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Zu langsam, zu spät? Kritik am Coronamanagement in Tschechien

Von Euronews
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Zu langsam, zu spät? Kritik am Coronamanagement in Tschechien
Copyright  AP / Petr David Josek
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Die tschechische Republik steckt tief in der Covidkrise. Fast 8.300 Menschen werden derzeit in tschechischen Krankenhäusern behandelt - so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. In mehr und mehr Regionen sind Intensivbetten Mangelware, so dass viele Patientinnen und Patienten verlegt werden müssen.

Die Regierung in Prag ist alarmiert. Um die Verbreitung des Coronavirus zu stoppen, wurden Kindergärten geschlossen. Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern müssen ihre Angestellten in Kürze testen lassen.

Der Soziologie Daniel Prokop warnt:

Es gibt viele Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter, die nicht von zu Hause aus arbeiten können. Der Lockdown kann also nur erfolgreich sein, wenn Tests und weitere Maßnahmen die Zahl der Covidfälle reduzieren.

Die Pilsner Urquell Brauerei beschäftigt insgesamt mehr als 2.000 Leute, etwa die Hälfte von ihnen direkt in Pilsen.

Die Menschen können sich bereits seit letzter Woche auf freiwilliger Basis testen lassen. Die Massentests all unserer Angestellten beginnen in der nächsten Woche und enden am 12. März.
Rudolf Slehofer
Pilsner Urquell, Direktor

Insgesamt sollen mehr als 2 Millionen Menschen in über 10.000 tschechischen Firmen in den kommenden 14 Tagen getestet werden. Ein straffer Zeitplan, an dessen Umsetzung und Wirksamkeit es jedoch Zweifel gibt.

Der Soziologe Daniel Prokop räumt ein:

Wir haben in der tschechischen Republik den Fehler gemacht, dass die Zahlen im Mittelfeld stagnierten. Dadurch verliert man zwangsläufig die Kontrolle. Die Maßnahmen erfolgen zu spät, reichen nicht aus und dauern nicht lang genug.

Die Hoffnungen ruhen auf den Impfungen, die zu Weihnachten begannen. Bisher waren ältere Menschen an der Reihe.

Dr. Marek Stefan vom Homolka Krankenhaus in Prag sagt:

Die Impfungen sind eins der wenigen Mittel, die der Bevölkerung helfen können, die Coronakrise in den Griff zu bekommen.

Eine zweite Dosis wurde bisher an 250.000 Menschen verimpft - unter ihnen über 80-Jährige und das medizinische Personal. Die Regierung plant, das Impfprogramm mit Hilfe von Hausärzten zu beschleunigen.