Mit Klimaklebern im Braunkohlerevier: "Wir möchten es skandalisieren"

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Von Hans von der Brelie  & Euronews
Aktivist:innen kleben auf einer Zufahrtsstraße
Aktivist:innen kleben auf einer Zufahrtsstraße   -   Copyright  Euronews

Auch nach der Räumung von Lützerath im rheinischen Braunkohlerevier geht der Protest gegen die riesige RWE-Anlage in Garzweiler weiter. Euronews-Reporter Hans von der Brelie begleitet Aktivist:innen der Klima-Bewegung "Letzte Generation".

Sie kleben sich auf einer Zufahrtstraße zum Tagebau fest - als Teil einer koordinierten Aktion an mehreren Orten. Dadurch sollen Polizeikräfte mobilisiert werden, die dann andernorts fehlen. Und somit können andere Aktivist:innen leichter in den Tagebau eindringen. Quasi als Ablenkungsmanöver.

"Der vorgezogene Kohleausstieg ist eine Farce"

Joel Schmitt, Klima-Aktivist bei "Letzte Generation" erklärt im Gespräch mit Euronews-Reporter Hans von der Brelie: "Wir möchten es skandalisieren, dass heute noch, im Jahr 2023, ein Dorf abgebaggert wird, um Braunkohle zu gewinnen. Der vorgezogene Kohleausstieg ist eine Farce, es wird einfach die gleiche Menge an Kohle in kürzerer Zeit verbrannt."

Heinz, ein anderer Klimakämpfer mit schöner Baritonstimme, setzt zu einem bekannten Kanon an - mit neuem Text. "Auf die Barrikaden, auf die Barrikaden, wehrt Euch, leistet Widerstand, gegen die Braunkohle hier im Land."

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Die Hand klebt auf dem AsphaltEuronews

Frittieröl löst festgeklebte Finger vom Asphalt

Am späten Nachmittag kommt schließlich die Polizei. Mit im Gepäck: Frittieröl (nicht-siedend). Das wirkt am besten gegen den Kleber. Die Hände der Demonstrant:innen werden großzügig bepinselt und vom Asphalt entfernt. Dann werden sie weggetragen, die Blockade ist gebrochen.

Der Ort Lützerath und die anderen Tagebau-Orte im rheinischen Revier sind in den letzten Monaten zum Hotspot der Klima-Bewegung in Deutschland geworden, erklärt Hans von der Brelie.

"Eine der größten Braunkohleminen der Welt, und hier wird weiter abgebaut. Das ist der Grund dafür, warum hier Menschen auf die Straße gehen, weil sie Angst haben davor, dass der Klimakollaps hier irgendwann kommt."

Sie wollen weiter gegen die Kohlemine protestieren

Später werden die Personalien der Aktivist:innen aufgenommen, die Polizei lässt sie danach wieder gehen. Ein harter Moment für Joel Schmitt. "Ich finde, es kann einfach nicht sein. Man sieht, wie Profitinteressen verteidigt werden und nicht unsere Lebensgrundlagen, unsere Demokratie oder das Gemeinwohl."

Sie empfinden Trauer, Wut und Verzweiflung, sagen die Aktivist:innen. Sie wollen aber weiter gegen die Kohlemine protestieren.