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Kuba: "Die Leute sind aufgebracht, weil es nichts zu essen gibt"

Von su mit dpa, AFP
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Kuba: "Die Leute sind aufgebracht, weil es nichts zu essen gibt"
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Im Zusammenhang mit den ersten Massenprotesten gegen die Regierung in Kuba seit Jahrzehnten sind nach Angaben von Amnesty International mindestens 115 Menschen willkürlich festgenommen worden.

Darunter waren prominente Dissidenten sowie auch Journalisten, wie die Amerika-Direktorin der Menschenrechtsorganisation, Erika Guevara-Rosas, am Montag auf

Twitter schrieb.

Berichten zufolge waren am Montag überall Sicherheitskräfte zu sehen. Videos kursierten, die neue, kleinere Proteste zeigen sollen. Da aber der Internetzugang in Kuba eingeschränkt wurde, drangen nur wenige Informationen nach außen.

Am Sonntag hatten Tausende Menschen in zahlreichen Städten des autoritär regierten Karibikstaates gegen Mangelwirtschaft und Unterdrückung demonstriert. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Ein paar Stimmen aus Havanna:

Amanda Masa (16), Gymnasiastin:

"Das Internet muss funktionieren. Das ist ein Werkzeug. Wenn wir kein Internet haben - wie sollen wir kommunizieren - fast jeder hat Familie im Ausland. Das Internet ist wichtig."

Angel Navarro (17) College-Student:

"Ich meine, Internet geht nicht, also können die Leute nicht sehen, was im Land passiert ist."

Claudia Gonzalez (20), Hausfrau:

„Es gibt kein Essen, es gibt nichts, und es tut weh, weil es Leute gibt, die es nötig haben. Im Moment hat der Präsident Essen, hat Reis, Speiseöl, aber es gibt Leute, die arbeiten und haben nichts.“

Yudeiky Valverde, Grundschullehrerin:

"Die Leute sind aufgebracht, weil nichts zu essen gibt, weil es Probleme gibt, jeder hat welche."

Yamila Monte (54), Hausmeisterin:

"Was wir wollen, sind Veränderungen, wir wollen, dass die Preise etwas runtergehen, weil unser Lohn nicht reicht. Ich selbst bin Mutter eines kranken Kindes, das ein Problem mit den Nerven hat, ich leide auch darunter, ich habe keine Mittel, mein Haus fällt auseinander."

CORONA, US-SANKTIONEN

Die regierungskritischen Kundgebungen waren in mehreren Städten spontan ausgebrochen, da das Land seine schlimmste Wirtschaftskrise seit 30 Jahren durchmacht, mit chronischem Mangel an Strom, Nahrungsmitteln und Medikamenten und einer jüngsten Verschlimmerung der Coronavirus-Epidemie. Gegen Kuba gelten seit 1962 US-Sanktionen.

In einer Erklärung aus Washington unterstützte US-Präsident Joe Biden die Forderung der Demonstranten nach Lockerung "nach Jahrzehnten der Repression und des wirtschaftlichen Leidens, denen sie durch das autoritäre Regime Kubas ausgesetzt waren".

US-Außenminister Antony Blinken sagte, es wäre ein „schwerwiegender Fehler“ wenn Kuba die Vereinigten Staaten für die Proteste verantwortlich mache, die seiner Meinung nach auf das „Missmanagement“ der Wirtschaft durch die kommunistische Führung und Covid-19 zurückzuführen seien.

Die Beziehungen zwischen den USA und Kuba sind besonders angespannt, seit der damalige Präsident Donald Trump die Sanktionen nach einer historischen, aber vorübergehenden Lockerung unter Barack Obama zwischen 2014 und 2016 wieder verschärfte.

Die härteren Maßnahmen, an denen Joe Biden nichts änderte, und der Zusammenbruch des Tourismus aufgrund der globalen Pandemie trugen dazu bei, dass Kubas Wirtschaft im Jahr 2020 um 11 Prozent schrumpfte.

su mit dpa, AFP