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Aufschrei der Tochter: Ex-Beamter seit 2 Wochen in Ankara verschwunden

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Von Euronews
Hüseyin Galip Küçüközyiğit mit seiner Tochter
Hüseyin Galip Küçüközyiğit mit seiner Tochter   -   Copyright  Nursena Küçüközyiğit via Twitter @NeredeBabam
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Tochter Nursena sucht nach ihrem Vater Hüseyin Galip Küçüközyiğit. Der ehemalige hohe Regierungsbeamte - der nach dem Putschversuch in der Türkei geschasst worden und dann als Anwalt tätig war - ist am 29. Dezember 2020 in Ankara verschwunden. Nicht nur die Tochter fürchtet, er befinde sich in der Gewalt türkischen Sicherheitskräfte.

Nursena Küçüközyiğit lebt mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern in der Provinz Kocaeli. Dorthin wollte der Vater zu Neujahr reisen.

Die grüne Europa-Abgeordnete Rebecca Harms leitet den Hilferuf der Tochter, die auch ein Video auf Englisch veröffentlicht hat, weiter.

Der ehemalige türkische Diplomat Hüseyin Konuş, der inzwischen in Deutschland lebt und das "Institute for Diplomacy and Economy" leitet, meint gegenüber Euronews, die Behörden wollten im Fall Hüseyin Galip Küçüközyiğit nichts unternehmen: "Es wurde noch kein Staatsanwalt ernannt, der sich mit dem Fall befasst. Das ist in solchen Fällen sehr häufig der Fall. Die Beamten versuchen vielmehr, diese Entführungen (das Verschwindenlassen) zu vertuschen."

Hüseyin Galip Küçüközyiğit arbeitete laut Konus in der damaligen türkischen Nationalen Agentur (heute ist diese die Direktion für EU-Angelegenheiten im Außenministerium) als Koordinator der Europäischen Union, und er war auch nationaler Koordinator des EU-Programms Leonardo da Vinci. Der studierte Jurist war Rechtsberater des damaligen Ministerpräsidenten, als er im August 2016 im Rahmen der groß angelegten Säuberungen in der Türkei entlassen wurde.

Laut Menschenrechtsorganisationen - wie dem Stockholm Center for Freedom - sind in der Türkei seit 2016 mehr als 30 Personen mutmaßlich von türkischen Geheimdiensten entführt worden.

Dem türkischen Innenministerium zufolge wurden seit dem gescheiterten Putsch insgesamt 292.000 Menschen festgenommen. 25.655 Personen waren Ende 2020 weiterhin in den türkischen Gefängnissen, weil sie wegen Verbindungen zur Gülen-Bewegung - die laut Regierung hinter dem Putschversuch steckt - inhaftiert wurden.