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Kaum Mitleid, keine Reue: Hauptangeklagter rechtfertigt Bataclan-Blutbad

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Von Euronews  mit DPA/AFP
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Kaum Mitleid, keine Reue: Hauptangeklagter rechtfertigt Bataclan-Blutbad
Copyright  BENOIT PEYRUCQ / AFP

Im Pariser Prozess um die Anschläge vom 13. November 2015 hat erstmals der Hauptangeklagte Salah Abdeslam ausgesagt.

Er ist der einzige Überlebende des Terrorkommandos, das im Konzertsaal Bataclan, vor dem Fußballstadion Stade de France und in mehreren Bars und Restaurants im Pariser Nordosten 130 Menschen tötete und 350 verletzte.

Die erste Anhörung befasste sich mit dem Profil des 32-Jährigen, ein ehemaliger Kleinkrimineller aus dem Brüsseler Vorort Molenbeek, der sich mehr für Partys als für Religion interessierte und erst spät dem Dschihad zugewandt zu haben soll.

Er habe niemanden getötet und niemanden verletzt

Der Angeklagte, der in Paris einen Sprengstoffgürtel gehabt, ihn aber nicht gezündet, sondern in einem Vorort weggeworfen haben soll, bekräftigte erneut, er habe niemanden getötet und niemanden verletzt. Das Gericht wolle an ihm ein Exempel statuieren.

Zweifel waren bei seiner Befragung nicht zu hören - und kaum Mitgefühl für die Opfer und deren traumatisierte Angehörige, die dem Prozess seit einem halben Jahr folgen.

Philippe Duperron von der Opfer-Vereinigung "13onze15" sagte dazu: "Sobald man das eigentliche Thema anspricht, der Grund ihrer Mission, warum und wie wurden sie ausgewählt, dann sieht man, wie er sich in diesem Moment verschanzt, zwar nicht schweigt, aber auf jeden Fall sehr ausweichend antwortet und nicht die wirklichen Antworten gibt."

"Mit Bordmitteln" in Paris zugeschlagen

Abdeslam erklärte, es habe sich um eine Verteidigungsaktion des IS für französische Angriffe gegen Islamisten in Syrien mit zivilen Opfern gehandelt, um eine Militäraktion zum Schutz der Grenzen des IS-Gebiets.

Die Verantwortung dafür trage Frankreichs damaliger Präsident François Hollande. "Wegen Hollande sind wir heute hier." Das Gemetzel auf Café-Terrassen habe mit einer Militäraktion nichts zu tun, meint der Richter. Der IS habe eben keine Flugzeuge oder Hubschrauber zur Verteidigung vor Ort gehabt und deshalb "mit Bordmitteln" in Paris zugeschlagen, kontert der Angeklagte lapidar.

"Glaubten Sie wirklich, dass das die französische Politik verändert?", fragte der Richter, um die Motivation für die Anschläge zu ergründen. Eine klare Antwort blieb Abdeslam schuldig.

Worte des Mitgefühls, der Würdigung des hundertfachen Leids, sie kommen an dem lange erwarteten Prozesstag von Abdeslams Mutter.

Das Gericht verliest einen von ihr verfassten Brief. Darin wendet diese sich auch an die anderen Mütter, die Kinder bei den Anschlägen verloren haben, wie sie einen ihrer Söhne, der zum Selbstmordattentäter wurde. Vom Gericht will sie, dass es Recht spricht, wie sie schreibt, auch für ihren jüngeren Sohn Saleh, der niemanden getötet habe.

Der Prozess wird aufmerksam verfolgt. Bisher kamen in erster Linie Zeugen, Hinterbliebene und Überlebende sowie Ermittler zu Wort. Das Urteil wird bis Ende Mai erwartet.