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"Kein Randphänomen": Antisemitismus in Österreich

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Von Johannes Pleschberger
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"Kein Randphänomen": Antisemitismus in Österreich
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Antisemitismus in Österreich ist kein Randphänomen, sondern kommt nach wie vor mitten aus der Gesellschaft - das geht aus einer neuen Studie im Auftrag des österreichischen Parlaments hervor.

Gewalttätigen Judenhass musste die Wiener Studentin Victoria Borochov schon als Kind miterleben. "Ich war 10 Jahre alt, in meiner Schule ist mir ein Junge entgegengekommen im Stiegenhaus. Er hat mich fast die Treppen hinuntergestoßen, mich an den Schultern gerempelt und mir gesagt: Du Scheiß-Jüdin ich bringe dich und deine ganze Familie um.

"Das ist halt meine Religion, ich wurde damit geboren. Ich dachte mir nicht, dass es irgendwas Schlimmes ist bis dann halt dieser Vorfall war, wo ich mich dann Jahre nicht getraut habe zu sagen, dass ich Jüdin bin, oder jahrelang Angst hatte, wieder angegriffen zu werden."
Victoria Borochov
Wiener Studentin und Opfer von Judenhass

Dabei scheinen die Österreicher vergleichsweise tolerant zu sein. Eine europaweite Umfrage zeigt: Im Osten des Kontinents wünschen sich die wenigsten eine jüdische Person als Nachbarn.

Unterdessen greifen immer mehr Antisemiten zu Gewalt. In Österreich hat sich die Zahl der Straftaten in den letzten Jahren sogar verdoppelt. Laut dem Parlamentspräsidium greifen zudem besonders viele Verschwörungstheoretiker auf Antisemitismus zurück, was auch bei den jüngsten Anti-Lockdown-Protesten beobachtet wurde.

Dazu Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka : "Auf der einen Seite wird Israel als ein Staat bezeichnet, der die Bürger so quasi in Geiselhaft nimmt und den Konzernen ausliefert, ein typisches Momentum - die Juden seien so gierig, dass sie auch ihre eigenen Religionsbrüder und -schwestern des Geldes wegen ausliefern würden."

Massenmord an Juden vor 600 Jahren

In diesen Tagen begeht die Alpenrepublik zudem einen traurigen Gedenktag. Vor 600 Jahren vernichtete das damalige Österreich seine gesamte jüdische Bevölkerung.

"Der damalige Herrscher, Albrecht der Fünfte, hat die (jüdische) Gemeinde vollkommen zerstört", erklärt Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien. "Er hat Jüdinnen und Juden auf Boten auf der Donau ausgesetzt - Boote ohne Ruder - und die 200 wohlhabendsten Jüdinnen und Juden verbrennen lassen auf der damaligen Hinrichtungsstätte. Damit ist diese Gemeinde komplett zunichte gemacht worden. Die Synagoge, die sich hier auf diesem Platz befand, wurde zerstört."

Derweil wird die Zahl derjenigen, die den Holocaust überlebten und darüber berichten können, immer geringer, warnt Euronews-Reporter Johannes Pleschberger. "In ein paar Jahren wird es keine Holocaust-Zeitzeugen mehr geben. Damit stirbt eine bedeutende Waffe gegen den Jahrhunderte alten Antisemitismus, der Österreich und Europa nach wie vor spaltet und verletzt. Die Bildungspolitik ist gefordert."