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Süditalien: Jahrzehnte Haft für "Umweltkatastrophe" durch Stahlwerk

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Von su  mit dpa, ANSA
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Süditalien: Jahrzehnte Haft für "Umweltkatastrophe" durch Stahlwerk
Copyright  Paola Barisani/Associated Press

Im Gerichtsprozess um schwere Umweltschäden durch Europas größtes Stahlwerk in Tarent (Apulien, Süditalien) sind mehrere Männer in erster Instanz zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Unter anderem habe das Schwurgericht der Stadt die früheren Eigentümer und Verwalter des Werkes zu 22 beziehungsweise 20 Jahren verurteilt, so Medien (Nachrichtenagentur „ANSA“) - wegen krimineller Vereinigung – sie habe eine Umweltkatastrophe verursacht und Nahrungsmittel vergiftet.

Zwei frühere leitende Mitarbeiter wurden demnach zu 21 Jahren beziehungsweise 21 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Verurteilt wurde auch der ehemalige Regionalpräsident Apuliens, Nichi Vendola. Das Gericht bestrafte ihn wegen Amtsmissbrauchs zu dreieinhalb Jahren Haft. Gegen das Urteil wolle er in Berufung gehen, so Medien („Ansa“).

FÜNF JAHRE PROZESS

Der Prozess war seit fast fünf Jahren gelaufen und geht auf Untersuchungen aus dem Jahr 2012 zurück, als das Werk noch im Besitz der Gruppo Riva war. Damals waren Abgase des Werkes mit hohen Krebsraten in der Gegend in Verbindung gebracht worden.

Laut Strafverfolgungsexperten sind bei "übermäßigen" Sterblichkeitsraten von 10-15% mindestens 400 Anwohner und Arbeiter vorzeitig an Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs gestorben. Bei Kindern seien die Krebsraten womöglich sogar noch höher.

Insgesamt standen Medienberichten zufolge 44 Personen und drei Unternehmen vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft forderte zusammengerechnet rund 400 Jahre Haft. Hunderte Privatpersonen, Vereinigungen und Verbände traten als Nebenkläger auf.

Die Umweltorganisation Legambiente zeigte sich über das Urteil erfreut. Es sei der Beweis, dass es in Tarent eine Umweltkatastrophe gegeben habe.

ILVA wird derzeit unter den neuen Eigentümern ArcelorMittal, den weltweit größten Stahlherstellern, einer Umweltsanierung und -umgestaltung unterzogen. Nach Gerichtsverfahren soll nach und nach eine Mehrheitsbeteiligung an den italienischen Staat (Investmentfirma Invitalia) gehen.

su mit dpa, ANSA