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Neue Behandlungsmethoden bei Parkinson

Neue Behandlungsmethoden bei Parkinson
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Können Videospiele sowie eine App bei der Behandlung und Frühdiagnose der Parkinson-Krankheit helfen? In Nordgriechenland entwickeln Forscher eines EU-Projekts mithilfe einer Gruppe von Betroffenen neue Behandlungsmethoden.

Ermioni Zervoudaki bekam die Diagnose Parkinson mit 49 Jahren. Sie ist eine der 35 Patienten, die sich in Thessaloniki freiwillig gemeldet haben, um verschiedene Videospiele zu testen. Sie wurden entwickelt, um die Krankheit besser zu behandeln. Die Deutschlehrerin erzählt, wie die Krankheit ihr Leben veränderte:

"Ich brauche jetzt mehr Zeit für alles. Ich weiß beispielsweise, dass ich mehr Zeit zum Einkaufen brauche, also gehe ich nicht zu Stoßzeiten in den Supermarkt. Ich packe meine Einkäufe sehr langsam ein, da möchte ich nicht gestresst sein. Ich nehme mir auch mehr Zeit, mich auf meine Arbeit vorzubereiten, mich anzuziehen oder mich zu schminken; für all meine täglichen Aktivitäten brauche ich mehr Zeit. Auch zum Kochen."

Videospiele sollen Symptome abklingen lassen

Die Forscher haben 14 verschiedene Szenarien entwickelt. Sie sollen den Patienten helfen, Muskelverspannungen zu lösen, ihre allgemeine Fitness zu verbessern und Depressionen zu bekämpfen.

Die Videospiele sind in der klinischen Testphase. Sie sind so konzipiert, dass sie sowohl in der Klinik als auch zu Hause verwendet werden können - immer auf ärztliche Verschreibung:

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"Wir sind davon überzeugt, dass Patienten, die auf ärztliche Verschreibung täglich 30 Minuten drei oder vier dieser Spiele spielen, ein teilweises Abklingen der Krankheitssymptome sehen werden"_, so Sofia Balula Dias, Sozial- und Sportpädagogin an der Universität Lissabon, _"und dass man das Fortschreiten der Krankheit aufhalten kann."
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Neurologen können die Fortschritte ihrer Patienten sowohl online als auch beim Patientengespräch überprüfen. Laut den Ärzten könnten die Videospiele ein hilfreiches Behandlungsinstrument werden.

"Diese Übungen, diese Computerprogramme ermöglichen eine effektive Behandlung, denn sie werden gezielt und maßgeschneidert eingesetzt", erklärt Sevasti Bostant Jopoulou, emeritierte Professorin für Neurologie, Aristoteles-Universität Thessaloniki. "Man kann sie an die Bedürfnisse der Patienten anpassen."

Verbesserte Früherkennung

Die Wissenschaftler des EU-Forschungsprojekts wollen auch die Diagnose der schwer fassbaren frühen Anzeichen von Parkinson verbessern. Dafür haben sie eine App entwickelt, die in Smartphones oder Uhren integriert ist:

"Wir testen unsere Werkzeuge, die auf Künstlichen Intelligenz basieren, bei vielen verschiedenen Anwendern, sowohl bei gesunden Menschen als auch bei Parkinson-Patienten", so Dimitrios Iakovakis, Elektro- und Computeringenieur, Aristoteles-Universität Thessaloniki. "Die App hilft uns, aussagekräftige Daten zu sammeln, sodass wir nachhaltige Veränderungen bei den Testpersonen genau erkennen können. Das soll uns helfen, Muster zur Früherkennung der Krankheit zu erkennen."

Mit dem System sollen leichtes Zittern, langsamere Bewegungen, Stimmverlust oder auch Gesichtsausdrücke, die auf Parkinson hindeuten, identifiziert werden.

"Wir sind ziemlich optimistisch. Nach drei Jahren Forschung und Entwicklung haben wir bei unseren Prognosen zur Frühdiagnose eine Genauigkeitsrate von 82 bis 85 Prozent erreicht. Jetzt müssen wir natürlich unseren Patientenstamm erweitern, um mehr Daten zu erhalten. Das ist unser Ziel für die nächsten Jahre", meint Leontios Hadjileontiadis, Professor für Elektro- und Informationstechnik, Aristoteles-Universität Thessaloniki,I-PROGNOSIS-Projektkoordinator.

Die Forscher hoffen, dass die von ihnen entwickelten Behandlungsmethoden dabei helfen, eine Krankheit zu bekämpfen, von der mindestens 10 Millionen Menschen weltweit betroffen sind.