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"Wir brauchen diesen Krieg nicht mehr": Mutter im Donbass bangt um ihren Sohn

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Von Anelise Borges
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"Wir brauchen diesen Krieg nicht mehr": Mutter im Donbass bangt um ihren Sohn
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In Awdijiwka gehört der Krieg schon seit Jahren zum Alltag. Die ukrainische Kleinstadt mit rund 32.500 Einwohnern liegt in der Oblast Donezk - weniger als einen Kilometer entfernt von einer der zahlreichen Fronten in dem seit acht Jahren andauernden Konflikt zwischen der ukrainischen Armee und den Separatisten, die ein Gebiet kontrollieren, das heute als 'Volksrepublik Donezk' bezeichnet wird.

Auf den Menschen dort lasten die Auswirkungen des Konflikts - viele wünschen sich nichts sehnlicher als ein Ende der militärischen Auseinandersetzungen, wie Euronews-Korrespondentin Anelise Borges berichtet.

"Der Krieg hat bereits begonnen und dauert seit fast einem Jahrzehnt an"

Und so ziemlich überall in diesem Gebiet kann man sehen, wie viel Schaden der Konflikt angerichtet hat: ausgebrannte Fahrzeuge, militärisches Gerät, zerstörte Gebäude. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein militärischer Kontrollposten, den wir nicht filmen dürfen. Ein dort stationierter Soldat hat uns gebeten, seinen Standort nicht preiszugeben, es handelt sich um geheime Informationen.

"Diese Gegend unterscheidet sich sehr von der Hauptstadt Kiew", erklärt Anelise Borges. "Hier bekommt man einen Eindruck davon, wie angespannt die Lage ist, und das schon seit fast einem Jahrzehnt. Die Menschen in dieser Region sagen, dass sie die jüngsten Entwicklungen sehr genau verfolgen.

Sie hören die Aussagen der europäischen Staats- und Regierungschefs, des US-Präsidenten und natürlich des russischen Präsidenten. Sie wissen zum Beispiel, dass die deutsche Außenministerin in diese Region kommen wird, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen.

Dennoch besteht der Eindruck, dass die ganze Welt einen wesentlichen Punkt übersehen hat. Natürlich haben die Menschen Angst, dass Russland in dieses Gebiet eindringt oder in die Ukraine einmarschiert. Aber der Krieg hat bereits begonnen und dauert seit fast einem Jahrzehnt an."

Verschollen im Geheimgefängnis

Für die Familie von Galina Dzjucik hat der Konflikt zwischen den von Russland unterstützten Separatisten und der ukrainischen Armee verheerende persönliche Folgen.

Ihr 34-jähriger Sohn Viktor wurde zuletzt 2017 an einem Kontrollpunkt in einem von Rebellen kontrollierten Gebiet gesehen.

Galina erfuhr später, dass er festgenommen und wegen Spionage und Terrorismus angeklagt und zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. "Es gab keine Anrufe von ihm, nichts, ich weiß gar nichts", klagt Galina.

Die Existenz von Geheimgefängnissen in der Region ist einer der weniger bekannten Aspekte des Konflikts. Dabei ist der Austausch von Gefangenen Teil einer Reihe von Vereinbarungen, die den Krieg beenden sollten.

"Wir brauchen diesen Krieg nicht mehr"

"Es hat seit 2017 drei Gefangenen-Austausche gegeben, aber mein Sohn ist auf keiner der Listen bestätigt worden", berichtet Galina". "Sie geben Papiere mit ihren Unterschriften und Stempeln, die bestätigen, dass er da ist, aber nach drei Austauschen wie Sie sehen ist er immer noch nicht nach Hause zurückgekehrt.

Ich habe alle Instanzen hier in der Ukraine befragt, einschließlich des Präsidenten, unseres Ombudsmannes, der Geheimdienste usw. Und ich habe sogar Antworten von ihnen erhalten, hier sind die Schreiben ..."

Galina sagt, dass die aktuelle Verschärfung der Spannungen zwischen Russland und der Ukraine für alle hier eine schlechte Nachricht ist. Aber besonders schmerzhaft ist sie für Familien wie ihre, die befürchten, dass der militärische Aspekt der Krise ihre Notlage überschattet

"Wir brauchen diesen Krieg nicht mehr. Ich habe so viel erlebt, und wir haben gelitten wie niemand sonst. Ich glaube, niemand will, dass diese militärische Aggression weitergeht."

Wird dies Auswirkungen auf den Fall Ihres Sohnes haben?

"Ich denke, es die Lösung seiner Situation nur verzögern wird."