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Französische Präsidentschaftswahlen: Welche Rolle spielt der Krieg in der Ukraine?

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Von Anne Devineaux
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Die russische Invasion in der Ukraine macht sich auch im französischen Präsidentschaftswahlkampf bemerkbar. Am 10. April wird gewählt, anderthalb Monate zuvor begann der Krieg. Konflikte begünstigen normalerweise amtierende Präsidenten, so Pascal Boniface vom Institut für internationale und strategische Beziehungen im Interview mit Anne Devineaux. 

Pascal Boniface Direktor IRIS, Französisches Institut für internationale und strategische Angelegenheiten

"Üblicherweise wird der amtierende Präsident, der ja auch wiedergewählt werden will, gestärkt. In Krisenzeiten halten die Menschen zu demjenigen, der an der Macht ist. Ansonsten dürfte der Krieg die Wahl der Franzosen nicht grundlegend beeinflusst haben, etwas anderes geben auch die Umfragen nicht her."

Pascal Boniface

Laut einer aktuellen Umfrage sind die meisten Franzosen zwar sehr besorgt über den Krieg, aber mehr als sechzig Prozent der Wähler geben an, dass er im ersten Wahlgang keinen Einfluss auf ihre Wahlentscheidung haben wird. ‚Allerdings haben internationale politische Themen in den Debatten deutlich mehr Raum eingenommen als sonst.

"Der Krieg in der Ukraine und internationale Themen waren deutlich präsenter in den Nachrichten, zum Nachteil von wirtschafts- und sozialen Themen. Ihre Wahlentscheidung werden die meisten Wähler aber trotzdem anhand dieser Themen treffen."

Pascal Boniface

Die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland zeigen auch in Europa Wirkung, die Franzosen fürchten um ihre Kaufkraft, vor allem dank der stark gestiegenen Energiepreise.

"Energiesicherheit und Nahrungsmittelversorgung einerseits - die Ukraine und Russland sind ja auch Kornkammern - und die Handlungsfähigkeit eines souveräneren Europas andererseits wurden durch den Krieg zu einem Wahlkampfthema mit Gewicht."

Beobachter befürchten einen Rekord an Stimmenthaltungen bei den Wahlen am 10. April, ob die Ukraine-Krise dies ändern könnte? Vielleicht, so Pascal Boniface.

"Der Konflikt hat die Aufmerksamkeit der Franzosen, und könnte sie vermehrt an die Urnen bringen. Aber richtig ist, es gibt eine Wahlverdrossenheit, man hat einerseits das Gefühl, die Würfel seinen schon gefallen. Andererseits ist das Vertrauen in die Sinnhaftigkeit der Wahlen zurückgegangen. Aber der Krieg könnte auch zu einer gewissen Remobilisierung der Wähler führen."

Pascal Boniface Direktor IRIS, Französisches Institut für internationale und strategische Angelegenheiten