Drohender Diesel-Engpass in EU: Warum sind die Niederlande gerüstet?

Nach der Gasknappheit drohen künftig auch Engpässe bei der Diesel-Versorgung in der Europäischen Union. Im Dezember treten die Öl-Sanktionen der EU gegen Russland in Kraft.
Schon jetzt ist Diesel an Tankstellen örtlich teurer als Benzin. Droht demnächst eine Preisexplosion?
Erik Kloster, Direktor des niederländischen "Verbandes für Energie für Mobilität und Industrie" in Den Haag hat darauf eine klare Antwort: "Sicherlich nicht in den Niederlanden. Wir haben eine sehr günstige Position in den Niederlanden. Wir produzieren etwa drei- bis viermal mehr als wir verbrauchen. Es stimmt, dass die Situation in ganz Europa etwas beunruhigend ist. Wir sehen, dass die Lagerbestände sehr gering sind. Wir erwarten auch, dass weniger Diesel importiert wird, was zu weiteren Engpässen führen wird."
Der seit Wochen andauernde Streik in französischen Raffinerien und der daraus resultierende Mangel von Treibstoff an Tankstellen in Frankreich haben die Lage zusätzlich verschärft.
Gewappnet fühlt sich der niederländische Ableger des BP-Konzerns. In einer der größten Raffinerien Europas werden am BP-Standort Rotterdam pro Stunde eine Million Liter Diesel produziert.
Reaktion auf "schrckliche Situation in der Ukraine"
Karen de Lathouder ist Geschäftsführerin von BP Niederlande: "Früher kam etwa ein Drittel des Rohöls, das wir hier verwenden, aus Russland."
Frage des Reporters: "Wann haben Sie aufgehört, das zu verwenden?"
De Lathouder: "Wir haben das sofort Ende Februar eingestellt, als die schreckliche Situation in der Ukraine entstand."
Auch andere Ölkonzerne haben den Import russischen Diesels mit Blick auf die Russland-Sanktionen zumindest eingeschränkt. Fieberhaft wird nicht nur in der EU, sodern auch in den USA nach Alternativen auf dem Weltmarkt gesucht,
In den USA ist die Knappheit bereits so weit fortgeschitten, dass Medienberichten zufolge bereits Exportbeschränkungen erwogen werden, um mehr Benzin und Diesel in den USA zu halten,