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Kaum Perspektive: Junge Nordmazedonier kehren ihrem Land den Rücken

Kaum Perspektive: Junge Nordmazedonier kehren ihrem Land den Rücken
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Viele osteuropäische Länder kämpfen mit der Abwanderung junger Fachkräfte. Neben Bosnien und der Republik Moldau ist besonders Nordmazedonien betroffen. Meinungsumfragen zufolge sehen 70 Prozent der Jugendlichen in Nordmazedonien ihre Zukunft außerhalb des Landes.

Martin Galevski hat sein Masterstudium in Cambridge absolviert, seine Doktorarbeit in Oxford geschrieben. Nach dem Studium kehrte er in seine Heimat zurück. Jetzt steht er vor der Frage, ob ihm sein Land eine Zukunft bietet:

"Manchmal sagt mir mein Gefühl, dass ich in diesem Land bleiben und mit meiner Ausbildung und Erfahrung etwas bewirken sollte, manchmal sagt es mir aber auch, dass ich das Land so schnell wie möglich verlassen sollte. Ich kann zwar ein gutes Auskommen haben, aber die soziopolitischen Rahmenbedingungen schrecken mich ab: Die endlosen politischen Skandale - Korruptionsskandale - im Land, mangelnde Rechtsstaatlichkeit, das sehr schlechte Gesundheits- und Bildungssystem sowie die Tatsache, dass ich in Skopje lebe, eine der Städte Europas mit der höchsten Luftverschmutzung."

Hilfe kommt von staatlicher Seite

Die Regierung in Nordmazedonien scheint das Problem der Abwanderung junger Menschen erkannt zu haben. Sie hat die Haushaltsausgaben für Jugendprogramme erhöht.

"Wir planen ein bestimmtes Budget für die Jugend und Jugendorganisationen ein - ein Prozent auf zentraler Ebene und 0,5 Prozent auf lokaler Ebene", sagt Darko Kaevski, Leiter des Landesamts für Jugend und Sport.

Unterstützt wird das von der Delegation der Europäischen Union in Skopje, die auch spezielle Jugendprogramme entwickelt.

"Wenn wir helfen, durch Reformen, durch Gespräche, die Situation vor Ort zu verbessern, dann sind die ersten Schritte getan, dass sich Menschen nicht zwangsweise nach einem Leben im Ausland umschauen", erklärt Samuel Zbogar, EU-Botschafter in Nordmazedonien.

Hoffnungen auf EU-Beitrittsverhandlungen

Euronews-Reporter Borjan Jovanovski fasst die Geschehnisse in Skopje zusammen:

"Umfragen haben gezeigt, dass hier mehr als 80 Prozent der jungen Menschen glauben, dass ein EU-Beitritt neue Perspektiven und Möglichkeiten mit sich bringen würde. Nach neun erfolglosen Empfehlungen der Europäischen Kommission für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen besteht die Hoffnung, dass es für die zehnte bei der anstehenden Tagung des Europäischen Rates grünes Licht gibt."

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