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"Wir haben absolut keinen Bedarf an Sputnik V" EU-Kommissar Breton erntet auch Kritik

Von Euronews, su mit dpa
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"Wir haben absolut keinen Bedarf an Sputnik V" EU-Kommissar Breton erntet auch Kritik
Copyright  John Thys/AP
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Thierry Breton, EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen, hat mit seinen jüngsten Äußerungen zu "Sputnik V" den Unmut nicht nur des russischen Impfstoffherstellers auf sich gezogen. Am vergangenen Sonntag hatte Breton, der auch die Impfstoff-Task-Force der EU leitet, gegenüber dem französischen Fernsehsender TF1 gesagt: "Wir haben absolut keinen Bedarf an Sputnik V". Allein mit den in Europa hergestellten Impfdosen, die er auf 300-350 Millionen beziffert, könne schon bis zum 14. Juli eine "Herdenimmunität" auf dem gesamten Kontinent erreicht werden.

Aus Sicht des EU-Kommissars sollte den europäischen Impfstoffen der Vorrang gegeben werden, auch wenn er der Produktion des russischen Impfstoffs in Europa aufgeschlossen gegenübersteht. Sputnik V wird von der EU-Arzneimittelbehörde EMA in einem Rolling-Review-Verfahren geprüft, ist aber bisher nicht zugelassen. In nationalen Alleingängen nutzen Ungarn, die Slowakei, Tschechien und Italien den Impfstoff bereits oder wollen ihn nutzen.

Die Reaktion der russischen Impfstoff-Hersteller ließ nicht lange auf sich warten. Auf Twitter warfen die Sputnik V - Anbieter, der Russian Direct Investment Fund und das Gamaleya National Center (Moskau) der russischen Regierung Breton Voreingenommenheit gegenüber Russland vor. Der russische Impfstoff sei "wirksamer und sicherer" als einige der in der EU zugelassenen Impfstoffe. Europäer würden sich eine Auswahl an sicheren und effizienten Impfstoffen wünschen, die die EU bislang nicht liefern würde.

Sputnik V sei bislang in 54 Ländern registriert und auch die klinischen Studien hätten ihm eine hohe Wirksamkeit bescheinigt.

EMA-Chefin Christa Wirthumer-Hoche hatte kürzlich davor gewarnt, mit Sputnik V „russisches Roulette“ zu spielen. Ihre und Kommissar Bretons offenbar grundsätzliche Ablehnung des russischen Impfstoffs haben eine politische Kontroverse ausgelöst. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Gesundheitsminister Jens Spahn wollen Sputnik V bestellen, auch wenn die EU sich dagegen entscheidet, die Länderchefs in Bayern und Berlin, Markus Söder (CSU) und Markus Müller (SPD) haben eine schnelle Zulassung gefordert. In der Slowakei führte ein Streit um die Anschaffung von Sputnik V zum Sturz der Regierung.

Die Europäische Union steht für das schleppende Vorankommen der Impfkampagnen in der Kritik, besonders angesichts der dritten Welle, die viele europäische Länder bereits erreicht hat. Bislang sind nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (Stand: 18.03.2021) in Europa 24.175.984 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden, die Zahl der Todesfälle beläuft sich auf 2.659.802. Insgesamt haben im europäischen Durchschnitt rund 10,4 Prozent der Bevölkerung zumindest eine erste Impfdosis erhalten, 4,5 Prozent auch eine zweite Impfdosis. Allerdings variieren die Zahlen von Land zu Land erheblich.

su mit dpa