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Wo sind die Massen hin? Tourismusflaute in Frankreich

In den Gärten von Versailles (Juni 2020)
In den Gärten von Versailles (Juni 2020)   -   Copyright  Michel Euler/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
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Schon zu Beginn der Pandemie hatte man es - auch in Frankreich - befürchtet: Reisebeschränkungen, Abstandsregel und die Angst vor Infektionen werden der Tourismusbranche auf unabsehbare Zeit zu schaffen machen. Für das Management der Schlossanlage von Versailles ist die Flaute längst Realität, gerade während der Sommerferien.

Ein Beispiel für den massiven Rückgang der Besucherzahlen aus dem In- und Ausland sind die Museumsanlagen von Versailles mit ihren Schlössern, Gärten und Remisen. Vor der Pandemie war Versailles das am drittstärksten frequentierte touristische Ziel Frankreichs. Catherine Pégard, die Präsidentin dieser öffentlichen Einrichtung, sprach bereits vom "Zusammenbruch" der Besucherzahlen.

Versailles ohne ausländische Touristen

Derzeit werden gerade einmal 10.000 Besucher täglich gezählt. Deutlich wird: Es fehlen die Touristen aus dem Ausland. Zum Vergleich: Vor Beginn der Pandemie kamen rund drei Mal mehr Besucher am Tag.

"Am Wochenende sind es etwas mehr, in der Woche etwas weniger, denn unsere Besucher kommen fast ausschließlich aus Frankreich. Nach und nach kommen auch wieder Menschen aus dem Ausland, Deutsche, Niederländer, einige Italiener", so Catherine Pégard in einem Radiostatement für RTL.

Vor der Pandemie kamen ganze 80 Prozent der Besucher aus dem Ausland.

45 Millionen Euro Verlust

"Finanziell sind wir weit weg von einer Erholung", so die Präsidentin. Die Anlagen, die bereits am 6. Juni unter Auflagen wiedereröffnet wurden, hätten seit Beginn des Lockdowns im Land "45 Millionen Euro verloren."

"Wir müssen also viel darüber nachdenken, was wir tun müssen, ob unser Verkaufsmodell nicht auch danieder liegt", so Pégard. Bisher seien die Schlossanlagen nur ein einziges Mal für Besucher geschlossen worden und zwar als der Zweite Weltkrieg ausbrach.

Beim Personal werde es keine Einschnitte geben, weder für die rund 1000 Angestellten im Schloss noch für die 20.000 weiteren, die um die Anlage herum arbeiten, so die Präsidentin.

Milliardenverluste für französische Tourismusindustrie

Am vergangenen Wochenende hat der französische Staatssekretär für Tourismus, Jean-Baptiste Lemoyne, den unmittelbaren Verlust der Branche landesweit auf 30 bis 40 Milliarden Euro beziffert. Auch bemerkte er, dass die Mehrheit der Touristen für gewöhnlich aus dem Ausland komme. Sehr viele dieser Menschen blieben derzeit weg.

"In normalen Zeiten hatten wir Einnahmen von 180 Milliarden Euro jährlich, 60 Milliarden davon durch internationale Touristen", so der Staatssekretär im Interview mit einer französischen Zeitung. Bergrüßenswert sei, dass viele Franzosen den Urlaub im eigenen Land verbrächten und damit einen Beitrag zur Stützung der Branche leisteten.

"Doch seien wir ehrlich", so Lemoyne. "In normalen Zeiten kommen jeden Sommer 17 Millionen Touristen aus dem Ausland. Neun Millionen Franzosen fahren jeden Sommer ins Ausland." Ein großer Teil der Reisenden fiele also weg.

Auch der Louvre leidet

Das meistbesuchte Museum der Welt ist der Louvre in Paris. Im Juli kam lediglich ein Viertel der Besucher des Vorjahreszeitraums. 10.000 Besucher sind das - so ähnlich hatte es die Direktion nach eigenen Angaben des Louvre vorausgesehen.

Während des Lockdowns setzte das Museum auf die Reichweite sozialer Medien und der eigenen Internetseite. Die Besucherzahlen online schossen durch die Decke: von zuvor 40.000 auf 400.000 Besucher. Doch der Effekt ließ sich nicht in die Zeit nach den Lockerungen retten. Am Tag der Wiedereröffnung am 6. Juni wurden lediglich 7000 Eintrittskarten für den Besuch vor Ort verkauft.

Hier eine Aufstellung der beliebtesten touristischen Ziele in Frankreich (Stand 2017):

Maskiert durch Disneyland

Das in Frankreich und ganz Europa beliebteste Reiseziel ist Disneyland Paris. Am 15. Juli ging es dort wieder los. Für gewöhnlich kommt auch hier ein Großteil der Besucher aus dem Ausland, rund 56 Prozent. Derzeit gelten auch im Park die gängigen Vorsichtsmaßnahmen. Wie in Versailles und Paris darf auch hier nur eine limitierte Zahl an Besuchern hinein. Wer älter als 11 Jahre alt ist, muss eine Maske tragen. Tickets werden ausschließlich online verkauft.

Vor der Pandemie kamen täglich mehr als 40.000 Personen ins Disneyland Paris. Doch auch hier sind die Zahlen eingebrochen, hauptsächlich kommen nun Franzosen. Ein positiver Nebeneffekt: Die Warteschlangen sind sehr viel kürzer als noch zu Beginn des Jahres. Das dürfte auch für das Schloss von Versailles und für den Louvre in Paris gelten.