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Wenn Kinder schwer an Covid-19 erkranken: PIMS und Post-Covid

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Kinder auf Schulhof in Deutschland
Kinder auf Schulhof in Deutschland   -   Copyright  INA FASSBENDER/AFP or licensors
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Wie ist das mit Kindern, die schlimm an Covid-19 erkranken?

Professor Dr. med. Arne Simon, Facharzt für Kinderheilkunde und Infektiologie vom Universitätsklinikum des Saarlandes, unterstreicht, dass Kinder nur sehr selten von schweren Krankheitsverläufen und von dem Entzündungssyndrom PIMS betroffen sind. PIMS steht für "Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome". Die Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI) hat bis Ende Februar 2021 insgesamt 215 Kinder und Jugendliche in Deutschland mit PIMS registriert.

PIMS tritt vor allem bei größeren Kindern und Jugendlichen auf, während von einem schweren Verlauf der Infektion eher Kinder unter drei Jahren oder gar unter einem Jahr betroffen sind.

Sauerstoffmangel und starke Bauchschmerzen als Zeichen der Infektion

Prof. Dr. Arne Simon erklärt, dass PIMS oft erst Wochen nach der Infektion mit SARS-CoV-2 auftritt. Er sagt: "Wir müssen zwei Dinge unterscheiden. Das eine ist die Infektion mit dem Virus mit einem hohen klinischen Schweregrad, die dazu führt, dass die Kinder stationär aufgenommen werden müssen. Meistens stehen dann Atemwegssymptome im Vordergrund - zum Beispiel Sauerstoffmangel, Kurzatmigkeit, aber durchaus auch starke Bauchschmerzen. Bei vielen dieser Kinder ist es sogar so, dass die Bauchschmerzen im Vordergrund stehen und dass sie primär aufgenommen werden, um abzuklären, dass sie nicht eine Blinddarmentzündung haben oder Ähnliches. Davon zu unterscheiden ist dieses Inflammationssyndrom, das tatsächlich einige Wochen nach der eigentlichen Infektion auftritt. Sie haben in der PIMS-Gruppe - das heißt bei diesem sehr, sehr seltenen Hyper-Inflammationssyndrom Kinder, die vorher nie durrch schwere Symptome aufgefallen sind."

Universitätsklinikum des Saarlandes
Prof. Dr. med. Arne SimonUniversitätsklinikum des Saarlandes

PIMS führt zu Entzündung des Herzmuskels und kann Post-Covid verursachen

Und woran leiden Kinder mit PIMS, bei denen das Immunsystem überreagiert?

Der Experte erläutert: "Wenn man dann ein Labor macht, findet man Enzymerhöhungen, die man zum Beispiel bei einem Herzinfarkt finden würde, aber hier liegt kein Infarkt vor, sondern hier liegt eine Entzündung des Herzmuskels vor. Und von einer solchen Entzündung des Herzmuskels erholt man sich nicht innerhalb von einer Woche, sondern es gibt Kinder, die viele Wochen danach noch kontrolliert werden müssen. Es gibt Kinder, die brauchen bestimmte Medikamente, um das Herz und seine Funktionen zu unterstützen. Und es gibt unter diesen Kindern durchaus auch einige, die so eine Post-Covid-Symptomatik haben, wie sie bei Erwachsenen inzwischen schon ganz gut definiert ist, die sind ständig müde, abgeschlagen und nicht so leistungsfähig wie vorher."

Den Statistiken zufolge sind vor allem Kinder im Alter zwischen 7 und 15 Jahren von PIMS betroffen.

"Eine extrem seltene Komplikation"

Der Kinderarzt will vor allem die Eltern nicht in unbegründete Sorgen stürzen, allerdings plädiert er für niedrige Infektionszahlen. "Um halt die Menschen und insbesondere die Eltern nicht komplett zu verunsichern und zu verängstigen, muss man berücksichtigen, dass das immer noch eine extrem seltene Komplikation ist, wo wir sicher bei der Inzidenz im Bereich von 1 zu 10.000 liegen. Wenn sie aber in der Bevölkerung insgesamt sehr sehr viele Infektionen durch das SARS-Virus haben und dann eben auch bei Kindern und Jugendlichen, dann werden zwangsläufig solche Fälle auftreten und die bedürfen dann auch einer speziellen Therapie."

Von Schnelltests an Schulen nicht überzeugt

Von Coronavirus-Schnelltests für alle Schulkinder ist Facharzt für P¨¨adiatrie nicht überzeugt. Dabei gebe es zu viele falsch negative und zu viele falsch positive Ergebnisse. Dann wägten sich die Menschen in falscher Sicherheit oder es müsste das gesamte Protokoll mit Gesundheitsamt und Quarantäne abgespielt und das Ergebnis ohnehin durch einen PCR-Test bestätigt werden.

"Wir veranstalten keine SARS-Partys"

Wie viele andere Kinderärzte verweist Arne Simon auf die Kollateralschäden der Pandemie-Maßnahmen wie das monatelange Dichtmachen von Schulen: "Wir sagen aber nicht, das ist eine harmlose Infektion, wir veranstalten auch keine SARS-Partys mit der Vorstellung, dass möglichst viele Kinder sich anstecken sollen, um eine Herdenimmunität zu erzeugen. Sondern wir haben von Anfang an klare und konstruktive Vorschläge gemacht, wie man die Übertragungen verhindern kann. Es gibt auch bei Kindern schwere Verläufe, glücklicherweise sind diese aber viel, viel, viel seltener als bei Erwachsenen - insbesondere als bei den alten Menschen."