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Italien: Neue politische Bewegung vertritt Migranten zweiter Generation

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Italien: Neue politische Bewegung vertritt Migranten zweiter Generation
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Mehr Repräsentation für Migranten

Yassine El-Ghild ist einer der Gründer der ersten politischen Bewegung in Italien, die speziell die Interessen von Einwanderern zweiter Generation vertritt. Ihr Name: "Futuro è Ora", zu Deutsch: "die Zukunft ist jetzt".

Zu ihren Forderungen gehört unter anderem die italienische Staatsbürgerschaft für Kinder ausländischer Eltern und mehr politische Repräsentation von Migranten in wichtigen Institutionen.

El-Ghild: "Wir haben es satt, die Fragen, die uns betreffen, an andere Menschen zu delegieren. Denn wenn es um Migration, die soziale Inklusion geht, dann sollten nur die, die solche Erfahrungen gemacht haben, darüber sprechen dürfen."

Der gebürtige Marokkaner El-Ghild ist nicht allein. Auch andere teilen seine Sicht. Etwa der Anwalt Khadim Dieng. Er stammt aus dem Senegal.

"Wir glauben, dass jeder, der hier als Kind regulärer Migranten geboren wird, das Recht auf die italienische Staatsbürgerschaft haben sollte. Italien sollte weiter ein aufnahmewilliges Land sein, in dem jeder seine Träume erfüllen kann. Für mich war Italien wie der Amerikanische Traum. Und ich möchte, dass das für alle Menschen gilt, die heute hier ankommen."

Viele, etwa Sidy Mohamed Gueye, wissen, wie es ist, ohne italienischen Pass zu leben.

"Ich bin nicht sicher, ob ich italienischer Staatsbürger werden kann, bevor ich meinen Uniabschluss habe. Wenn nicht, würde es mich daran hindern, in öffentlichen Einrichtungen zu arbeiten, und das wäre mein Traum."

"Ich will nicht für eine Prostituierte gehalten werden"

Jeder in der neuen Bewegung hat eine eigene Aufgabe. Fiorella Ekwume ist Lehrerin und Forscherin. Sie interessiert sich für Fragen der Bildung. Obschon sie in Italien geboren wurde und dort aufwuchs, fühlt sie sich nach wie vor als Außenseiterin.

"Ich will ganz unabhängig davon respektiert werden, wer ich heute bin oder was ich im Leben erreicht habe. Wenn auf der Straße gehe, will ich nicht von einem Mann angesprochen werden, der glaubt, ich sei eine Prostituierte."

Pontedera ist eine kleine Stadt in der Toskana. Hier wurde die Bewegung gegründet. Die Gemeinde hat den höchsten Migrantenanteil der gesamten Region. Die Meinungen über die neue Bewegung gehen auseinander.

Ein Mann meint: "Wenn sie hier geboren wurden, gehen sie mit unseren Kindern zur Schule, sie sind die Freunde unserer "weißen" Kinder, sie verbringen Zeit zusammen. Ich sehe keinen Grund, warum sie nicht das Recht auf volle Staatsbürgerschaft haben sollten. Das verstehe ich nicht."

Ein anderer sagt: "Die Zuwanderer haben hier keine Wurzeln, sie teilen nicht die Kultur, die zu diesem Land gehört, deshalb sollten sie auch nicht an den Wahlen hier teilnehmen."

Die neue Bewegung will zunächst bei Lokalwahlen antreten, später dann landesweit.