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"Nicht noch ein Corona-Winter" - Pandemie-Müde auf dem 2G-Weihnachtsmarkt

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Von Katharina Sturm  mit dpa
Auf dem Weihnachtsmarkt in Trier im November 2021 - mit 2G
Auf dem Weihnachtsmarkt in Trier im November 2021 - mit 2G   -   Copyright  Katharina Sturm

Auch in Rheinland-Pfalz sind am Mittwoch die schärferen Corona-Regeln in Kraft getreten. Als neue Orientierungsgröße für härtere Maßnahmen gilt die Hospitalisierungsrate, welche sich aus den vom Robert Koch-Institut erfassten, gemeldeten Krankenhausaufnahmen von Corona-Patienten und -Patientinnen pro 100.000 Einwohnern in einem Sieben-Tage-Zeitraum berechnet. Dieser Wert gilt als Maßstab für 2G, 2GPlus oder härtere Regelungen. So sind in Bayern jetzt in Landkreisen mit einer Inzidenz über 1.000 Restaurants geschlossen.

Einige zweifeln allerdings, ob diese Regeln wirklich aussreichen. So titelt der Mainzer Merkurist Auf einen Glühwein mit dem Virus?, weil beim Anstehen ja kaum Abstand gehalten wird und weil die Menschen zum Essen und Trinken die Masken abnehmen.

Ab einem Hospitalisierungswert von 3 gelten flächendeckende 2G-Regeln im betroffenen Bundesland. Deutschlandweit liegt dieser Wert aktuell bei 5,79.

Bei Überschreitungen eines Hospitalisierungswertes von 6 gilt die 2GPlus-Regelung. Geimpfte und Genese benötigen demnach zusätzliche Testnachweise.

Spätestens wenn die Bundesländer einen Schwellenwert von 9 überschreiten sollen sie härtere Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen oder Einschränkungen und Verbote von Veranstaltungen in Erwägung ziehen.

Weitere neue Corona Regeln, die beschlossen wurden, sind die 3G-Regel am Arbeitsplatz und eine Homeoffice-Pflicht, eine Testpflicht in der Pflege und die 3G-Regel in Bus und Bahn. Vielleicht sehen die öffentlichen Verkehrsmittel schon bald wieder sehr leer aus?

Katharina Sturm
Im Bus in Rheinland-PfalzKatharina Sturm

Im rheinlandpfälzischen Trier hat seit dem 19. November der alljährliche Weihnachtsmarkt wieder geöffnet und es gibt bereits zur Mittagszeit viele begeisterte Besucher:Innen. Durch die Nähe zu Luxemburg und Frankreich treten auch einige die grenzüberschreitende Anreise an, um den beliebten Weihnachtsmarkt nach seinem Jahr Pause in 2020 endlich wieder besuchen zu können.

Anders als bisher, sind die Weihnachtsmarkthütten so aufgebaut, dass der Eingang und Ausgang fixiert sind, so dass beim Betreten des Marktes eine Impfpass- und Ausweiskontrolle durchgeführt werden kann. Das scheint jedoch wenige abzuschrecken, denn trotz der aktuellen Rekord-Sieben-Tage-Inzidenz von 419 in Deutschland bleibt der Weihnachtsmarkt gut besucht.

Fragt man Bewohner:Innen und Besucher:Innen von Trier nach ihrer Meinung zu den neuen Maßnahmen, der Impfung oder ihren allgemeinen Erfahrungen seit Beginn der Pandemie, wird in den Antworten die gespaltene Gesellschaft deutlich.

Von Impf-Verweigerung und strengem Befolgen der Corona-Regeln

Auch in Trier gibt es einige, die sich weigern sich gegen Corona impfen zu lassen. Dies hängt bei den meisten mit fehlendem Vertrauen gegenüber des Impfpräparats zusammen, aber bei wenigen anderen auch damit, dass sie sich durch den Druck der Regierung nicht dazu zwingen lassen wollen. Für diese Impf-Verweigerer:Innen steht vor allem Selbstbestimmung an erster Stelle und sie empfinden 3G-Regelungen oder schärfere Maßnahmen als eine Einschränkung ihrer Grundrechte.

Im Kontrast dazu erzählen andere Befragte, dass sie sich vor allem zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 stark an die geltenden Corona-Regelungen gehalten haben. Auch im Freundeskreis dieser Befragten galt recht einstimmig: an illegalen Corona-Partys wird nicht teilgenommen, denn das ist zu gefährlich.

Vor allem seitdem wesentlich mehr Menschen geimpft sind, aber auch mit dem Fortschreiten der Pandemie, lässt die Vorsicht jedoch langsam nach und spätestens im Sommer wurde wieder wesentlich mehr gemeinsam unternommen.

Keine Lust auf einen weiteren Corona-Winter

Andere berichten, dass immer mehr Menschen in ihrem Umfeld keine Lust auf einen weiteren Corona-Winter haben. Vor allem, weil sie und die meisten ihrer Freundinnen und Freunde bereits geimpft sind und sich fragen, wie es den Rest des Winters wohl weiter gehen wird.

„Es ist so eine allgemeine Stimmung, dass einfach niemand mehr kann; noch mehr als letzten Winter“ erklärt eine Befragte.

Katharina Sturm
In der Innenstadt von TrierKatharina Sturm

Die WHO beschreibt dieses Gefühl als Pandemiemüdigkeit: „Sie äußert sich in Form einer fehlenden Motivation, schützende Verhaltensweisen zu befolgen und sich entsprechend zu informieren, sowie durch ein Gefühl von Bequemlichkeit, Distanzierung und Hoffnungslosigkeit“. Deswegen werden beispielsweise auch Inzidenzwerte immer weniger verfolgt.

Die Impfung beschreiben viele der Befragten als eine Art Hoffnung und ein Lichtblick. Dass es dennoch so viele Menschen gibt, die sich nicht impfen lassen, frustriert sie und lässt sie die Hoffnung verlieren, dass sich die Corona-Situation im nahenden Winter ändern könnte.