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Trotz Ermittlungen und Haftandrohung: Putin-Gegner Nawalny will nach Russland zurückkehren

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Kremlkritiker Alexej Nawalny in seinem Instagram-Beitrag.
Kremlkritiker Alexej Nawalny in seinem Instagram-Beitrag.   -   Copyright  Navalny instagram account via AP
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Riskante Entscheidung

Noch ist Kremlkritiker Alexej Nawalny in Deutschland, am Sonntag will er aber an Bord einer Pobeda.-Maschine zurück nach Russland fliegen. Eine riskante Entscheidung: immerhin ermitteln die russischen Behörden gegen ihn und wollen ihn ins Gefängnis werfen. Dabei sei eine Rückkehr für ihn immer klar gewesen, so Nawalny.

In einem Instagram-Beitrag sagte er: "Ich bin nicht freiwillig nach Deutschland gegangen. Es ist ein großartiges Land, aber ich bin hier nicht freiwillig. Ich bin hier, weil einige Leute versucht haben, mich umzubringen. Es sind dieselben Leute, die sich jetzt darüber ärgern, dass sie mich doch nicht umgebracht haben, dass ich überlebt habe und die jetzt damit drohen, mich ins Gefängnis zu stecken."

"Sie haben alles versucht, um mir Angst einzujagen"

Nawalny war nach einem Giftanschlag bewusstlos in einem Privatflugzeug von Sibirien nach Berlin geflogen worden. Nach der Entlassung aus der Charité blieb er zunächst in Deutschland. Und nun tue Putin alles, damit er nicht zurückkehre, vermutet Nawalny. Mit den aktuellen Ermittlungen und Haftandrohungen wolle man ihn letztlich fernhalten.

Ich bin nicht freiwillig nach Deutschland gegangen. Ich bin hier, weil einige Leute versucht haben, mich umzubringen.
Alexej Nawalny
Kremlkritiker

Nawalny sagte: "Sie haben alles versucht, um mir Angst einzujagen. Alles, was Putin übrigblieb, war, ein riesiges Schild am Kreml anzubringen mit der Aufschrift: "Alexei, komm unter keinen Umständen nach Hause."

Für Nawalny ist klar: hinter dem Anschlag mit Nowitschok steckt ein von Putin befehligtes Killerteam. Vor kurzem war es dem Kremlkritiker gelungen, ein mutmaßliches Mitglied dieses Teams auszutricksen und per Telefon zu befragen. Russlands Regierung streitet wie üblich alles ab und verlangt Beweise.

Zuletzt hatten die russischen Behörden den Druck auf Nawalny erhöht. Erst am Dienstag war bekannt geworden, dass die Strafvollzugsbehörde den Oppositionellen wegen angeblich nicht erfüllter Bewährungsauflage ins Gefängnis bringen möchte. Ein entsprechender Antrag wurde bei einem Moskauer Gericht gestellt.

Nalwany soll sich persönlich bei den Behörden melden

Die Behörde hatte Nawalny kurz vor dem Jahreswechsel schriftlich aufgefordert, Auflagen einer früheren Strafe zu erfüllen und sich bei den russischen Behörden persönlich zu melden. Ansonsten drohe eine Inhaftierung. In dem Fall geht es um eine Verurteilung aus dem Jahr 2014. Nawalny schrieb dazu, die Bewährungsstrafe habe bereits am 30. Dezember vergangenen Jahres geendet.

Zudem gibt es Ermittlungen gegen den Regierungskritiker wegen angeblichen Betrugs. Das russische Ermittlungskomitee warf ihm vor, mit anderen Personen Spenden von umgerechnet 3,9 Millionen Euro an seinen Fonds zur Bekämpfung von Korruption für "persönliche Zwecke" verwendet zu haben - etwa für den Kauf von Eigentum und die Finanzierung von Urlaub. Nawalny wies die Anschuldigungen zurück.

Die Fluggesellschaft Pobeda hat für kommenden Sonntag eine Verbindung vom Berliner Hauptstadt-Flughafen BER nach Moskau in ihrem Flugplan. Demnach soll die Maschine um 19.20 Uhr Ortszeit (17.20 Uhr MEZ) auf dem Flughafen Wnukowo landen.

Weitere Quellen • Bellingcat