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"Kuh-Urteil": Österreichische Landwirte machen Almen dicht

"Kuh-Urteil": Österreichische Landwirte machen Almen dicht
Copyright  Kerstin Joensson/AP
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Das umstrittene "Kuh-Urteil" in Österreich sorgt für große Verunsicherung unter Landwirten. Diesmal hat ein Bergbauer im Salzburger Land eine beliebte Alm für Wanderer gesperrt. Er erklärte, er könne bei seinen Kühen für keine Sicherheit garantieren.

Vorausgegangen war ein Urteil des Obersten Gerichtshofes, das einem Tiroler Bergbauern eine Teilschuld an einem tödlichen Angriff einer Mutterkuh auf eine Wanderin gab. Der Mann wurde zu einer Strafe von mehreren hunderttausend Euro verurteilt.

Kuh-Urteil existenzbedrohend für Landwirte

Ein abschreckendes Beispiel, das den Landwirt aus Rauris zu seinem Schritt bewog: Vor einigen Tagen sperrte er kurzerhand den Weg im Nationalpark Hohe Tauern über die große Rohrmooser Alm im Krumltal nördlich des Hocharn und nordwestlich des Ritterkopfes mit einem hohen Zaun.

"Durchgang verboten" steht auf einem Schild – mit Hinweis auf das umstrittene „Kuh-Urteil“ des Obersten Gerichtshofs. Erst im Mai hatte es einen ähnlichen Fall gegeben: Ein Bergbauer in der Steiermark sperrte den Weg durch seine Sommeralm. Normalerweise wandern dort bis zu 400 Touristen pro Tag.

"Die Menschen haben eine Eigenverantwortung"

Gesperrte Wanderwege und Zäune - das geht dem Alpenverein zu weit. "Das ist ein Wahnsinn", meint Brigitte Slupetzky vom Salzburger Alpenverein.

Das Beispiel darf auf keinen Fall Schule machen. Ich hoffe, dass wir bald zu einer Einigung kommen: Dem Bauern muss Rechtssicherheit zugesprochen werden, die Menschen haben eine Eigenverantwortung.
Brigitte Slupetzky
Alpenverein, Landesverband Salzburg

Slupetzky argumentiert, dass Landwirte ihre Kühe nicht oft genug sähen, um deren Gefährlichkeit einschätzen zu können.

Die Vorsitzende des Salzburger Landesverbandes machte sich heute ein Bild vor Ort. Der Weg über die Rohrmoosalm im Krumltal ist für Wanderer und Bergsteiger wichtig, wenn sie die Nordseite des Hocharn-Massivs mit dem Rosskar und dem Unteren Keesboden erreichen oder verlassen wollen. Durch den Zaun ist laut Bergsteigern der ganze Talschluss der Kruml nun praktisch abgeschnitten.

Bundesregierung um Hilfe gebeten

Um das zu verhindern, hat man auch die zuständige Tourismusministerin Elisabeth Köstinger um Hilfe gebeten. Wie die Angelegenheit rechtlich ausgehen wird, darauf warten viele Touristen zu Beginn dieser Sommersaison mit großer Spannung.