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Bleibt in der Ukraine! Warum Leihmüttern von der Flucht abgeraten wird

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Von Alexandra Leistner
An der polnisch-ukrainischen Grenze in Medyka haben Menschen Kinderwagen für flüchtende Eltern abgestellt.
An der polnisch-ukrainischen Grenze in Medyka haben Menschen Kinderwagen für flüchtende Eltern abgestellt.   -   Copyright  Francesco Malavolta/AP

Leihmutterschaft ist für viele Eltern der letzte Schritt auf einer langen Odyssee zum eigenen Kind. Was in den meisten europäischen Ländern verboten ist, boomt in der Ukraine. Zahlreiche Reproduktionskliniken bieten meist ausländischen Paaren ihre Hilfe an, Spermien und Eizellen können sogar eingefroren per Post geschickt werden, falls eine Anreise nicht möglich ist.

Für ukrainische Leihmütter ist vor allem der Verdienst eine Motivation, ihren Körper für eine Schwangerschaft zur Verfügung zu stellen. Denn anders als in den meisten anderen Ländern, ist in der Ukraine eine Leihmutterschaft gegen Bezahlung erlaubt.

Die Rechtslage der Leihmütter ist allerdings heikel. Was etwa mit behinderten Kindern passiert, oder Babies, die nicht abgeholt werden, ist unklar. Seit der Krieg ausgebrochen ist, und Millionen Menschen aus Angst vor den russischen Truppen ins Ausland fliehen, kommt für die ukrainischen Leihmütter ein Problem dazu: Was passiert, wenn sie das Baby woanders zur Welt bringen?

Um Probleme dieser Art zu vermeiden, rät der größte Dienstleister für Reproduktionsmedizin BioTexCom Leihmüttern, trotz des Krieges nicht ins Ausland zu gehen. In einem Facebook-Beitrag des Profils der Klinik für deutschsprachige Kund:innen werden Wunscheltern davor gewarnt, Leihmütter über die Grenze zu holen: "Sie werden nie als Eltern des Kindes anerkannt", ist dort zu lesen.

Die Wunscheltern werden in Sicherheit gebracht - und die Leihmütter?

"Die Geburt des Kindes außerhalb der Ukraine ist nicht legal und wird rechtliche Konsequenzen haben: die Leihmutter wird als Mutter gelten und der Versuch der Übergabe des Kindes wird als Kinderhandel bezeichnet".

Zudem wird auf die gesundheitlichen Risiken hingewiesen, die schwangere Frauen eingehen, wenn sie durch die Ukraine reisen.

Wichtig und dringend! Ukrainische Leihmütter sollen in der Ukraine Ihre Kinder gebären! Der Krieg in der Ukraine ist für...

Posted by Biotexcom Klinik der Reproduktionsmedizin, Eizellspende,Leihmutterschaft on Monday, February 28, 2022

In einem Video auf der Internetseite von BioTexCom, das wenige Tage vor der russischen Invasion veröffentlicht wurde, führt eine Angestellte durch den Bunker, in den Wunscheltern und Neugeborene den Angaben nach gebracht werden, sollte es in Kiew zu einer Kriegssituation kommen. "Die Neugeborenen werden sich hier absolut wohl fühlen", so die BioTex-Angestellte. Was mit den schwangeren Frauen passiert, wird nicht gesagt.

Dieses Video soll Wunscheltern wohl beruhigen: Eine Angestellte der Klinik führt durch einen eigens eigerichteten Bunker.

Auf der englischsprachigen Ausgabe der Internetseite des Unternehmens heißt es, sobald die Situation Reisen zulasse, "wird die Klinik einen Transfer von Patient:innen in die Westukraine organisieren, damit sie dann durch Checkpoints laufen und über die EU-Grenze gelangen können".

"Bitte teilen Sie uns schon jetzt mit, ob Sie diese Möglichkeit nutzen möchten und welcher Checkpoint mit welchem EU-Land für Sie am günstigsten wäre", so eine Mitteilung auf der Internetseite von BioTexCom, die sich ausschließlich an die Wunscheltern richtet.

Auf Facebook veröffentlichte die Klinik am 2. März Bilder von Müttern, die in Bunkern entbinden. Ob es sich dabei um Leihmütter handelt, ist nicht klar. Auf unsere Nachfrage wurde bisher nicht reagiert.

Auf eine Anfrage von Euronews, wie die Lage vor Ort ist, hat das Unternehmen bisher nicht reagiert.

Maternity hospital no.3 in Kyiv Ukrainian women now give birth in basements and metro stations. They lack food and...

Posted by Biotexcom fertility clinic. Surrogacy & Egg donation on Wednesday, March 2, 2022

Wunscheltern mit Neugeborenem auf der Flucht vor Krieg

Die französische Tageszeitung Le Monde berichtete in der vergangenen Woche von einem französischen Paar, das mit neugeborenen Zwillingen auf dem Weg nach Frankreich ist. In Charkiw saßen die frischen Eltern fest, die Babymilch ging ihnen aus, wie sie der Reporterin Cécile Bouanchaud anvertrauten. Die französische Botschaft habe ihnen jegliche Hilfe versagt. Ob sie es bisher über die Grenze geschafft haben, ist nicht bekannt.

Auf Twitter beschreibt Bouanchaud die Lage des französischen Paares:

In #Kharkiv sitzen Jacky und sein Lebensgefährte mit ihren beiden 19 Tage alten Neugeborenen fest, die am 10. Februar in der Ukraine durch eine Leihmutterschaft entstanden sind. Am sechsten Tag der Invasion folgte ein Angriff nach dem anderen auf diese Stadt nahe der russischen Grenze, die die Russen versuchen, einzunehmen. 1/2

"Heute Morgen wurde eine russische Rakete 300 m von ihrer Wohnung entfernt abgefeuert. Die Kinder fingen an zu weinen, wir flüchteten in das einzige Zimmer ohne Fenster, wir hatten große Angst", erzählt Jacky. Jede Nacht weinten ihre Babys zu den Geräuschen der ständigen Bombenangriffe. 2/4

"Wir haben noch Kindermilch für zweieinhalb Tage", sagt Jackys Partner, der nur eine Mahlzeit am Tag zu sich nimmt und bereits mehrere Kilo abgenommen hat. Das Paar hat keine lokale Währung mehr, die nun die einzige Möglichkeit ist, in der Stadt Lebensmittel zu kaufen. 3/4

"Wir werden von der französischen Botschaft im Stich gelassen", klagt Jacky, der sich mit ihren Zwillingen nicht per Auto auf den Weg machen kann. Das Außenministerium teilte mit, dass es "keine Hilfe bei der Flucht leisten" könne. 4/4