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Lukaschenko trifft Putin: Besuch beim "großen Bruder" wird schwierig

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Lukaschenko trifft Putin: Besuch beim "großen Bruder" wird schwierig
Copyright  Mikhail Klimentyev/Sputnik
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Er nannte ihn vor Kurzem seinen älteren Bruder - nun stellt sich die Frage, ob er auf diesen auch in Krisenzeiten bauen kann. Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko will seinen russischen Kollegen Wladimir Putin am Schwarzen Meer treffen, laut Kreml am Montag. Es wird der erste Auslandsbesuch Lukaschenkos seit der umstrittenen Präsidentenwahl vor rund einem Monat. Putin war der erste, der Lukaschenko zu dessem selbsterklärten Sieg gratulierte, doch das heißt nicht, dass dem Weißrussen ein gemütliches Familientreffen bevorsteht.

Lukaschenko "große Gefahr für Moskau"

Der russische Präsident wird wissen wollen, welchen Preis Lukaschenko für die Unterstützung bereit zu zahlen ist, so Andrei Kolesnikov, Experte für russische Innenpolitik am Carnegie Moscow Center: "Russland wartet nur darauf, dass er seine Arme öffnet, dass er sich zugänglicher zeigt, so dass man einen Fahrplan für die Übernahme Weißrusslands machen kann. Ich weiß nicht, ob Lukaschenko schon verstanden hat, dass Russland natürlich gerne jemanden auf diesem Platz hätte, der moderner, angepasster ist, eine Puppe. Aber selbst, wenn er in die Enge getrieben ist, hat Lukaschenko wenig von einer Puppe, er ist zu unvorhersehbar. Das ist eine große Gefahr für Moskau."

"Ziel ist Kontrolle über Belarus"

Putin hatte Lukaschenko wegen der Proteste gegen diesen im Ernstfall die Unterstützung durch Truppen in Aussicht gestellt. Ein militärisches Eingreifen ist für den Kreml aber das Worst-Case-Szenario. Die Strategie ist eine andere, so er belarussische Politikexperte Valery Solovei: "Der Kreml sieht Lukaschenko jetzt mit dem Rücken zur Wand. Putins Ziel ist die Kontrolle über Belarus, für Lukaschenko interessiert er sich nicht. Es wird mindestens um eine wirtschaftliche Eingliederung und die Vereinheitlichung von Gesetzen gehen, am Ende will der Kreml Belarus wirtschaftlich voll übernehmen. So dass es politisch ein souveränes Land bleibt, aber die wirtschaftliche Unabhängigkeit verliert."

Laut Kreml geht es bei dem Treffen um die strategischen Partnerschaft zwischen beiden Ländern. Es sei nicht geplant, Dokumente zu unterzeichnen oder eine Pressekonferenz abzuhalten.

Lukaschenko hatte zuletzt mehrfach Spekulationen widersprochen, er könne einen Besuch in Russland nutzen, um sich abzusetzen. Weil sich der 66-Jährige am Präsidentenpalast zuletzt zweimal mit schusssicherer Weste und einer Kalaschnikow in der Hand zeigte, ist auch in der russischen Politik die Nervosität groß.