Die jüdische Gemeinde von Venedig lässt das Getto restaurieren. Allerdings fehlen mehrere Millionen Euro, um es bis Ende 2023 fertig zu stellen.
Das jüdische Leben hat vor allem in Venedig eine lange Geschichte. Diese wird vor allem "Gheto Vechio" sichtbar. Erbaut im 16. Jahrhundert, ist es das Älteste in Europa, an dem die Zeit nicht spurlos vorübergegangen ist.
Kunsthistoriker und Fundraiser David Landau zog vor zwölf Jahren nach Venedig. Er erinnert sich noch sehr genau an sein Entsetzen, als er das erste Mal die dortigen Synagogen besichtigte. "Ich war zutiefst geschockt. Ich merkte, in welch schlechtem Zustand sie waren. Die Synagogen waren im Laufe der Jahrhunderte zur Unkenntlichkeit verkommen, man musste sich einfach um sie kümmern."
Wiederaufbau und Restaurierung
Seit zwei Jahren erhalten die Renaissance-Bauten einen neuen Anstrich. Fertig sollen sie Ende 2023 sein. Doch die 5 Millionen Euro, die der Fundraiser bisher zusammentrug, werden nicht ausreichen.
Dario Calimani, der Vorsteher der jüdischen Gemeinde von Venedig, richtet einen Appell an die Öffentlichkeit: "Synagogen sind Mittelpunkt des religiösen Lebens. Als kleine Gemeinde sind wir allerdings mit dem Wiederaufbau und der Restaurierung überfordert", sagt Calimani.
Traditionsreiche Geschichte
Das venezianische Ghetto entstand 1516, als die ansässigen Jüdinnen und Juden gezwungen wurden, sich auf dem alten Gebiet der Gießereien niederzulassen. Das Ghetto wurde nachts abgeriegelt.
Die erste Synagoge wurde von aschkenasischen Juden erbaut. Zwei weitere folgten, die für spanische Sepharden und italienische Juden errichtet wurden. Keine Synagoge ist von der Straße aus sichtbar, da die Herrscher von Venedig der jüdischen Gemeinde nicht erlaubte, seinen Glauben offen auszuleben. Sie Gotteshäuser befinden sich daher im obersten Geschoss von Wohngebäuden.
Die drei Synagogen sind seit Anfang des 16. Jahrhunderts bis heute fast ununterbrochen geöffnet. Nur unter der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg mussten sie geschlossen werden.