Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

SMS-Verbot nach Feierabend: Diese neuen Regeln fürs Homeoffice gelten jetzt in Portugal

Access to the comments Kommentare
Von Tom Bateman
In Portugal passt man sich auf die veränderte Arbeitswelt an: Welche Regeln gelten dort?
In Portugal passt man sich auf die veränderte Arbeitswelt an: Welche Regeln gelten dort?   -   Copyright  A Jason Strull / Unsplash

Eine Nebenwirkung der Pandemie, die in vielen Sektoren wohl auch bleiben wird, ist das Arbeiten vom heimischen Schreibtisch aus. Was von vielen begrüßt wird, fühlt sich für andere an wie eine Falle: Arbeits- und Privatleben vermischen sich, Arbeitszeiten dehnen sich aus, man ist häufiger am Telefon oder auf andere Kommunikationskanäle angewiesen.

Das portugiesische Parlament hat jetzt ein neues Arbeitsgesetz verabschiedet, das die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für das Homeoffice verbessern soll.

Die neuen Vorschriften sind laut der regierenden Sozialistische Partei Portugals eine Reaktion auf die explosionsartige Zunahme der Arbeit von Zuhause als Folge der Covid-19-Pandemie.

Die Änderungen des portugiesischen Arbeitsrechts haben jedoch Grenzen: Sie gelten nicht für Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten.

Was ändert sich für Arbeitnehmer:innen im Homeoffice?

Die neuen Vorschriften sehen vor, dass Unternehmen mit Geldstrafen rechnen müssen, wenn sie Arbeitnehmer:innen außerhalb ihrer normalen Arbeitszeiten kontaktieren. Auch das Schicken einer SMS ist demnach verboten, es gibt aber eine Ausnahmeregelung für "außergewöhnliche Umstände".

Außerdem ist es den Arbeitgeber:innen untersagt, ihre Mitarbeiter:innen technisch zu überwachen, während sie zu Hause arbeiten.

Das "Recht auf Abschalten" - das Recht, arbeitsbezogene Kommunikationskanäle und Geräte außerhalb der Bürozeiten auszuschalten - wurde von den portugiesischen Abgeordneten allerdings abgelehnt.

Die Unternehmen müssen sich ab sofort auch an den Kosten beteiligen, die den Arbeitnehmer:innen durch die Umstellung auf Fernarbeit entstehen. Dazu können Rechnungen für Strom oder Internet gehören, aber nicht für Wasser. Die Arbeitgeber:innen können diese Kosten als Betriebsausgaben abschreiben.

Flexibilität für Eltern

Die neuen Vorschriften sind auch eine gute Nachricht für Eltern von Kleinkindern. Sie haben nun das Recht, von zu Hause aus zu arbeiten, ohne dies im Voraus mit ihrem/r Arbeitgeber:in absprechen zu müssen, und zwar bis ihr Kind acht Jahre alt ist.

Um sicherzustellen, dass Arbeitnehmer:innen Zuhause nicht zu stark sozial isoliert werden, muss mindestens alle zwei Monate ein persönliches Treffen organisiert werden.

Arbeit von Zuhause kann ein 'game changer' sein, wenn wir von den Vorteilen profitieren und die Nachteile reduzieren.
Ana Mendes Godinho
Ministerin für Arbeit und Soziales, Portugal

Ein Wendepunkt

Portugal war das erste europäische Land, das als unmittelbare Folge der COVID-19-Pandemie im Januar dieses Jahres seine Gesetze für die Fernarbeit änderte.

Die befristete Regelung machte die Arbeit von Zuhause - von einigen Ausnahmen abgesehen - zur Pflicht und verpflichtete die Arbeitgeber:innen, die notwendigen Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen, damit die Arbeit zu Hause möglich ist.

Denn das Homeoffice brachte in der Pandemie für viele eine neue Flexibilität mit sich, legte aber auch Probleme wie etwa den ungleichen Zugang zu IT-Ausrüstung offen. Die Regierung wollte also eingreifen, erklärte die portugiesische Ministerin für Arbeit und soziale Sicherheit, Ana Mendes Godinho, auf der Konferenz Web Summit in Lissabon.

"Die Pandemie hat die Notwendigkeit, das zu regeln, was geregelt werden muss, beschleunigt", sagte sie. "Arbeit von Zuhause kann ein 'game changer' sein, wenn wir von den Vorteilen profitieren und die Nachteile reduzieren".

Der Aufbau einer gesunden Kultur für das Homeoffice könnte auch andere Vorteile für Portugal bringen, so Mendes Godinho, und zwar in Form von ausländischen Arbeitnehmer:innen, die eine Anstellung in Portugal anstreben.

"Wir halten Portugal für einen der besten Orte der Welt, an dem diese digitalen Nomaden und Fernarbeiter leben können. Wir wollen sie nach Portugal locken", so die Arbeitsministerin.