Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Präsident schon weg: Kabul wird wohl ohne Kämpfe an Taliban übergeben

Access to the comments Kommentare
Von euronews  mit dpa
euronews_icons_loading
Taliban-Kämpfer auf dem Weg nach Kabul
Taliban-Kämpfer auf dem Weg nach Kabul   -   Copyright  Photo: AFP

Afghanistan steht kurz vor der Machtübernahme durch die Taliban. Die deutsche Bundesregierung hat eilig ihre Botschaft in Kabul geschlossen und das Personal zum militärischen Teil des Flughafens verlegt. Auch andere westliche Staaten bringen ihre Mitarbeiter:innen in Sicherheit.

Afghanistans Präsident Aschraf Ghani ist bereits außer Landes. "Der ehemalige afghanische Präsident hat das Land verlassen", sagte der ehemalige Vizepräsident Abdullah Abdullah in einem Video auf seiner Facebook-Seite.

Die militant-islamistischen Taliban standen schon am Morgen unmittelbar vor den Toren Kabuls und sollen sogar schon Außenbezirke der Hauptstadt eingenommen haben. Kabul war am Sonntag die letzte Großstadt unter Kontrolle der Regierung.

Damit erreicht die Blitzeroberung des Landes durch die Taliban ihr vorläufiges Ziel. Nach Angaben der afghanischen Regierung ist kein Gefecht um die Millionenmetropole geplant. Vielmehr soll nach einer Vereinbarung zwischen beiden Seiten ein friedlicher Machtwechsel erfolgen. Zuletzt waren auch die Städte Massar-i-Sharif und Dschalalabad praktisch kampflos an die Taliban gefallen.

Die Regierung rief die Bewohner Kabuls auf, nicht in Panik zu verfallen und die Stadt nicht überstürzt zu verlassen, Kabul sei sicher. Die Einzelheiten der Machtübergabe sollen offenbar bei Verhandlungen in Doha in den Vereinigten Arabischen Emiraten geklärt werden.

Kurz zuvor hatte der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid der BBC gesagt, er könne bestätigen, dass es Gespräche mit dem Präsidentenpalast über eine friedliche Machtübernahme gebe. Der Leiter des Hohen Rates für Nationale Versöhnung, Abdullah Abdullah, organisiere diese.

Die angebliche Vereinbarung zur Übergabe der afghanischen Hauptstadt Kabul

Auch der Verteidigungsminister Bismillah Chan Mohammadi erklärte in einer auf Facebook veröffentlichten Videoansprache, er als Vertreter der Streitkräfte garantiere die Sicherheit Kabuls. Die Menschen sollten nicht in Panik verfallen. Es sei bekannt, dass sich der Präsident Aschraf Ghani mit heimischen Politikern getroffen habe und ihnen die Verantwortung übertragen habe, eine autoritative Delegation aufzustellen, die am Montag nach Doha reisen solle, um mit den Taliban eine Einigung über die Afghanistan-Frage zu erzielen. Die Sicherheit von Kabul werde aufrechterhalten, bis eine Einigung erzielt wird, sagte er.

Mehrere westliche Länder hatten wegen des Vormarschs der Taliban bereits mit Evakuierungsaktionen begonnnen. Die deutsche Bundeswehr soll offenbar am Montag mit einem Hubschrauber nach Kabul fliegen, um dann Botschaftsmitarbeiter und afghanische Ortskräfte auszufliegen.

In den eroberten Gebieten, wie hier in Herat, bemühen sich die Taliban, den Eindruck eines geordneten Machtübergangs zu vermitteln. Sie verteilen Begnadigungsschreiben für ehemalige Regierungsmitarbeiter. Wer nicht aus der Region kommt, sondern nur hierher versetzt worden war, wird nach Hause geschickt und soll sich seine Begnadigung dort abholen.