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Merkel mit düsterer Covid-19-Prognose: "Laufen auf akute Notlage zu"

Screenshot: Angela Merkel am 2.11. in Berlin
Screenshot: Angela Merkel am 2.11. in Berlin   -   Copyright  Markus Schreiber/AP
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Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Maßnahmen des Bundes und der Länder zur Eindämmung der Pandemie erneut erläutert.

Laufen „auf eine akute Notlage" zu

Angesichts des beginnenden Winters stehen schwierige Monate bevor, weil das Virus bei niedrigen Temperaturen „anders und noch aggressiver reagiert", so Merkel auf der Bundespressekonferenz. Die Lage mache Sorge, sagte die Kanzlerin. Die Zahlen lassen Deutschland „auf eine akute Notlage" zulaufen, erläuterte sie. Man komme immer näher an die Belastungsgrenze in Krankenhäusern heran. Weil man stark steigende Ansteckungszahlen habe, werde sich zeitlich verzögert auch die Belegung der Intensivbetten erhöhen. „Zuzusehen, wie wir näher und näher an die Belastungsgrenze des Personals und der Strukturen in der Intensivmedizin kommen, das kann keine Regierung verantworten, das will die Bundesregierung nicht verantworten und ich persönlich will es auch nicht", so Merkel.

In 75 Prozent der Ansteckungsfälle könne nicht mehr nachverfolgt werden, wo die Ansteckung stattgefunden habe, sagte sie. „Deshalb müssen wir wieder in eine Situation kommen, in der die Gesundheitsämter Kontakt nachverfolgen können", betonte die Kanzlerin.

„Regelung schweren Herzens beschlossen"

„Wir müssen Kontakte reduzieren, wo immer das möglich ist“, sagte Merkel. Deshalb müsse - wenn möglich - von zu Hause aus gearbeitet werden. Und ebenfalls: „Keine Urlaubsreisen, keine nicht unbedingt notwendigen Verwandtenbesuche, keine Fest und Feiern. Das Freizeitangebot und die Kulturstätten werden geschlossen. Und zu Hause sollen sich so wenig wie möglich Menschen treffen“, sagte sie und erinnerte an die Anordnung, Kontakte im Freien auf Mitglieder von zwei Haushalten zu begrenzen. Das bedeute „vier Wochen Verzicht auf vieles, was das Leben schön macht. Und das wissen wir“, so Merkel. Einen besseren oder milderen Weg habe man nicht gesehen, sagte sie. „Deswegen haben wir diese Regelung schweren Herzens beschlossen, aber eben auch aus Überzeugung. Wir glauben, dass sie geeignet sind, unser Ziel zu erreichen. Und sie sind erforderlich, um die Kontakte zu reduzieren", erläuterte sie. Die Wissenschaft habe sich ebenfalls dafür ausgesprochen, man habe sich von der Wissenschaft beraten lassen, betonte die Bundeskanzlerin.

„Kann Wellenbrecher sein"

„Wenn wir das einen Monat mit aller Konsequenz durchhalten, kann das in dieser zweiten Welle ein Wellenbrecher sein", fügte sie hinzu. „Ob diese große, gemeinsame Kraftanstrengung etwas bringt im Monat November, das hängt nicht nur von den Regeln ab, sondern vor allem auch davon, ob diese Regeln befolgt werden", sagte Merkel. Darum sei man auf das Mitmachen durch die Bevölkerung angewiesen, so die deutsche Regierungschefin. „Jeder und jede hat es in der Hand, diesen Monat November zu unserem gemeinsamen Erfolg zu machen“, sagte sie.

Bis zu zehn Milliarden Euro sollen für Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, die aufgrund der Einschränkungen jetzt ihren Geschäftsbetrieb einstellen müssen. „Niemand, ob Gastronom oder Fitnessclubleiter wird mit seinem Ausnahmeausfall in diesen nächsten vier Wochen alleingelassen“, versprach Merkel. Gegenüber dem Frühjahr gebe es mittlerweile einige Lichtblicke, so die Bundeskanzlerin: „Mehr und besseres Schutzmaterial“, sagte sie, zudem habe man inzwischen auch die Schnelltests zur Verfügung. Es gebe inzwischen besseren Schutz für besonders risikoanfällige Menschen, bessere Arzneimittel und „positive Aussichten auf Impfstoffe, die in den nächsten Monaten zugelassen werden könnten“, sagte Merkel. Wichtig sei, die Verfolgbarkeit und Kontrollierbarkeit so viel wie möglich hinzubekommen, erläuterte sie.