EventsVeranstaltungenPodcasts
Loader
Finden Sie uns
WERBUNG

Minister spricht vor Neonazis - und entschuldigt sich

Minister Vilhelm Junnila entschuldigt sich für Teilnahme an Neonazi-Veranstaltung
Minister Vilhelm Junnila entschuldigt sich für Teilnahme an Neonazi-Veranstaltung Copyright Varis
Copyright Varis
Von David Mac DougallEuronews
Zuerst veröffentlicht am
Diesen Artikel teilenKommentare
Diesen Artikel teilenClose Button

Finnlands neuer Wirtschaftsminister Vilhelm Junnila hat sich für die Teilnahme an einer von Neonazis organisierten Kundgebung entschuldigt.

WERBUNG

In Finnland hat sich der neue Wirtschaftsminister für seine Teilnahme an einer von Neonazis organisierten Kundgebung entschuldigt.

Vilhelm Junnila gehört zur rechtspopulistischen Partei "Perussuomalaiset" ("Die Finnen"). Er hat sich auch für einen Witz über die Zahl "88" entschuldigt, die für Rechtsextremisten "Heil Hitler" bedeutet. Und der 41-Jährige hat erklärt, er verurteile den Holocaust.

Erst am vergangenen Dienstag war Vilhelm Junnila als Minister vereidigt worden.

Doch am selben Tag war er der Hauptredner bei einer Veranstaltung in der westlichen Stadt Turku. Eigentlich sollte ein Gedenken an einen Terroranschlag stattfinden. 2017 waren bei einem Messeranriff zwei Menschen getötet und acht weitere verletzt worden.

"Who is who der Neonazis in Finnland"

Die Kundgebung wurde jedoch von einer Organisation mit dem Namen "Koalition der Nationalisten" organisiert, einer 2017 gegründeten Dachorganisation der Rechtsextremen, zu der auch die Partei der Finnen, die inzwischen verbotene Miliz "Nordic Resistance Movement" und die Bürgerwehr "Odins Soldaten" gehören.

Bereits im Frühjahr desselben Jahres war die Koalition der Nationalisten in Finnland in die Schlagzeilen geraten, nachdem bekannt geworden war, dass sie in einem Camp im Wald ein Schießtraining organisiert hatte, bei dem Gesichter finnischer Regierungsmitglieder als Zielscheiben dienten.

Die Veranstaltung, auf der Junnila sprach, war einem Forscher zufolge ein "Who is Who der Neonazis in Finnland", und Mitglieder dieser verschiedenen rechtsextremen Organisationen sind auf Fotos zu sehen, wie sie hinter Junnila stehen, während er eine kurze Rede hält, wenn auch am gegenüberliegenden Flussufer.

"Es war eine Menschenmenge da. Er hielt eine Rede auf der Veranstaltung. Es handelte sich um eine Veranstaltung zum Gedenken an die Opfer des Anschlags, nicht um eine Demonstration oder politische Veranstaltung. Die Videoaufzeichnung der Veranstaltung ist immer noch online verfügbar", so Junnila in einem Facebook-Post vom Donnerstag.

"Ich würde nicht mehr an einer solchen Veranstaltung teilnehmen, wenn sie organisiert würde", sagte er und bezeichnete die Nordische Widerstandsbewegung als "aggressiv und bewusst auf Konflikt aus."

Die Zahl '88'

Vilhelm Junnila entschuldigte sich auch für seinen Scherz über die Zahl 88, die ihm von der finnischen Wahlkommission zufällig als Kandidatennummer für die Parlamentswahlen 2019 zugeteilt worden war.

Für Neonazis ist die Zahl 88 eine Abkürzung für "Heil Hitler", da das H der achte Buchstabe des Alphabets ist.

Er bezeichnete seinen Scherz darüber als "dumm und kindisch" und sagte: "Ich habe etwas falsch gemacht, und mein Handeln tut mir leid."

Am Donnerstagabend postete der Politiker noch ein Update auf Facebook: "Ich hoffe, es ist allen klar, dass ich den Holocaust, Antisemitismus und alle antisemitischen Handlungen auf das Schärfst verurteile."

Diesen Artikel teilenKommentare

Zum selben Thema

Rassismus und Vergewaltigungsfantasien: Das PR-Problem von Finnlands neuer Rechtsregierung

Regierungswechsel: Rechtsruck in Finnland

Verdrängen Populisten die Parteien der Mitte von der Macht - in ganz Europa?