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Menstruationsurlaub: ein Gewinn für Frauen oder ein Rückschritt?

Erholung auf dem heimischen Sofa (Symbolfoto)
Erholung auf dem heimischen Sofa (Symbolfoto) Copyright Pexels - Polina Zimmerman
Copyright Pexels - Polina Zimmerman
Von Escarlata SanchezSantiago Martin Martinez
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Im spanischen Parlament wird an diesem Mittwoch ein entsprechender Gesetzentwurf debattiert. Vorübergehende Arbeitsunfähigkeit muss von einem Arzt genehmigt werden. Gegenwärtig wird der Menstruationsurlaub nur in einigen wenigen Ländern der Welt angeboten, darunter Japan, Indonesien und Sambia.

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Spanien, ein Vorreiter in Europa bei der Gesetzgebung für bezahlten Menstruationsurlaub, steht kurz vor der Verabschiedung eines neuen Gesetzes , das ein bisher oft ignoriertes Gesundheitsproblem anerkennt. 

Es würde Frauen, die unter schmerzhaften Perioden leiden, die Möglichkeit geben, eine Auszeit von der Arbeit zu nehmen. Und zwar mit einer Entschädigung, die von der Sozialversicherung bezahlt wird.

Eckpunkte eines umstrittenen Gesetzes

Der bezahlte Menstruationsurlaub ist einer der Aspekte der Reform des Gesetzes über sexuelle und reproduktive Gesundheit und den freiwilligen Abbruch der Schwangerschaft, das vom spanischen Ministerium für Gleichberechtigung ausgearbeitet wurde und besser bekannt ist als "Abtreibungsgesetz".

Das Gesetz wurde am 15. Dezember vom spanischen Parlament verabschiedet, wobei die rechten Parteien, Partido Popular, Vox und Ciudadanos dagegen stimmten. 

An diesem 8. Februar werden die Änderungsanträge zu dem Gesetz im Senat diskutiert.

Unterscheidung zwischen Menstruationsschmerzen und ernsthaften Erkrankungen

Es ist das erste Mal, dass ein Gesetz verabschiedet wurde, das sich mit der Menstruation am Arbeitsplatz befasst. Das große Problem liegt in der Diagnose.

Wir haben einige Frauen befragt, die an Endometriose leiden, einer Krankheit, die starke Menstruationsschmerzen verursacht, die sich im Laufe der Zeit verstärken können. Nicht alle von ihnen sind mit den verschiedenen Aspekten dieses Gesetzentwurfs einverstanden.

"Es gibt nichts Sexistischeres als zu sagen, dass eine Frau, wenn sie ihre Periode hat,  arbeitsunfähig ist."  Das sagte Ana Ferrer, Vizepräsidentin der Vereinigung der Endometriose-Patientinnen in Spanien. 

Ferrer ist der Ansicht, dass: "Das Abtreibungsgesetz ziemlich unvollständig ist, weil es nicht alle Krankheiten abdeckt, etwa Pathologien, die die sexuelle und reproduktive Gesundheit von Frauen betreffen. Wir dürfen Menstruationsschmerzen nicht mit schwerwiegenderen Krankheiten wie Endometriose oder Dysmenorrhoe verwechseln, sonst laufen wir Gefahr, nicht ernst genommen zu werden."

Perioden sollten in der Gesellschaft kein Tabu mehr sein

Die 37-jährige Nerea González Maena gab ihren Beruf als Lehrerin im Alter von 29 Jahren auf. Zusätzlich zu ihrer Endometriose leidet sie an zwei seltenen Krankheiten. Nerea sagt, dass sie seit ihrer Kindheit unter sehr schmerzhaften Regelblutungen litt, aber erst mit 35 Jahren von den Ärzt:innen eine Diagnose bekam. Damals musste sie sich einer Operation unterziehen und sich die Gebärmutter entfernen lassen.

Nerea González Maena sagte:  "Wenn man wegen der Schmerzen während der Periode nicht arbeiten kann, wird man von der Gesellschaft als schwach eingestuft. Der Unterschied mit diesem Gesetz ist, dass wir jetzt vom ersten Tag an eine finanzielle Entschädigung erhalten. 

Das ist etwas, das mir rückblickend sehr geholfen hätte. Nach dem, was ich weiß, sieht dieses Gesetz bis zu drei Tage Urlaub vor, aber das ist meiner Meinung nach nicht ausreichend. Jeder Fall muss nach den Bedürfnissen der einzelnen Frauen beurteilt werden. Manche Frauen können bis zu acht Tage lang unter Schmerzen leiden, selbst bei sehr schwachen Blutungen."

Ein Stigma bei der Arbeit?

Bei Giorgia wurde im Alter von 29 Jahren Endometriose diagnostiziert. Sie sagt, sie sei mit dem Gesetzentwurf zum Menstruationsurlaub nicht einverstanden: "Mit diesem Gesetz werden die Chefs, wenn sie uns einstellen wollen, denken, dass wir Frauen eine Belastung sind."

Giorgia Lopez ist der Meinung, dass das öffentliche Gesundheitssystem in erster Linie für die Früherkennung von Krankheiten da sein sollte.

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