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Arzt in Quarantäne: "Meine Kinder erschöpfen mich mehr als das Coronavirus"

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Arzt in Quarantäne: "Meine Kinder erschöpfen mich mehr als das Coronavirus"
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Ein französischer Arzt und 15 Familienmitglieder haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Im Euronewsinterview spricht er über die Quarantäne, die Symptome und darüber, wie sich die Familie mit Lebensmitteln versorgt.

"Ich war müde und hatte Kopfweh"

Jonathan Peterschmitt ist Hausarzt in Ammertzwiller, einer Kleinstadt in der Nähe von Mülhausen. Dort wurden vor einigen Tagen mehrere Coronavirus-Fälle gemeldet. Peterschmitt hatte nur leichte Symptome, wie "Kopfschmerzen und Müdigkeit". Doch er ließ sich trotzdem auf den Erreger testen, um seine Patienten nicht zu gefährden. Das Ergebnis: positiv.

Nun steht er 14 Tage lang unter Quarantäne – mitsamt seiner sechsköpfigen Familie. Insgesamt sind in seinem Verwandtenkreis 16 Menschen an Covid-19 erkrankt – der Krankheit, die durch das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelöst wird. Alle dürfen ihre Häuser nicht verlassen.

Lebensmittel vor der Haustür

Wie man dann an Lebensmittel kommt? „Durch Freunde und Familie“, erklärt der Mediziner. Und auch Patienten würden Essen vor seiner Tür deponieren, sodass er es sich abholen kann, ohne die Wohnung zu verlassen. „Sie helfen jetzt mir, anstatt ich ihnen“, erklärt der Arzt.

Er fühle sich „sehr gut, vielleicht etwas müde“, so Peterschmitt. Doch das liege mehr an seinen vier Kindern als am Coronavirus, scherzt der Familienvater. Wirklich krank fühle sich in der Familie niemand – insgesamt 80 Prozent aller Coronavirus-Fälle hätten einen solch milden Verlauf.

In der Kirche angesteckt?

Noch würden sich die Kinder nicht zu sehr langweilen. Doch bisher seien es ja auch nur knapp vier Tage in Isolation. „Wir versuchen sie hier zu Hause so gut es geht zu unterhalten“, sagt Peterschmitt.

Beschäftigte im Gesundheitswesen wie Ärzte und Krankenschwestern sind täglich Menschen mit Infektionskrankheiten ausgesetzt – und damit auch besonders anfällig für das neuartige Coronavirus. Peterschmitt glaubt aber, dass er sich bei einem Gottesdienst in der Kirche mit rund 2000 Teilnehmern angesteckt hat.

"Bleiben Sie zu Hause!"

In Regionen wie seiner, dem Dreiländereck zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz, verbreite sich der Erreger durch Pendler und Grenzgänger noch schneller.

Großveranstaltungen wie der Gottesdienst wurden inzwischen abgesagt – auch einige Schulen haben geschlossen. Peterschmitt ruft jeden Einzelnen zur Vorsicht auf: “Wenn Sie Kontakt mit einem Infizierten hatten, bleiben Sie zu Hause!”