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"Sie haben mich wie Luft behandelt" - Muss Ungarns Regierung umdenken?

"Sie haben mich wie Luft behandelt" - Muss Ungarns Regierung umdenken?
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In Budapest haben Feministinnen dafür demonstriert, dass Ungarn das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt unterzeichnet.

Im vergangenen Jahr wurden innerhalb von acht Monaten 27 Frauen von ihren Partnern getötet.

Auf die Bevölkerung von Ungarn umgerechnet sind das mehr als in Deutschland oder in Frankreich.

Frauenrechtsaktivistinnen fordern ein Umdenken - über die Gesetze hinaus.

Judit Wirt von der NGO "Frauen gegen Gewalt gegen Frauen" NANE sagte im Gespräch mit Euronews: "Wir meinen, wenn die bestehenden Gesetze von den Behörden wirklich umgesetzt würden, würde sich die Lage deutlich verbessern."

Neben Ungarn haben auch Bulgarien, Tschechien, Irland, Lettland, Litauen, die Slowakei und Großbritannien die Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen nicht unterschrieben.

Der Fall Erika Renner

Für Empörung sorgte der Fall von Erika Renner. Sie wurde von ihrem Ex-Geliebten angegriffen, betäubt und schwer verletzt. Der Prozess zog sich über sechs Jahre hin und wäre fast im Sand verlaufen, wenn das Opfer nicht immer wieder nachgehakt hätte.

Erika Renner im Gespräch mit euronews in Budapest

Erika Renner sagt, die Justiz zeige keinerlei Mitgefühl. Opfer sollten entmutigt werden, damit sie keine Klagen einreichen.

Sie haben mich wie Luft behandelt - in meinem eigenen Fall. Ich hatte nur Pflichten, musste Rechenschaft ablegen, die Wahrheit sagen, aber ich als Mensch komme im Justizsystem gar nicht vor.
Erika Renner
Wurde von ihrem Ex-Gelieben misshandelt
Judit Wirth von der Frauenrechtsgruppe NANE

Die Frauenrechtsaktivistin Judit Wirth findet, dass man die Probleme aber nicht den Justizbeamten und Polizisten vorwerfen darf.

"Der Kampf gegen Gewalt gegen Frauen muss professionell sein. Aber die Polizisten und Justizbeamten, die in diesem Bereich arbeiten, bekommen dafür keinerlei Ausbildung."

Früher wurden Frauengruppen bei Weiterbildungen hinzugezogen. Seit der Flüchtlingskrise 2015 sieht die Regierung die Aktivistinnen als ideologisch belastet, ihre Interessen richteten sich gegen den ungarischen Staat.

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