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Es hat "Klick gemacht": Sebastian Kurz legt ÖVP-Vorsitz nieder, zieht sich aus Politik zurück

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Von Euronews
Als Kanzler war er bereits im Oktober zurückgetreten, jetzt legt er auch sein Amt als ÖVP-Chef nieder: Sebastian Kurz.
Als Kanzler war er bereits im Oktober zurückgetreten, jetzt legt er auch sein Amt als ÖVP-Chef nieder: Sebastian Kurz.   -   Copyright  Lisa Leutner/AP

Sebastian Kurz will sich aus der Politik zurückziehen. Das hat der ehemalige Kanzler am Donnerstagmorgen nach ersten Medienberichten bei einer Pressekonferenz angekündigt.

Er habe in seiner politischen Karriere stets sein bestes getan, so Kurz. Es sei wunderschön etwas zu bewegen, doch man wisse, dass bei den vielen Entscheidungen manchmal auch falsche Entscheidungen getroffen habe.

Manchmal habe man das Gefühl gejadt zu werden, so Kurz, dies habe ihn und sein Team oft zu Höchstleistungen motiviert.

Bei der Geburt seines eigenen KIndes sei ihn dann aber bewusste geworden, wie viel Schönes außerhalb der Politik gibt. Seine Begeisterung für die Politik sei in den letzten Tagen weniger geworden.

Mit 35 in den politischen Ruhestand

"Ich bin weder ein Heiliger noch ein Verbrecher", sagte Kurz, der von den Korrputionsvorwürfen gegen sich sprach und davon, wie sich dieser Druck anfühlt.

Er freue sich schon auf den Tag, an dem er vor Gericht beweisen könne, dass die Vorwürfe gegen seine Person falsch sind.

Zuvor hatte Kurz schon der "Kronenzeitung" gesagt, dass der Auslöser für seinen Rückzug die Geburt seines Sohnes gewesen sei. Als er das Kind, das am 27. November zur Welt kam, zum ersten Mal sah, habe es "Klick gemacht", so Kurz.

"So ein kleines Baby könnte man stundenlang anschauen", freute sich Kurz. Beruflich wolle er sich im neuen Jahr neuen Aufgaben stellen, erklärte Kurz, der nach der Pressekonferenz seinen Sohn und seine Freundin aus dem Krankenhaus abholte.

Die Geburt seines ersten Kindes mit Freundin Susanne Thier hatte Kurz auf Twitter bekanntgegeben. "Meine Freundin Susanne hat heute in den frühen Morgenstunden unseren Sohn zur Welt gebracht. Wir sind überglücklich und sehr dankbar! Susanne und das Baby sind wohlauf und wir freuen uns auf die wunderschöne gemeinsame Aufgabe und unser erstes Weihnachtsfest zu dritt."

Kurz legt sein Amt als ÖVP-Chef nieder, sein Nachfolger soll Medienberichten zufolge Innenminister Karl Nehammer werden. Wie der Standard berichtet soll Nehammer auch Kanzler werden und Alexander Schallenberger ersetzen.

Ermittlungen gegen Kurz

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt gegen Kurz und einige enge politische Mitstreiter wegen des Verdachts der Untreue. Mit geschönten und aus Steuergeldern bezahlten Umfragen soll sein Aufstieg zum ÖVP-Chef und Kanzler unterstützt worden sein.

Außerdem liegen gegen Kurz Anzeigen wegen Falschaussage im parlamentarischen Ibiza-Untersuchungsausschuss vor, der mögliche Korruption im Umfeld der ÖVP und der rechten FPÖ untersuchte. Kurz hat alle Vorwürfe zurückgewiesen.

Am 6. Oktober fanden Hausdurchsuchungen unter anderem im Bundeskanzleramt, in der ÖVP-Zentrale und im Finanzministerium statt. Kurz sträubte sich zunächst gegen einen Rücktritt. Ein drohendes Misstrauensvotum der mitregierenden Grünen und der Opposition im Parlament bewog ihn nach wenigen Tagen doch zum Rückzug als Regierungschef. Er blieb ÖVP-Vorsitzender und wechselte als Fraktionschef ins Parlament.

Kurz hatte zuvor eine steile Karriere hingelegt. Mit 27 wurde er Außenminister, mit 31 Bundeskanzler. Seine erste Amtszeit als Regierungschef endete 2019, nachdem Korruptionsvorwürfe gegen die Koalitionspartner von der rechten FPÖ auftauchten. Im Zuge der Aufarbeitung des sogenannten Ibiza-Skandals untersuchten Ermittler auch Chats aus dem ÖVP-Umfeld, die Kurz schließlich zu Fall brachten.