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"No-Deal-Brexit": "Die Zölle sind so, dass Export unwirtschaftlich wird"

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Der britische Premierminister Boris Johnson hat sich enttäuscht über fehlende Fortschritt in den Verhandlungen mit der EU über ein Handelsabkommen nach dem "Brexit" gezeigt. Eine Entscheidung über einen Abbruch der Gespräche werde erst nach dem anstehenden EU-Gipfel fallen, so Johnsons Sprecher nach einem Telefonat des Premiers mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel.

NO DEAL?

Tadhg Enright, Euronews:

"Was also bedeutet „Brexit“? Bis - oder so lange kein - Handelsabkommen zwischen Großbritannien und der EU abgeschlossen wird, weiß das keiner so genau. Aber wenn kein "Deal" zustandekommt, werden das Ergebnis klarer und die Folgen extremer."

Thomas Sampson, London School of Economics:

"Es ist historisch sehr selten, dass ein Land mit seinem größten Handelspartner Handelshemmnisse aufbaut. Aus reiner Forschungsperspektive ist es ein sehr interessantes Experiment, das da stattfindet."

WTO-REGELN

Wenn eine Einigung ausbleibt, würde der Handel zwischen Großbritannien und der EU den Regeln der Welthandelsorganisation WTO folgen.

Dienstleister - wie Anwälte, Unternehmensberater und Finanzdienstleister könnten nur noch begrenzt grenzüberschreitend arbeiten.

Dramatischer wären die Auswirkungen für den Verkauf von Waren, auf die Zölle - oder Steuern – fällig würden, sobald sie die Grenze überqueren.

Am schlimmsten treffen könnte es Autohersteller und Landwirte.

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Für Autos und Teile würden jedesmal 10% Zoll fällig, wenn sie – fertig oder nicht - über die Grenze rollen. Und die Abgaben für bestimmte Rindfleischstücke können bis zu 90% hochgehen.

David Henig, European Centre For International Political Economy (ECIPE):

"Ein „No Deal“ würde alles auf den Kopf stellen. Die Zölle sind so, dass der Export unwirtschaftlich wird. Wir meinen, dass die Landwirtschaft dann nichts mehr exportieren könnte.“

ENGE BANDE

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Die Volkswirtschaften Großbritanniens und der EU sind aber eng verflochten. Letztes Jahr (2019) verkaufte Großbritannien 43 Prozent seiner Exporte nach Europa. Europäische Statistiker haben noch keine „Nach-Brexit“ Handelszahlen herausgebracht. Aber der IWF hat zuletzt geschätzt, dass 13 Prozent der europäischen Exporte nach Großbritannien gehen.

David Henig, European Centre For International Political Economy (ECIPE):

“Für die EU ist das unangenehm, ganz sicher, ein wirtschaftlicher Schlag. Aber nicht zu vergleichen mit der Härte, die Großbritannien treffen würde.“

Thomas Sampson, London School of Economics:

„Wir werden viele Erfahrungen sammeln, wir werden sehen, wie schnell der Handel reagiert, welche Branchen am stärksten betroffen sind und wie groß die Auswirkungen sind.“

GRENZKONTROLLEN

"Deal" oder "No Deal", eines ist sicher. Grenzkontrollen werden kommen, weil Großbritannien beschlossen hat, die Zollunion mit der EU zu verlassen. Wenn da nicht alles glatt läuft, muss man mit Verzögerungen rechnen - Beispiel Lastwagen-Warteschlange der auf der Hauptstraße zum Hafen von Dover im September, als französische Grenzbeamte streikten.

Tadhg Enright, Euronews:

"Um all das zu vermeiden, muss ein Deal bis zum 31. Dezember abgeschlossen sein, oder die Frist wird verlängert. Und selbst wenn es KEINEN Deal gibt, können Sie Gift drauf nehmen, dass die Gespräche irgendwann wieder losgehen. Viele halten es ja für undenkbar, solche Zölle sehr lange durchzuziehen.“

Tadhg Enright, su mit dpa