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Covid-19: Neue höchste Inzidenz - die Warnung der Intensivmediziner

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Von Euronews  mit dpa
Am Brandenburger Tor in Berlin
Am Brandenburger Tor in Berlin   -   Copyright  Markus Schreiber/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved

In Deutschland liegt die 7-Tage-Inzidenz der Coronavirus-Neuinfektionen an diesem Dienstag laut Robert Koch-Institut bei 213,7 - und damit so hoch wie noch nie. Am Montag war bereits mit 201,1 ein neuer Höchstwert erreicht worden. Die Zahl der Ansteckungen in den vergangen 24 Stunden ist mit 21.832 höher als am Vortag.

Expertinnen und Experten zeigen auf, dass sich die Zahl der Krankenhauspatientinnen und -patienten, die schwer an Covid-19 erkrankt sind, schon jetzt deutlich erhöht hat. Wo die Impfquote besonders niedrig ist - wie in Sachsen -, ist die Zahl der schwer an Covid-19-Erkrankten besonders hoch. Eine Überlastung der Intensivstationen in Deutschland ist nach Ansicht vieler nur noch eine Frage von Wochen oder Monaten - wenn die Zahl der Neuansteckungen nicht reduziert wird.

Anästhesisten-Verbände schlagen Alarm

Die Berufsverbände Deutscher Anästhesisten (BDA) und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) schlagen in einem Brief an den geschäftsführenden Gesundheitsminister Jens Spahn Alarm. Die etwa 30.000 Intensivmedizinerinnen und -mediziner sagen, dass in vielen Städten und Kreisen die Akutversorgung mittlerweile gefährdet ist, die Versorgung der Nicht-Covid-19-Patientinnen und -Patienten ist offenbar nicht mehr in vollem Umfang gewährleistet.

Viele Expertinnen und Experten sprechen sich für eine rasche bundesweite Einführung der 2G-Regel ein, so dass nur noch Geimpfte und Genesene in Restaurants oder zu Verantstaltungen dürfen, um die Verbreitung der Neuinfektionen einzudämmen. Dies ist auch ein Mittel, die Zahl der Impfungen zu erhöhen. In Österreich hatten sich viele Menschen impfen lassen bevor 2G eingeführt wurde.

Was zeigt die Modellrechnung für die kommenden Monate?

Der Mathematiker Andreas Schuppert hat mit dem Intensivmediziner und Leiter des DIVI-Registers Christian Karagiannidis in einer Studie berechnet, wie sich die Covid-Lage in den kommenden Monaten entwickeln wird. In ihrer im Pre-print veröffentlichten Modellierung zeichnen sie eine sehr problematische Lage.

Schuppert und Karagiannidis schreiben: "Die entscheidende Frage wird sein, ob und wie der Aufwärtstrend gestoppt werden kann. Dies kann zum einen darin bestehen, dass Booster Impfungen breitflächig ausgerollt werden und damit einen substanziellen Einfluss auf den R-Wert bekommen, Kontakt Beschränkungen für Ungeimpfte in Form von 2G kommen könnten, oder insbesondere auch dass die Bevölkerung freiwillig ihr Kontaktverhalten verändert, weil die Infektionszahlen irgendwann so hoch sind, dass ein Umdenken stattfindet.

Letzteres Szenario würde dazu führen, dass wir auf einem bestimmten Infektionsniveau verbleiben und sich letzten Endes bis voraussichtlich im April/Mai 20222 ein Plateau einstellt. Aus Sicht der intensivmedizinischen Kapazitäten wäre dies eine gangbare Lösungsmöglichkeit, weil letzten Endes ein Steady-State der COVID19 Patienten auf den Intensivstationen resultiert und sich die Kliniken entsprechend anpassen könnten. In Anbetracht der großen noch potenziell intensivpflichtig werdenden Patientenzahl könnte dies eine wesentliche Lösungsmöglichkeit sein, um durch die kommenden Jahre zu kommen."

Impfen und 2G als Rezepte

Unter Expertinnen und Experten gelten Impfungen - auch verstärkte Booster-Impfungen- und die 2G-Regel als wirksame Mittel zur Eindämmung der hohen Infektionszahlen.

Auch der SPD-Gesundheitsexperte meint, es sei dringend, bundesweit die 2G-Regel einzuführen, denn "die Zeit läuft uns davon".

"Tyrannei der Ungeimpften"

Nachdem der Chef des Weltärztebundes Frank Ulrich Montgomery in der Talkshow von Anne Will am Sonntagabend davon gesprochen hatte, trendet der Hashtag #TyranneiderUngeimpften auf Twitter. Auch die Virologin Isabella Eckerle stimmt ihrem Kollegen zu.