Historische Einigung bei Weltnaturgipfel zum Schutz der Artenvielfalt

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Von Euronews
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Die rund 200 Staaten wollen mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen bis 2030 unter Schutz stellen. Außerdem wollen sie mehr Geld für den Schutz der Artenvielfalt ausgeben.

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Nach rund zweiwöchigen Verhandlungen haben sich die Teilnehmer des Weltnaturgipfels im kanadischen Montreal am Montag auf eine Abschlusserklärung geeinigt. Der wichtigste Teil des Abkommens ist die Verpflichtung, bis 2030 30 % der Land- und Wasserflächen zu schützen, die als wichtig für die biologische Vielfalt gelten. Derzeit sind 17 % der Landflächen und 10 % der Meeresgebiete geschützt.

" Wir befinden uns jetzt in einem Bereich, von dem Wissenschaftler glauben, dass er einen deutlichen Unterschied für die biologische Vielfalt bedeuten kann“, erklärte Brian O'Donnell, der Direktor der Naturschutzorganisation Campaign for Nature. Nie zuvor hätte es weltweit ein Schutzziel in dieser Grössenordung gegben, so O'Donnell: „Damit haben wir die Chance, die biologische Vielfalt vor dem Zusammenbruch zu bewahren ".

Finanzierungspaket für mehr Artenschutz

In dem Entwurf wird auch gefordert, bis 2030 200 Milliarden Dollar für die biologische Vielfalt aufzubringen. Als Teil des Finanzierungspakets sieht der Rahmen vor, die Gelder, die an arme Länder gehen, bis 2025 auf mindestens 20 Milliarden Dollar jährlich zu erhöhen - das ist etwa das Doppelte der derzeitigen Mittel. Diese Zahl würde bis 2030 auf 30 Milliarden Dollar pro Jahr steigen.

Einige Befürworter forderten eine strengere Formulierung in Bezug auf Subventionen, die Lebensmittel und Brennstoffe in vielen Teilen der Welt so kostengünstig halten. In dem Dokument wird lediglich gefordert, bis 2025 die Subventionen zu ermitteln, die reformiert oder abgebaut werden können, und darauf hinzuarbeiten, sie bis 2030 zu reduzieren.

Gemischte Reaktionen

"Der neue Text ist eine gemischte Sache", sagte Andrew Deutz, Direktor für globale Politik, Institutionen und Naturschutzfinanzierung bei "The Nature Conservancy". Das Abkommen erhalte einige starke Signale in Bezug auf Finanzen und Biodiversität, aber ginge nicht über die Ziele von vor 10 Jahren hinaus, wenn es darum geht, die Ursachen für den Verlust der biologischen Vielfalt in produktiven Sektoren wie Landwirtschaft, Fischerei und Infrastruktur zu bekämpfen. Es bestehe daher das Risiko, dass das neue Abkommen nicht vollständig transformativ ist, so Deutz. 

Auch Pierre du Plessis, ein Verhandlungsführer aus Namibia, der die afrikanische Gruppe koordiniert, zeigte sich kritisch: "Jeder hat ein bisschen von dem bekommen, was er wollte, nicht unbedingt alles, was er wollte. Wir werden sehen, ob es einen Geist der Einigkeit gibt".

Die Wildlife Conservation Society und andere Umweltgruppen zeigten sich jedoch besorgt darüber, dass der Entwurf das Ziel, das Aussterben von Arten zu verhindern, die Integrität der Ökosysteme zu bewahren und die genetische Vielfalt innerhalb der Populationen zu erhalten, auf 2050 verschiebt. Sie befürchten, dass dieser Zeitplan nicht ehrgeizig genug ist.

Für die Rechte indigener Gemeinschaften

Andere lobten die Tatsache, dass das Dokument die Rechte indigener Gemeinschaften anerkennt. In früheren Biodiversitätsdokumenten wurden die Rechte indigener Völker oft ignoriert: Sie waren selten Teil der größeren Diskussionen, abgesehen von einem Hinweis auf ihr traditionelles Wissen. Das Rahmenwerk würde die Rechte der indigenen Völker bekräftigen und sicherstellen, dass sie bei der Entscheidungsfindung ein Mitspracherecht haben.

"Es ist wichtig, dass die Rechte der indigenen Völker berücksichtigt werden, und auch wenn es nicht der exakte Wortlaut des Vorschlags ist, sind wir der Meinung, dass es sich um einen guten Kompromiss handelt, der unsere Bedenken berücksichtigt", meint Jennifer Corpuz, eine Vertreterin des Internationalen Indigenen Forums für Biodiversität. Das Abkommen sei auch eine gute Grundlage, die Politik auf nationaler Ebene umzusetzen, so Corpuz. 

Der 15. Weltnaturgipfel - der auch unter dem Kürzel COP15 läuft - hätte ursprünglich schon 2020 in China stattfinden sollen, wurde dann aber wegen der anhaltenden pandemischen Lage dort verschoben und zerteilt. Der erste Verhandlungsteil fand im vergangenen Oktober hauptsächlich online im chinesischen Kunming statt.

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