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London: "Kraftwerke der Kultur" vor der Pleite

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London
London   -   Copyright  Dominic Lipinski/PA via AP
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Das kulturelle Leben in London liegt durch die Coronakrise so brach wie in anderen Metropolen. Dabei gilt vor allem das West End als schlagendes Herz der darstellenden Künste Europas.

Dieser Ruf trug über Generationen hinweg dazu bei, Jahr für Jahr Milliarden Pfund für die britische Wirtschaft zu generieren.

Doch jetzt steht die Branche mitten in einer Zeitenwende. Georgia Snow, Chefredakteurin der "The Stage"-Zeitung, sagte Euronews: "Es ist eine verzweifelte Situation für die Theater und diejenigen, die für sie arbeiten, es wird für viele Unternehmen unmöglich sein, die Abriegelung zu überstehen".

"Wir können nicht arbeiten"

Für Marie McCarthy - die künstlerische Leiterin des Londoner Omnibus Theatre - sind die Auswirkungen der Pandemie eine ständige Sorge: "Jedes Mal, wenn ich höre, dass ein Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit geht, erfüllt es mich mit Schrecken, denn es könnte leicht auch uns treffen. Während des gesamten Zeitraums gab es keinen einzigen Moment, in dem ich sagen konnte: 'Wir werden an das andere Ende des Tunnels kommen`. Auch in Gesprächen mit anderen Standorten und Kollegen stelle ich fest - wir fühlen alle dasselbe."

Die Schauspielerin Séverine Vasselin spricht von 72 Tagen Lockdown-Anspannung. In ihrem Job steht sie nun vor der Aussicht, ihre Zukunft drastisch überdenken zu müssen: "Es wird noch lange dauern, bis wir tatsächlich zum normalen Stadium oder zur Normalität zurückkehren können. Es ist wirklich schwer, sich ein großes Bild von dem zu machen, was vor sich geht. Die Auswirkungen sind enorm: Wir können nicht arbeiten."

Euronews-Korrespondent Luke Hanrahan kommentierte im Londoner West End: "Es sind nicht nur die kleineren Theater, die sagen, dass sie Probleme haben. Jetzt meinen auch einige der größten Institutionen des Landes, dass sie verwundbar sind und vor der Schließung stehen. Und jedes dieser riesigen Theater beschäftigt Hunderte von Mitarbeitern."

"Hauch von Unvermeidbarkeit"

Das Theater Shakespeare's Globe hat davor gewarnt, dass es keine andere Wahl haben wird, als ohne Unterstützung der Regierung zu schließen. Dies ist ein Sektor, in dem Vieles miteinander verbunden ist - ein länderübergreifendes Netzwerk der künstlerischen Zusammenarbeit.

David Sanderson ist der Chefkorrespondent für Kultur bei der Zeitung The Times. Er sagt, dass es einen Hauch von Unvermeidbarkeit in Bezug auf das gibt, was als nächstes passieren wird: "Sie haben kein Geld, keine Einkünfte, aber sie haben immer noch die laufenden Kosten. Die Gefahr ist, dass das Regierungsprogramm immer weiter ausläuft. Und dass viele der Kraftwerke der britischen Kultur pleite gehen werden".

Der Regierung in London wurden nun Eingaben vorgelegt, in denen der Ernst der Lage des Theaters und aller darstellenden Künste beschrieben wird. Die Überzeugung: Ohne ein zeitnahes Rettungspaket steht das Theater am Rande des Ruins. Die Regierung überlegt nun, was getan werden kann, damit die Show weitergehen kann.