika zu dieser Jahreszeit ansieht, die fast ausschließlich in Savannen und nicht in Regenwäldern vorkommen."

Warum kann man sie nicht mit den Feuern im Amazonasgebiet vergleichen?

Der Satellitenbildexperte Pierre Markuse bestätigt, dass der Kontext bei der Analyse von Bildern aus dem All sehr wichtig ist.

"Satellitenbilder, so beeindruckend sie auch erscheinen mögen, erzählen nur einen Teil der Geschichte", schreibt er als Antwort auf einen Tweet von Mark Parrington, einem Feuerwissenschaftler bei Kopernikus, der Daten über diese Feuer in Afrika veröffentlicht hat.

Von Euronews interviewt, sagt Parrington, dass 17 Jahre Aufzeichnungen über die Brandaktivität im südlichen tropischen Afrika zeigen, dass es zwischen Ende Mai und Anfang Oktober viele Brände im Zusammenhang mit traditionellen landwirtschaftlichen Praktiken gibt. Die diesjährigen Zahlen deuten sogar darauf hin, dass es weniger als den Durchschnitt gibt. Es sei ein natürlicher Zyklus der Savanne. Ein Großteil der Vegetation, die in der Trockenzeit brennt, wachse während der Regenzeit erneut.

"Es ist ein neutraler Prozess, der jedes Jahr stattfindet, und tatsächlich sehen wir, dass die Brandzeit alle sechs Monate zwischen dem nördlichen und südlichen tropischen Afrika schwankt", sagt er. "Ende Oktober, wenn diese Brände endlich gelöscht sind und verschwinden, wird es mehr Brände in den Ländern des tropischen Nordafrikas geben."

Globale Muster der verbrannten Gebiete auf dem Planeten zwischen 2000 und 2015

Scholes weist darauf hin, dass Brände zwar die Biodiversität eines tropischen Waldes wie des Amazonas extrem schädigen, "die Savannen aber brennen müssen, das ist Teil ihrer Entwicklung. Sie haben in den vergangenen sieben Millionen Jahren gebrannt und es gibt nichts Ungewöhnliches daran".

Antti Lipponen, ein Forscher am Finnischen Meteorologischen Institut, stellt fest, dass die Kohlenmonoxid-Emissionen aus der Verbrennung afrikanischer Biomasse im August bisher etwa 1,5-mal höher sind als in Mittel- und Südamerika. Dies seien jedoch normale Zahlen für diesen Zeitraum des Jahres, sagte er Euronews.

Auch im Amazonasgebiet, ebenso wie in Zentralafrika, erwarten Wissenschaftler zu dieser Jahreszeit Brände, dem Beginn der Trockenzeit von August bis September. Aber in diesem Jahr scheint die Abholzung die Vegetation und den Kohlenstoffkreislauf gestört zu haben, der für ein ausgewogenes Verhältnis im Ökosystem sorgt.

Zu den Klimaauswirkungen dieser Art von Emissionen sagt der Kopernikus-Wissenschaftler, dass die Emissionen in Afrika relativ klimaneutral sind, so dass sie im Gegensatz zu denen im Amazonasgebiet keine großen direkten Auswirkungen auf das Klima haben. Dies hängt auch von der Art der Vegetation ab, die verbrannt wird.

Parrington sagt, dass auch die Luftzirkulationsmuster berücksichtigt werden müssen. Studien deuten darauf hin, dass Rauch und Partikel von Bränden in Zentralafrika über den Atlantik in den Amazonas reisen und als Düngemittel dienen.

NASA/NOAA via REUTERS
Satellitenbild der Brände in Angola, Sambia und der Demokratischen Republik Kongo (DRK) vom 25. August 2019NASA/NOAA via REUTERS

Afrika ist kein Land und auch kein einziges Feuer

Obwohl Waldbrände eine alte Praxis sind, die während der Trockenzeit in den Ländern des tropischen Afrikas auftritt, ist es schwierig, ihre Auswirkungen und Probleme zu pauschalisieren. Die Gründe und Auswirkungen der Brände sind in verschiedenen Länder unterschiedlich.

Angola

Angola erkannte, dass das Land in den letzten Jahren durch unkontrollierte Brände verschiedener Herkunft, vor allem durch die Jagd, ein großes Gebiet an einheimischen Wäldern verloren hatte. "Während die Hauptmotivation die Rodung des Landes, die Vorbereitung auf den nächsten Anbau und auch die Bereitstellung von neuem Anbaurasen für Rinder war, gibt es auch den Zweck der Jagd", sagte Amilcar Salumbo, ein angolanischer Agrarwissenschaftler, gegenüber Euronews. "Und das scheint derjenige zu sein, der den größten Schaden verursacht, da sich immer mehr Menschen in ländlichen Gebieten dieser Praxis widmen."

Salumbo ist der Ansicht, dass mehr Kontrolle über dieses Phänomen erforderlich ist, da weite Teile des Territoriums als Niemandsland gelten und anfällig für Brände sind. "Darüber hinaus kann jeder ein Feuer auslösen, und wenn es sich in einer abgelegenen Gegend befindet, kann es sich ohne Kontrolle ausbreiten", fügt er hinzu.

