Staudämme und Entsalzungsanlagen: Wie Algerien für Trinkwasser sorgt

Von Cyril Fourneris
Staudämme und Entsalzungsanlagen: Wie Algerien für Trinkwasser sorgt

Wie stellt man sicher, dass alle Trinkwasser haben, wenn Dürren zusehends bedrohlich werden? In Algerien gibt es immer mehr Projekte für Staudämme und Entsalzungsanlagen.

Kef Eddir ist einer von 81 großen Staudämmen in Algerien. Vier neue solcher Anlagen erhöhen die Speicherfläche auf neun Milliarden Kubikmeter. Und es gibt dutzende anderer Vorhaben in dem Land, das drei sehr trockene Sommer hinter sich hat.

Wasser für Bevölkerung, Landwirtschaft und Industrie

„Durch die Wasserspeicherung können wir in erster Linie den Bedarf der Bevölkerung an Trinkwasser decken - aber auch die Entwicklung der Landwirtschaft und damit die Ernährungssicherheit. Und wir haben die Nutzung von Wasser für industrielle Zwecke", sagt Behördenleiterin Nadia Ouchar, in deren Zuständigkeitsbereich unter anderem die Staudämme fallen.

Der Damm ist strategisch wichtig. Die landwirtschaftlichen Flächen flussabwärts werden bewässert sowie Tipaza, Ain Defla und Chlef mit Trinkwasser versorgt. Es müssen Verbindungen zwischen dem Wasserspeicher und den Ortschaften angelegt werden.

„Die Verbindung ist wichtig für das örtliche Gleichgewicht, die gerechte Trinkwasserversorgung und natürlich die Solidarität zwischen den verschiedenen Regionen", so Ouchar.

Fließt das Wasser bald bis nach Algier?

Und dieser Stausee könnte eines Tages auch den Großraum Algier versorgen, der rund 150 Kilometer entfernt liegt.

Es werden Rohre verlegt, Pumpwerke gebaut und Wasserspeicher angelegt, um Tipaza, die Hauptstadt der Region, zu erreichen. Rund einer halben Million Menschen soll dieses Projekt zugutekommen.

Projektleiter Mjadi Bencherkhi erläutert: „Der Wasserentnahmeturm ist 94 Meter hoch, das entspricht ungefähr der Höhe des Staudamms. Die Teilhaber haben da auf den nationalen Entwicklungsplan zurückgegriffen. Ich bin sehr stolz, in den Bau dieses Damms eingebunden zu sein."

Im trockenen Süden des Landes gibt es keine Staudämme, aber unter der Sahara schlummern einige der größten unterirdischen Wasservorkommen der Welt. Die Bevölkerung in der Stadt Tamanrasset ist auf das Wasser angewiesen, das in der Nachbarlandschaft aus dem Untergrund gefördert wird und dann über 700 Kilometer hierher fließt.

24 Bohrlöcher, sechs Pumpwerke

Mohamed Belouafi, Leiter der Wasserwerke von Tamanrasset, sagt: „Tamanrasset wird von der Stadt In-Salah aus mit Hilfe von 24 Bohrlöchern versorgt. Wir haben sechs Pumpwerke, die zum Speicher hinter mir führen." Das Wasser wird dann auf Speicher in der schnellwachsenden Stadt verteilt. „Bisher wird nur die Hauptstadt der Region versorgt, aber es gibt auch Pläne für die Versorgung anderer Städte", so Belouafi.

Zurück im dichtbesiedelten Küstenlandstrich: Hier nutzt man Entsalzungsanlagen. Sie sind für rund 17 Prozent der Trinkwasserversorgung des Landes zuständig. Bis 2030 wird dieser Wert dank neuer Anlagen voraussichtlich auf 60 Prozent steigen. In Bateau Cassé, einem Stadtteil von Algier, wurde in Windeseile eine Entsalzungsanlage errichtet - nämlich in sechs Monaten.

Sami Ghezala, Projektverantwortlicher beim Energieunternehmen AEC, betont: „Die Arbeit begann im Oktober vergangenen Jahres. Wir haben die Anlage übergeben, der vollständige Betrieb mit täglich 10 000 Kubikmetern wurde im März 2022 aufgenommen. Wegen der Wasserknappheit haben wir uns reingehängt, um die Anlage so schnell wie möglich zu bauen und funktionstüchtig zu machen."

Täglich Wasser für 100 000 Menschen

Und weiter erläutert Ghezala: „Die Anlagen liefert täglich zehn Millionen Liter. Wenn man annimmt, dass ein Mensch 100 Liter am Tag verbraucht, deckt das den Bedarf von 100 000 Menschen."

Das Wasser wird rund einen Kilometer vor der Küste abgepumpt und dann mehreren Reinigungsabläufen unterzogen - dazu gehört auch die Umkehrosmose, dann die Mineralisierung.

Sofiane Zamiche von AEC sagt: „Mit dem Beginn des staatlichen Programms, das den Bau von fünf neuen Meerwasserentsalzungsanlagen vorsieht, und dem mittelfristigen Programm, das bis Ende 2030 umgesetzt wird, werden die Menschen in Algerien nicht mehr vom Wetter und dem Füllstand der Staudämme abhängig sein. Danach werden wir in der Lage sein, das Wasser des Staudamms in andere Bereiche zu leiten."

Und auch das Wassersparen und die Wiederaufbereitung hat man im Blick.