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Covid-19 in der Schweiz: Wie schlimm ist die Coronakrise wirklich?

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Krankenhaus in Yverdon-les-Bains
Krankenhaus in Yverdon-les-Bains   -   Copyright  LAURENT GILLIERON/AP
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Wie schlimm ist die Coronavirus-Krise in der Schweiz wirklich?

Während einige der Regierung unterstellen, sie tue kaum etwas und habe insgeheim "auf Durchseuchung umgeschaltet", behaupten andere, die Corona-Taskforce betreibe "Schwarzmalerei" und zeichne ein "Horrorszenario" der Situation. Dabei gibt es auch eine unterschiedliche Sicht der Dinge zwischen der - weniger betroffenen - Deutschschweiz und der - schlimmer betroffenen -Romandie.

14-Tage-Inzidenz von 1.192

In der vergangenen Woche lag die Zahl der täglichen Neuinfektionen in der Schweiz mehrmals bei über 10.000. Die 14-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner liegt mittlerweile bei 1.192.

Zum Vergleich: In Frankreich - wo weitgehende Einschränkungen eingeführt wurden - beträgt dieser Wert derzeit 988.2, in Österreich liegt die Inzidenz bei 753.3, in Deutschland bei 276.2.

Nur in Belgien und Tschechien ist die Zahl der Neuinfektionen zur Zeit höher als in der Schweiz.

Tut die Regierung ganz bewusst nichts?

Gegenüber dem Nachrichtenportal "20 Minuten" bestreitet das Bundesamt für Gesundheit, dass es geplant sei, dass sich möglichst viele mit dem Coronavirus infizieren. "Die Schweiz verfolgt keine Durchseuchungsstrategie", erklärte das BAG.

Im Internet wirft die Initiative @CoronaZeroCH (CoronaZero – Switzerland without Coronavirus) der Regierung vor, sie tue nicht genug, um die Pandemie zu bekämpfen. Die Gruppe verlangt angesichts überlasteter Krankenhäuser einen "Lockdown2".

Streit zwischen Deutschschweiz und Romandie

In der Sonntagsausgabe des Tagesanzeiger setzt sich die Coronavirus-Taskforce gegen den Vorwurf zur Wehr, sie betreibe Alarmismus. Und Blick stellt an diesem Montag die Frage: "Werden die Spitäler tatsächlich überlastet?"

Das Bundesamt für Gesundheit wird in den Medien der Deutschschweiz dafür kritisiert, dass es die Überlastung der Krankenhäuser schon mehrmals angekündigt hatte. Doch bisher betrifft die Krise vor allem die französischsprachigen Kantone.

Gesundheitsminister Alain Berset hat in der vergangenen Woche seinem Ärger über die Deutschschweizer Kantone Luft gemacht, die bisher kaum elektive Operationen verschieben, um Covid-19-PatientInnen aus der Romandie aufzunehmen.

Der Minister erklärte im Fernsehen RTS, dass ein Drittel der Intensivbetten in der Schweiz frei seien und dass die überlasteten Krankenhäuser in Genf, Freiburg und Lausanne durch die Deutschschweizer Kantone entlastet werden sollten. Jetzt sei Solidarität gefragt - und die Deutschschweizer Kantone sollten endlich reagieren.

Der Verband der Zürcher Krankenhäuser verwehrte sich gegen den Vorwurf des Ministers, sie zeigten nicht genug Solidarität. Sie wollen nicht alle planbaren Eingreife absagen, weil sie schon in der ersten Welle finanzielle Einbußen einstecken mussten.

Einschränkungen auch im Tessin

Nach Genf hat auch der Kanton Tessin die Corona-Regeln verschärft. Dabei gibt es Kritik an den Geschäftsschließungen in Genf, weil der Kanton diese im Alleingang beschlossen hatte.

Schon seit Ende Oktober sucht die Universitätsklinik in Genf verzweifelt nach ÄrztInnen und Pflegekräften. Und die Zahl der Covid-19-PatientInnen steigt weiter an.

Die Regionalregierung des Tessin hat Versammlungen von mehr als fünf Personen ab diesem Montag untersagt. Der Staatsrat des Kanton Tessins, Norman Gobbi, fordert die Regierung in Bern auf, in den Notfall-Modus zurückzukehren und die Gesundheitskrise besser zu managen.

Dagegen gibt es Kritik von konservativen Politikern in der Deutschschweiz am Kanton Genf, in dem die Regionalregierung - wie in Frankreich - nicht essentiellen Geschäfte geschlossen hat. Mit einer 14-Tage-Inzidenz von 2.713 pro 100.000 Einwohner ist Genf der derzeit am schlimmsten vom Coronavirus betroffene Kanton.

Proteste gegen Corona-Regeln in Basel

Am Samstag haben in Basel etwa 3.000 Menschen gegen Maskenpflicht und andere Maßnahmen zu Eindämmung der Pandemie demonstriert. Im Kanton Basel-Landschaft ist die 14-Tage-Inzidenz derzeit schweizweit am niedrigsten.