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Lettland stärkt die Wissenschaft der kleinen großen Dinge

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Lettland stärkt die Wissenschaft der kleinen großen Dinge
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Trotz Bemühungen auf nationaler und EU-Ebene bestehen in Europa nach wie vor gravierende interne Unterschiede in der Entwicklung von Forschung und Innovation. Ein Grund dafür sind zu wenige Forschungs- und Exzellenzzentren. Sie sind eine wichtige Voraussetzung, um Staaten und Regionen auf ein strategisch innovatives Wachstum auszurichten.

Das EU-Projekt CAMART² zielt darauf ab, das bestehende Exzellenzzentrum für fortgeschrittene Materialforschung und Technologie am Institut für Festkörperphysik der Universität von Lettland (ISSP UL) zu einem neuen und wesentlich stärkeren Exzellenzzentrum auszubauen. Die Aufwertung soll den effizienten Transfer neuer Materialien und Technologien in Produkte von kommerziellem und öffentlichem Nutzen auf der Grundlage des Wissensaustauschs und der Synergie mit innovationsintensiven Partnern ermöglichen.

Das Projekt erhöht den Grad der Kommerzialisierung der Forschung in Lettland und der Ostseeregion und verbessert die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, ebnet den Weg für innovationsbasiertes Wirtschaftswachstum und verringert die Unterschiede zwischen Lettland und anderen Mitgliedstaaten.

Foto: euronews

"Es sieht wie ein gewöhnliches Gebäude in Riga, der Hauptstadt Lettlands. Aber hier arbeiten auf 2500 Quadratmetern 220 Physiker, Chemiker, Ingenieure und andere Experten, die das Institut auf dem anspruchsvollen Gebiet der Festkörperphysik zu einem europäischen Exzellenz-Forschungszentrum gemacht haben", sagt euronews-Reporter Julián López Gómez. "Schauen wir uns die Forschung genauer an, und warum sie so wichtig für dieses baltische Land ist."

Das 1978 gegründete Institut ist nach Aussage seiner Mitarbeiter eines der fortschrittlichsten Kompetenzzentren für Bildung, Forschung, Innovation und Technologietransfer in den baltischen Staaten.

Forschungs-Schwerpunkt Batterien

In einem der Labore entwickeln Wissenschaftler beispielsweise neue Natrium-Batterien: "Wir sind für die Synthese und Charakterisierung verantwortlich", erklärt Gints Kucinskis, Physiker am Institut für Festkörperphysik an der Universität von Lettland. "Speziell in diesem Labor bauen wir Batterien zusammen und untersuchen diese Materialien und ihr Verhalten in herkömmlichen Batterien. Wir versuchen natürlich, die Energie- und Leistungsdichte dieser Materialien zu verbessern, damit die Batterien schließlich mehr Energie speichern und mehr Leistung abgeben sowie schneller laden können."

Foto: euronews

Die Forscher arbeiten an der Entwicklung organischer LEDs (OLEDs). Sie testen potenzielle Kandidaten, mit denen man diese innovative Beleuchtungstechnologe so einfach herstellen kann wie einen Tintenstrahldruck, so Physiker Aivars Vembris:

"Mit einem Tintenstrahldrucker kann man alles, was man will, auf Papier drucken. Wenn wir organische Materialien finden, die sich über chemische Lösungen verarbeiten lassen, könnten wir OLEDs im Tintenstrahldruck-Verfahren herstellen. Das ist billig, und wir können jede Form von künstlicher Beleuchtung herstellen."

Laser sichtbar machen

Im Spektroskopie-Labor werden ganz andere neue Materialien untersucht. Wissenschaftler haben eine neue Keramikverbindung entwickelt, mit der man unsichtbare Laser sehen kann. Eine vielversprechende Technologie für den medizinischen Bereich oder Operationen:

"Bei einem leistungsstarken Laser, dessen Strahlung man nicht sieht, besteht die Gefahr, die Haut oder die Augen zu schädigen", sagt Anatolijs Šarakovskis, Physiker und Spektroskopie-Laborleiter am Institut für Festkörperphysik an der Universität von Lettland. "Deshalb transformieren wir die Strahlung, um sie sichtbar zu machen. Wir haben ein Material entwickelt, das Infrarotstrahlung sehr effizient in sichtbares Licht umwandeln kann."

Ein europäisches Forschungsprojekt machte diese Entwicklungen möglich: Das Ziel ist, das Institut von einem rein akademischen zu einem industrieorientierten Institut zu entwickeln, so Mārtiņš Rutkis, Direktor des Instituts für Festkörperphysik an der Universität von Lettland:

"Wir wollen uns stärker an der Lösung von globalen Herausforderungen wie Umweltproblemen und Gesundheitsversorgung beteiligen. Dafür braucht man zuerst eine multidisziplinäre Forschung und dann muss man auch die Industrie mit einbeziehen."

Die Entwicklung neuer Nano-Verbindungen, elektronischer Materialien, dünner Schichten und Beschichtungstechnologien sind weitere Forschungsschwerpunkte des Instituts.