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Quallenschleim gegen Mikroplastik

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Quallenschleim gegen Mikroplastik
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Während viele Menschen in Quallen höchstens ein Ärgernis sehen, schwärmen die Wissenschaftler des EU-Projekts "GoJelly" von der riesigen ungenutzten Ressource, die die Nesseltiere darstellen: ein leckeres, gesundes Nahrungsmittel, aber vor allem vielseitig verwendbar in Industrie und Landwirtschaft. An 16 Forschungsstätten in 8 Ländern wird über den Nutzen von Quallen geforscht: Biofilter gegen Mikroplastik, aber auch Dünger, Kosmetika, Medizinprodukte und Fischfutter könnten aus den ungeliebten Tieren gewonnen werden.

Quallen gegen Mikroplastik

Können Quallen bei der Reinigung der Ozeane helfen? Forscher in Slowenien sind davon überzeugt. Sie nehmen euronews mit zum Quallenfischen und öffnen ihre Labore. Das ist das Thema dieser Futuris-Folge.

"In europäischen Gewässern gibt es viele Quallen. In einigen Gebieten führt ihre massive Verbreitung zu Problemen", sagt euronews-Reporter Cyril Fourneris. "Forscher in Slowenien sind davon überzeugt, dass man diese Häufung nutzen kann, vor allem zur Reinigung der Ozeane. Sie nehmen mich mit zum Quallenfischen."

Die slowenischen Küsten an der Adria sind von den Quallenblüten betroffen: Quallenschwärme werden durch Überfischung und globale Erwärmung begünstigt. Die Forscherin Katja Klun untersucht lokale Arten. Sie interessiert sich für die Sekrete, die sie absondern:

"Wie man sieht, sondern sie Schleim ab, das ist ein Zeichen von Stress. Sie wollen sich schützen", erklärt die Chemikerin am slowenischen nationalen Institut für Biologie.

Biofilter-Prototyp aus Quallenschleim

In Zusammenarbeit mit israelischen Forschern entwickelt das Labor einen Biofilter-Prototyp aus Quallenschleim, um Mikroplastik aus Kläranlagen herauszufiltern. Die Forscher interessiert die Fähigkeit der viskosen Flüssigkeit, Mikroplastik zu binden.

"Man sieht wie sie langsam absorbiert werden, im Schleim sieht man bereits die gebundenen grünen Mikroplastikpartikel", so Katja Klun. "Darüber hinaus geht es um die Nachhaltigkeit. Wir brauchen mehr Forschung, mehr Projekte und Studien, um nicht von der Jahreszeitgebundenheit der Quallen abhängig zu sein. Wie züchtet man sie usw.."

Soll man die Nesseltiere fangen? Oder sie züchten? Das sind Fragen, die man sich beim europäischen Forschungsprojekt "GoJelly" stellt. Internationale Spezialisten haben sich in Slowenien getroffen, um ihre Arbeiten über Quallen zu präsentieren und über den Nutzen und Gebrauch dieser gelatineartigen Wesen zu diskutieren. Landen sie im Fischernetz, werden sie weggeworfen.

Auf der Suche nach neuen Ressourcen

Jamileh Javidpour, Meeresbiologin und Quallenforscherin bei GEOMAR und "GoJelly"-Projektkoordinatorin: "Die Welt ist auf der Suche nach neuen Ressourcen, insbesondere nach Rohstoffen aus dem Meer. Daher kommt der Begriff "blaues Wachstum". Das Projekt 'GoJelly' zeigt Möglichkeiten, wie man Biomasse in der Kreislaufwirtschaft nutzen kann."

Eine weitere Option ist die Nutzung der Quallen als Bio-Dünger in der Landwirtschaft. Die Nesseltiere enthalten Nährstoffe wie Phosphat, Stickstoff und Kalium, die als landwirtschaftliche Rückstände ins Meer gekippt und von Quallen aufgenommen werden. Aber dieser Einsatz ist nicht unproblematisch:

"Soll ich die Qualle frisch direkt verarbeiten, dann kann sie aber nicht lange gelagert werden. Oder versuche ich, sie haltbar zu machen mit verschiedenen Trocknungsverfahren oder Trocknungsprozessen. Dabei ist die Herausforderung, wie ich das getrocknete Material an die Pflanze bringe und was für einen Effekt das auf die Bodenmikroorganismen hat, das Pflanzenwachstum aber zum Beispiel auch auf Grundwasser und Luftqualität", so Thorsten Reinsch, Agrarwissenschaftler an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Quallen: eklig? Nein, lecker und gesund!

Quallen als Lebensmittel interressant zu machen ist der Schwerpunkt eines italienischen Forscherteams. Laut ihrer Aussage können manche Nesseltiere gesund und lecker sein, sobald ihr Gift eliminiert ist.

"Das ist ein Quallenextrakt, der Mikroalgen enthält", zeigt Antonella Leone, Biologin am italienischen Forschungsinstitut für Nahrungsmittelproduktion (ISPA-CNR) in Lecce. "Der Extrakt enthält sowohl Inhaltsstoffe der Quallen als auch der Mikroalgen. Er hat eine starke antioxidative Aktivität und wir konnten zeigen, dass er auch das Wachstum von menschlichen Krebszellen hemmt."

Quallen können Rohstoffe für verschiedenste Verwendungszwecke liefern. Laut den Forschern wäre es unsinnig, dieses Potenzial nicht zu nutzen, zumal die zugrundeliegende Biomasse laut Jamileh Javidpour immer wieder direkt vor die Haustür schwimmt.