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Neuster Deal: TikTok Global wird amerikanisch

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Neuster Deal: TikTok Global wird amerikanisch
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Wochenlang hatte der US-Präsident die aus China stammende Video-App TikTok unter Druck gesetzt, jetzt darf sie doch im US-Markt bleiben. Der von Trump präsentierte Deal: Das globale Geschäft von TikTok zieht in die USA um - und die Firma zahlt fünf Milliarden Dollar in einen Bildungsfonds in Texas.

ORACLE

Nach dem nun abgenickten Deal soll der Software-Konzern Oracle alle Daten von US-Nutzern verarbeiten und sich um die dazugehörigen technischen Systeme kümmern. In den USA würden 25.000 Jobs entstehen, kündigten Trump und TikTok an.

Donald Trump, US-Präsident:

"Wir werden sehen, ob alles so kommt oder nicht. Aber konzeptionell - meine ich - ist es toller Deal für Amerika. Sie werden mindestens 25.000 Leute einstellen. Die Firma wird höchstwahrscheinlich in Texas angesiedelt. Milliarden Dollar an Steuern kommen jedes Jahr rein und hunderte Millionen Nutzer werden glücklich. Also werden alle glücklich sein. Es ist ein Einschnitt. Das wird weiter TikTok heißen, wie immer und das war's. "

"SICHERHEITSRISIKO" TIKTOK

Trump hatte TikTok als Sicherheitsrisiko bezeichnet, weil die App dem chinesischen Bytedance-Konzern gehört. Aus seiner Sicht hätten chinesische Behörden über die App an Daten von Amerikanern kommen können. Dieser Begründung folgend legte er mit zwei Anordnungen die Basis für das Aus der App in den USA. TikTok und Bytedance prallten mit dem Argument ab, dass Daten von US-Nutzern in den USA gespeichert würden und nicht nach China gingen.

MEHRHEITLICH AMERIKANISCH?

Eine zentrale Forderung Trumps war auch, dass US-Investoren eine Mehrheit an TikTok halten. Dazu wurde bisher nur offiziell bekannt, dass Oracle vor einem Börsengang von TikTok Global einen Anteil von 12,5 Prozent an der Firma übernehmen soll und der Supermarkt-Riese Walmart 7,5 Prozent.

Bytedance strebe dabei eine Gesamtbewertung von 60 Milliarden Dollar für TikTok an, so der Finanzdienst Bloomberg. Oracle und Walmart müssten demnach zusammen zwölf Milliarden Dollar bezahlen. Über den Preis werde aber noch verhandelt.

Zugleich berichtete das «Wall Street Journal», dass Bytedance die restlichen 80 Prozent von TikTok Global behalten werde. Aber: Da amerikanische Investoren wie die Start-up-Finanzierer Sequoia und General Atlantic wiederum rund 40 Prozent an Bytedance hielten, könne man von einer US-Mehrheit bei TikTok sprechen, erklärten Insider. Trump hatte zuvor verkündet: «Es wird eine ganz neue Firma sein. Sie wird nichts mit China zu tun haben.»

Eine formelle Aufhebung der US-Maßnahmen gegen TikTok steht noch aus. Das Handelsministerium schob den Download-Stopp für die App in den USA, der für Nutzer ab Montag greifen sollte, um eine Woche auf.

PEKING MUSS NICHT ZUSTIMMEN

Das neue Konstrukt könnte den Vorteil haben, dass für den Deal keine Zustimmung der chinesischen Regierung nötig wäre. Die Führung in Peking hatte zuvor einen direkten Verkauf des US-Geschäfts von TikTok an den Software-Konzern Microsoft torpediert. Sie führte eine neue Regel ein, nach der Software-Algorithmen nur mit Erlaubnis der Behörden ins Ausland verkauft werden dürfen.

Trump seinerseits hatte einen Deal, bei dem Oracle mit einem Minderheitsanteil als Technologie-Partner von TikTok agieren sollte, vor wenigen Tagen noch abgelehnt. Das Handelsministerium leitete daraufhin einen Countdown für den Rauswurf von TikTok aus den amerikanischen App Stores ein. TikTok und Bytedance reichten dagegen Klage in Washington ein.

Neu ist, dass TikTok nun fünf Milliarden Dollar an einen Bildungsfonds in Texas überweisen werde, wie Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Fayetteville im Bundesstaat North Carolina sagte. Er hatte zuvor verlangt, dass die US-Regierung eine Art Kommission bekommen müsse, weil sie den Deal herbeigeführt habe.

GESCHICHTSTHEMA SKLAVEREI

Der Bildungsfonds solle dafür sorgen, «dass die echte Geschichte unseres Landes unterrichtet wird», sagte Trump. Er hatte vor einigen Tagen die Bildung einer Kommission zur Förderung patriotischer Bildung angekündigt - der Republikaner begründete dies unter anderem damit, dass die historische Bedeutung der Sklaverei aktuell zu stark hervorgehoben werde.

TikTok hatte bereits einen Cloud-Deal mit einem anderen US-Unternehmen - Amazons IT-Tochter AWS. Dem Chef des Online-Händlers, Jeff Bezos, gehört privat die Zeitung «Washington Post», in der Trump oft kritisiert wird. Oracle-Gründer Larry Ellison ist dagegen einer der prominentesten Unterstützer Trumps im Silicon Valley. Walmart wiederum ist ein Amazon-Konkurrent.

TikTok war 2017 durch die Zusammenlegung mit der Mitsing-App Musical.ly entstanden, die mit einer Lippensynchronisierungsfunktion für selbstgedrehte Videos Erfolg hatte. Die TikTok-Nutzer können 15 bis 60 Sekunden lange Videos erstellen. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz ermittelt die vor allem bei jungen Leuten populäre App-Vorlieben der Nutzer und schlägt ihnen immer weitere Videos vor.

su mit dpa