Denn sollten sich die Feuer auf trockenere Wälder ausdehnen, die nicht die gleiche Erholungskapazität haben wie die Waldsavanne Miombo - vielleicht sogar auf den tropisch feuchten Wald, der dichter besiedelt ist - können die Brände zu einem beträchtlichen Problem werden.

Und auch jetzt schon gebe es Probleme im Zusammenhang mit Bränden, wie beispielsweise der Rückgang der biologischen Vielfalt, da Eier von Vögeln und Reptilien im Feuer verloren gehen, sowie einige Pflanzenarten, die sich möglicherweise nicht erholen.

"Das andere Problem sind die Gase, die mit dem Treibhauseffekt in die Atmosphäre gelangen, sowie die Verschmutzung und die Verringerung der Luftqualität mit ihren Folgen für die Gesundheit. Die klimatischen Auswirkungen müssen auf lokaler Ebene überwacht werden", sagt Salumbo.

Demokratische Republik Kongo

Der Journalist und Chefredakteur des Habari RDC, Jean Hubert Bondo, sagt, dass Brände in der Demokratischen Republik Kongo nicht nur mit landwirtschaftlichen Praktiken zusammenhängen, sondern auch das Ergebnis von Straftaten und bewaffneten Konflikten sind.

Die Brände - gestartet von Jägern, die den Wald verbrennen, um Wild zu jagen, von Bauern, die mit der Asche den Boden für die Aussaat befruchten wollen und von Kriminellen, die Feuer als Waffe nutzen, indem sie Häuser oder Plantagen verbrennen - geraten oft außer Kontrolle und erstrecken sich auf die Wälder.

"Diese Feuer verheeren auch unseren äquatorialen Dschungel, der nach dem Amazonasgebiet der zweitgrößte der Welt ist", beklagt er. "Ein Wald, der bereits Opfer von Entwaldung und industrieller Ausbeutung geworden ist."

REUTERS/Baz Ratner
Virunga-Nationalpark, der sich an der Ostgrenze der Demokratischen Republik Kongo befindetREUTERS/Baz Ratner

"Wenn man mit dem Flugzeug über die Demokratische Republik Kongo fliegt, sieht man die Buschfeuer überall auf dem Boden. Es ist ein Phänomen, das immer wieder auftritt und große Schäden für Klima und Umwelt verursacht", erzählt Bondo.

Er denkt, dass die Regierung ein spezifisches Gesetz über Buschbrände erlassen sollte. "Es ist der einzige Weg, um sie zu verhindern", sagt er.

Simbabwe

Amkela Sidange von der Environmental Management Agency (EMA) Simbabwes sagt, dass der Klimawandel Auswirkungen auf die sogenannte "fire season" - auf Deutsch Feuerzeit - hat, die normalerweise vom 31. Juli bis zum 31. Oktober dauert.

"Unsere Weiden trocknen jetzt viel schneller aus. Sie sind dann sehr anfällig für jegliche Hitze. Und es entstehen Brände außerhalb der Feuerzeit", erklärt sie.

Normalerweise sind die Bürger Simbabwes dazu angehalten, während der drei monatigen Periode keine Feuer in der Natur zu legen. Es gibt sogar ein Gesetz dafür, das besagt, dass außerhalb einer Wohn- oder Geschäftsanlage während der Feuerzeit kein Feuer entzündet werden darf.

"Wir sensibilisieren die Menschen dafür, keine Brände außerhalb dieser Zeit zu legen. Damit wir kein Feuer haben, das wild wird", erklärt Sidange.

Die EMA bereitet die lokalen Gemeinschaften auf die Brandbekämpfung vor. Feuerwehrleute unterstützen die Gemeinden, trainieren sie im Feuerlöschen und stellen Gerätschaften bereit. "In jedem Dorf gibt es Feuerlöschkomitees", sagt Sidange.

Doch die Farmer sollen auch schon vor der Feuerzeit Maßnahmen ergreifen und die Biomasse ihrer Felder reduzieren. "Vor Beginn der Brandzeit mähen die Bauern nun das Gras zu Heuballen. So haben sie im Falle von Bränden Futter und sie haben keinen Einfluss auf die Tierhaltung." Zudem decken die meisten Einwohner Simbabwes in ländlichen Gegenden ihre Dächer noch mit Gras. Die Bauern werden angehalten, Gras vor der Feuerzeit zu Bündeln zusammenzufassen und zu verkaufen.

Das Problem: Dadurch, dass die Feuerzeit nun viel früher beginnt - dieses Jahr schon im April - sind die Farmer nicht darauf vorbereitet. Sie sind noch auf ihren Feldern, versuchen die Ernte einzufahren und das Gras zu schneiden. Die durch die Hitze und Trockenheit entstehenden Feuer haben so mehr 'Futter', brennen länger und intensiver.

Aber Sidange möchte klarstellen, dass Simbabwe nicht der Amazonas ist: "Wir können unsere Weide nicht mit der dicken (Vegetations-)Fläche vergleichen, die wir im Amazonasgebiet haben. In Simbabwe ist es nach wie vor möglich, Brände zu bekämpfen und zu kontrollieren." Internationale Hilfe sei - noch - nicht notwendig.