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Nach Urteil gegen Ratko Mladic: "Zeit die Wahrheit zu akzeptieren"

Von Euronews mit AP, dpa
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Eine Vertreterein der Opferorganisation "Mütter von Srebrenica" nach dem Urteilsspruch gegen Ratko Mladic
Eine Vertreterein der Opferorganisation "Mütter von Srebrenica" nach dem Urteilsspruch gegen Ratko Mladic   -   Copyright  Phil Nijhuis/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved
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Der letzte Auftritt von Ratko Mladicauf der Anklagebank des UN-Kriegsverbrechertribunals ist besonders aufmerksam in Srebrenica verfolgt worden.

Dort versammelten sich Überlebende und Hinterbliebene von Opfern des Massakers vor fast 26 Jahren, um gemeinsam die TV-Übertragung aus den Niederlanden zu verfolgen. Die Schuld des bosnisch-serbischen Ex-Generals an den Gräueltaten sei zweifelsfrei erwiesen, urteilte das Den Haager Gericht und bestätigte die Verurteilung zu lebenslanger Haft im Jahr 2017.

Unter den aufmerksamen Zuschauerinnen beim Public Viewing in Srebrenica waren auch Vertreterinnen der Opferorganisation "Mütter von Srebrenica".

Eine von ihnen ist die Witwe Nedziba Salihovic: "Wir, die Mütter, müssen glücklich sein, denn es ist eine lebenslange Strafe. Er muss für den Rest seines Lebens im Gefängnis sein, so wie ich für den Rest meines Lebens allein sein muss und darauf warte, mit meinem Sohn, meinem Mann, meinem Bruder und vielen anderen geliebten Menschen im Himmel zusammen zu sein."

Emis Suljagic ist Direktor des "Srebrenica Genocide Memorial Centre": "Ich war hier vom 11. bis 21 Juli 1995. Ratko Mladic hat nicht im Alleingang fast 10.000 Menschen getötet. Und er hat auch nicht allein die Deportation von 30.000 Menschen innerhalb von drei Tagen organisiert."

Offene Kritik in Serbien

Für das Blutvergießen im Bosnienkrieg muss Mladic die selbe Strafe verbüßen wie sein politisches Vorbild, Ex-Serbenführer Radovan Karadzic. In Serbien wurde Kritik laut.

Der Belgrader Svetozar Bosic sagte: "Wir halten ihn für einen Helden. Ein Mann, der tat, was er in dem Moment tun konnte. Er war ein Soldat und ein Offizier seines Volkes, seiner Armee. Er hat sein Volk verteidigt. Er hat alles getan, was ihm möglich war. Nur die Geschichte wird über ihn richten."

Ein Einwohner der Stadt Banja Luka, der seinen Namen nicht nennen wollte, sagte:_ "Er hätte freigesprochen werden müssen, was er auch verdient hätte. Er hätte gar nicht in Den Haag sein sollen. Es ist ein Urteil eines politischen Gerichts."_

Der Den Haager Chefankläger Serge Brammertz stellte nach dem Urteil fest, bis heute würden die Täter verherrlicht. Es sei Zeit, die Wahrheit zu akzeptieren.