Eilmeldung
This content is not available in your region

"Winter is coming" - Hype um Söder: Tasse statt Kostüm?

Markus Söder mit Maske
Markus Söder mit Maske   -   Copyright  Peter Kneffel/(c) dpa-Pool
Schriftgrösse Aa Aa

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder schafft es immer wieder, sich medienwirksam in Szene zu setzen. Auch deshalb ist der CSU-Chef derzeit der wohl aussichtsreichste Bewerber um die Nachfolge von Kanzlerin Angela Merkel, obwohl der 53-Jährige selbst immer wieder betont, er wolle in seinem Bundesland bleiben.

Während andere Politiker wie Armin Laschet aus NRW in digitale Fettnäpfchen treten, erscheint Söder souverän. Zuletzt hatte Laschet im Sommer mit einem hemdsärmeligen Auftritt mit anderen CDU-Politikern, die alle ähnlich gekleidet waren wie der Landeschef, für Spott gesorgt, weil auf dem Foto nur Männer zu sehen waren. Markus Söder dagegen zeigt sich gern als Förderer von Frauen (in seinem Kabinett sind tatsächlich viele Ministerinnen) und als Verfechter grüner Ideen. Dem stattlichen 1.94-Meter-Mann gelingt es immer wieder, sich ins rechte Licht zu rücken.

Bei seiner Rede für den CSU-Parteitag, die per Video live übertragen wurde, nahm der am Tisch sitzende Söder die Tasse zur Hand, auf der "Winter is coming" steht, während er begann über den schwierigen Winter in der Coronavirus-Krise zu sprechen. Zunächst stellte Söder die Tasse von einer Seite seines Manuskripts auf die andere. "Es wird ein schwieriger Winter für uns," sagte Söder.

Dass die Tasse einen "Game of Thrones"-Spruch - "Winter is coming" - in einen anderen - "Winter is here" - verwandelt, wenn man etwas Heißes eingießt, will Söder nicht gewusst haben. Die Tasse sei ein Geschenk gewesen, sagte der bayrische Regierungschef.

Laut dpa hat sich die symbolträchtige Tasse mit der besonderen Technik in einen Renner verwandelt und ist inzwischen ausverkauft.

Auf Twitter hat Söder mit der besonderen Tasse für viel Aufmerksamkeit gesorgt - auch bei Leuten, die sich sonst weniger für die CSU interessieren.

In den Jahren zuvor hatte Söder im Karneval mit seinen ganz besonderen Verkleidungen für Aufsehen gesorgt. Staatsmännischer geworden tritt der Vater von vier Kindern inzwischen nicht mehr im aufwändigen Kostüm als Shrek oder Prinzregent Luitpold auf.

Anders als andere Politiker erzält der Nürnberger in Interviews freimütig von seiner Kindheit und davon, dass sein 2002 verstorbener Vater, der Maurer war, den politischen Aufstieg des Sohnes nicht mehr erleben durfte. Die Mutter war schon 1994 gestorben. Der Vater war laut Söder zunächst gar nicht begeistert davon, dass sein Sohn nach dem Jurastudium als Journalist arbeitete.

Von der Corona-Krise ist Bayern besonders stark betroffen - und der Ministerpräsident hat besonders strenge Regeln durchgesetzt. Dabei hat es Söder auch geschafft, indem er Fehler eingestand, die enormen Test-Pannen kommunikationspolitisch so zu bewältigen, dass er nicht als Verlierer dastand und in den Umfragen nicht an Popularität einbüßte.

Markus S¨öder, dem Kritiker vorwerfen, er hänge sein Fähnchen nach dem Wind und sei in Bezug auf politische Inhalte unstet, erscheint als modernerer und wohl für viele auch glaubwürdigerer Politiker-Typ als die Widersacher im eigenen Lager. Ob er tatsächlich Deutschlands nächster Kanzler wird?