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Zurück im Mittelmeer: Seenotrettung mit Covid-Regeln

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Zurück im Mittelmeer: Seenotrettung mit Covid-Regeln
Copyright  "AFP PHOTO / MEDITERRANEA / HANDOUT"
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Nach mehrmonatiger Pause kreuzen wieder Rettungsschiffe im Mittelmeer, um Flüchtlinge aufzunehmen. Während der Corona-Pandemie waren Grenzen und Häfen geschlossen.

Hilfsorganisationen mussten die Seenotrettung aus Sicherheitsgründen einstellen. Doch die Zeit drängt, denn Menschen fliehen weiterhin aus dem kriegserschütterten nordafrikanischen Land Libyen. Dort hat sich ebenfalls coronabedingt die Lage für Flüchtlinge noch weiter verschlechtert. Dringend benötigte Humanitärhilfe blieb aus. Viele Menschen sehen deswegen nur einen Ausweg: Flucht.

Am vergangenen Wochenende brachte das Schiff Mare Jonio der Hilfsorganisation Mediterranea Saving Humans bei seiner ersten Rettungsaktion seit dem Lockdown 67 Menschen nach Sizilien.

Soziale Distanzierung mit 67 Menschen an Bord

Für die Seenotretter im Mittelmeer gelten wegen Covid-19 verschärfte Sicherheitsregeln. Man habe sich an die Vorgaben der italienischen Regierung und der Internationalen Schifffahrtskammer gehalten, berichtet Alessandra Sciurba von Mediterranea Saving Humans.

"Wir mussten unsere Protokolle bei der Verteilung von Lebensmitteln und Kleidung ändern. Wir haben uns im Grunde an dieselben Regeln gehalten, die in einem Krankenhaus gelten. Wir hatten Handschuhe, Visiere, Schutzkleidung ... Natürlich war es nicht einfach, wenn man 67 Leute an Bord eines Schiffes hat, das nicht besonders groß ist, vor allem, wenn man die soziale Distanzierung zwischen dem Team und den geretteten Menschen einhalten muss."

Nicht die Tätigkeit der Retter ist Anreiz zur Flucht

Die Zahl der Flühtlinge aus Libyen hat im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zugenommen, noch ist es zu früh, um eine Verbindung zur Pandemie herzustellen.

Tatsächlich hat der Missionsstopp der Rettungsschiffe Migranten nicht davon abgehalten, sich auf den Weg zu machen, sagt Laurence Hart, IOM-Koordinator für den Mittelmeerraum.

"Die Schiffe der Seenotretter konnten nicht operieren, weil keine Häfen zur Verfügung standen. Es gab keinen Ort zum Ausschiffen der Migranten. Dennoch blieb die Zahl der Flüchtenden hoch. Das beweist, dass nicht die Tätigkeit der Retter Anreiz zur Flucht bietet."

Berichte von Flüchtlingen machten deutlich, dass vor allem die andauernde humanitäre Krise in Libyen den Ausschlag gab, meint Alessandra Sciurba.

"Als wir ihnen sagten, die sie 14 Tage in die Selbstisolation müssten, reagierten sie gar nicht. Ihr Hauptziel bleibt; dem, was sie die libysche Hölle nennen, zu entkommen."