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COP25: Wie extrem kann das Wetter noch werden?

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COP25: Wie extrem kann das Wetter noch werden?
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2019 war ein außergewöhnliches Jahr, eines der wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Es gab Hitzewellen, Waldbrände, das Abschmelzen von Polkappen und Gletschern, den Anstieg des Meeresspiegels. CO2 ist auf dem höchsten Stand seit Millionen von Jahren. Wie sieht unser Klima in Zukunft aus? Euronews sucht nach Antworten in einer Climate Now-Sonderausgabe von der Klimakonferenz COP25 in Madrid.

Ausnahmejahr 2019

Wie extrem kann das Wetter noch werden? Was ist mit der Emissionslücke - den Unterschied zwischen dem, was versprochen wurde und dem, was wirklich an CO2 in die Atmosphäre gepumpt wird. Darüber sprach euronews-Reporter Jeremy Wilks mit Experten auf der Klimakonferenz COP25 in Madrid:

Euronews:"2019 war ein Rekordjahr. Zum Jahresanfang sanken die Temperaturen in Nordamerika aufgrund des Polarwirbels auf - 30 Grad Celsius, in Frankreich kletterte das Thermometer auf 46 Grad, ein neuer Rekord. Ist das der neue Normalzustand, müssen wir uns daran gewöhnen?"

Maxx Dilley, Direktor für Klimavorhersage und Anpassung bei der Weltorganisation für Meteorologie antwortet:"2019 war entweder das zweit- oder dritt wärmste Jahr in der Geschichte seit vorindustrieller Zeit. Es war 1,1 Grad über dem vorindustriellen Niveau."

Und Vincent-Henri Peuch, Direktor beim Kopernikus-Atmosphärenüberwachungsdienst (Copernicus Atmosphere Monitoring Service), meint:"Ja, und die Überraschung ist, dass es keine Überraschung ist. Jahr für Jahr werden Rekorde gebrochen, bis zu einem gewissen Grad gewöhnen wir uns daran. Aber schaut man sich die Daten mit ein bisschen Abstand an, sind die fünf vergangenen Jahre wahrscheinlich die fünf heißesten seit Bestehen der Wetteraufzeichnungen und die zehn vergangenen Jahre die zehn heißesten."

Euronews:"Wie extrem kann unser Wetter, unser Klima angesichts all dessen noch werden?"

Vincent-Henri Peuch:"All diese rekordverdächtigen Temperaturen, nicht bei einer Erwärmung um ein, sondern um zwei, drei Grad in einigen Gebieten, das ist Neuland für die Erde."

Maxx Dilley:"Das letzte Mal, als die Erde so warm war, lag der Meeresspiegel 6 bis 9 Meter über dem Stand von heute. Wenn der Planet ein neues Gleichgewicht erreicht hat, wird der Meeresspiegel also weiter ansteigen, das Eis wird weiter schmelzen. Denkt man an all die dicht besiedelten Küstengebiete, kann man sich vorstellen, was ein Anstieg des Meeresspiegels um 6 bis 9 Meter für die Bevölkerung dort bedeuten würde."

Aktuelle Klimadaten

Der November 2019 war mit Temperaturen von 1,3 Grad über denen der vorindustriellen Zeit überdurchschnittlich warm.

Es war deutlich feuchter als im Durchschnitt, mit starken Regenfällen und Überschwemmungen in Italien und auf dem Balkan entlang der Adriaküste. In Norwegen und am Schwarzen Meer war es überdurchschnittlich trocken.

In Südostaustralien herrschte dagegen weiterhin warmes und trockenes Frühlingswetter, wie auf dieser Karte der Bodenfeuchte-Anomalie zu sehen ist. Das schuf günstige Bedingungen für die dort wütenden Waldbrände.

Emissionslücke: zu wenig Ehrgeiz bei den Klimazielen

Mit zwei weiteren Experten sprach der euronews-Reporter über die Emissionslücke. 2018 wurde eine Rekordmenge an CO2 in die Atmosphäre ausgestoßen. Beim Klimagipfel geht es um die Reduzierung von Emissionen: Gibt es nicht nur eine Emissions-, sondern auch eine Glaubwürdigkeitslücke?

"Ja, es gibt eine Glaubwürdigkeitslücke", meint Glen Peters, Forschungsdirektor am Zentrum für Internationale Klima- und Umweltforschung (Centre for International Climate Research) in Norwegen."Unsere Emissionen steigen seit Jahrzehnten. Die Steigerungsrate scheint sich nicht sonderlich zu verlangsamen. Die Emissionen sind seit 1990 um etwa 60 Prozent gestiegen. Selbst seit der Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens 2015 sind die Emissionen um etwa 4 Prozent gestiegen. Es gibt also eine echte Kluft zwischen den realen steigenden Emissionen und dem Ehrgeiz sowie der politischen Rhetorik."

Euronews:"Was sind die Folgen dieses ganzen zusätzlichen CO2 in der Atmosphäre?"

"Die physikalische Wissenschaft zu diesem Thema ist gut fundiert und wirklich einfach", erklärt Joeri Rogelj, Klimawissenschaftler am Londoner Imperial College."Jede Tonne CO2, die wir in die Atmosphäre ausstoßen, trägt zur zusätzlichen Erwärmung bei. Jedes Jahr, in dem wir weiterhin in die Atmosphäre emittieren, erhöhen wir also die Erwärmung, die Risiken und tragen dazu bei, dass die Ozeane versauern."

"Wenn die Emissionen in diesem Jahr weiter steigen, dann ist das eindeutig nicht der Weg, den die Wissenschaft vorgibt."
Joeri Rogelj
Klimawissenschaftler

Euronews:"Klimaaktivisten sagen, dass die Politiker auf die Wissenschaftler hören sollten. Sie sind die Wissenschaftler - hören Ihnen die Politiker zu?"

"Nicht wirklich", so Joeri Rogelj. "2015 entschied man in Paris, dass man die Erderwärmung deutlich unter 2 Grad - bei 1,5 Grad - halten wollte. Wissenschaftler erklären, was man dafür tun muss: schnelle Emissionsreduzierungen, netto Null, also keine weiteren Emissionen in die Atmosphäre, bis Mitte des Jahrhunderts oder kurz danach. Wenn die Emissionen in diesem Jahr weiter steigen, dann ist das eindeutig nicht der Weg, den die Wissenschaft vorgibt."