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Afghanistan: Prekäre Lage nach zwei Jahren Taliban-Herrschaft

Kinder in Afghanistan schauen in eine ungewisse Zukunft.
Kinder in Afghanistan schauen in eine ungewisse Zukunft. Copyright Ebrahim Noroozi/Copyright 2023 The AP. All rights reserved.
Copyright Ebrahim Noroozi/Copyright 2023 The AP. All rights reserved.
Von Irina BelikovaEuronews mit AFP, AP, dpa
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Dieser Artikel wurde im Original veröffentlicht auf Russisch

Seit zwei Jahren herrschen in Afghanistan die Taliban. Fast 29 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Nach Ansicht von Fachleuten steuert das Land auf die größte humanitäre Krise der Welt zu.

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Zwei Jahre nach der Machtübernahme durch die Taliban in Afghanistan ist die humanitäre und wirtschaftliche Lage in dem Land prekär. Westliche Staaten haben Entwicklungsprojekte eingestellt. Humanitäre Nothilfe wird zwar weiter geleistet, allerdings in geringerem Umfang.

Fast 29 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen

Die Nichtregierungsorganisation International Rescue Committee (IRC) hilft Menschen, die von humanitären Krisen betroffen sind. Aus dem IRC-Bericht über Afghanistan geht hervor, dass das Land eine der höchsten Raten an Unterernährung in der Welt aufweist. Betroffen sind fast 3,2 Millionen Kinder und 840.000 schwangere und stillende Mütter. Slama Ben Aissa vom IRC sagt: "Der Bedarf an humanitärer Hilfe war angesichts der Zahl der armen Menschen schon immer groß. In den vergangenen zwei Jahren hat er drastisch zugenommen. Wir sprechen von 28,8 Millionen Bedürftigen, das sind 60 Prozent mehr als im Jahr 2021. So einen großen Hilfsbedarf wie hier gibt es sonst nirgends auf der Welt."

Neil Turner zufolge, dem Direktor des Norwegischen Flüchtlingsrats in Afghanistan, ist die Finanzierung derzeit das größte Problem. "Es gibt eine Reihe von Geldgebern, die entweder die Mittel für Afghanistan gestrichen haben oder Zweifel daran haben, dass diese Mittel tatsächlich bei den Menschen ankommen, die sie brauchen. Was wir also wirklich benötigen, ist neben der humanitären Hilfe auch Entwicklungshilfe und langfristiges Engagement, um die afghanische Wirtschaft auf den richtigen Weg zu bringen zu können."

Petros Giannakouris/Copyright 2021 The AP. All rights reserved.
Mädchen ab zwöf Jahren sind in Afghanistan von der Bildung ausgeschlossen.Petros Giannakouris/Copyright 2021 The AP. All rights reserved.

Lage der Frauen in Afghanistan verschlechtert sich von Tag zu Tag

Besonders besorgt sind die Vereinten Nationen über die Situation von Frauen in Afghanistan. Sie dürfen nicht alleine reisen, haben keinen Zugang zu Bildung und Berufen und werden so aus dem öffentlichen Leben verbannt. Zudem droht jungen Mädchen eine frühe Verheiratung und das Risiko, Missbrauch und Ausbeutung ausgesetzt zu sein. Die UN sprechen von "Apartheid der Geschlechter".

Einem Bericht von UN Women France zufolge ist Afghanistan heute das Land, in dem  Frauen am stärksten unterdrückt werden. Es gibt hohe Raten von Depressionen und Selbstmord, insbesondere bei heranwachsenden Mädchen, die nicht in der Lage sind, ihre Ausbildung fortzusetzen. Fachleute schätzen, dass das Fernhalten von Mädchen von Bildung die Wirtschaft bis zu 5,4 Milliarden Dollar kosten könnte.

Ebrahim Noroozi/Copyright 2022 The AP. All rights reserved.
Frauen in Kabul warten unter Bewachung auf die Ausgabe von NahrungsmittelnEbrahim Noroozi/Copyright 2022 The AP. All rights reserved.

Baerbock: "Rückschritt Richtung Steinzeit"

UN Women ist eine der wenigen Organisationen, die nach der Machtergreifung durch die Taliban noch in Afghanistan tätig sind. Carlotta Gradin, Vizepräsidentin von UN Women Frankreich, erklärt: "Seit dem 4. April 2023 ist es afghanischen Frauen untersagt, mit der UN und ihren Organisationen in Afghanistan zusammen zuarbeiten." Dies habe enorme Folgen für Nichtregierungsorganisationen, die der Bevölkerung helfen. Denn ein Großteil der Mitarbeitenden waren Frauen. Das hat dazu geführt, dass diese Hilfe nicht mehr bei den Menschen ankommt."

Bislang hat kein Staat die Taliban-Machthaber als formale Regierung Afghanistans anerkannt. "Zwei Jahre Taliban-Herrschaft bedeuten für die Menschen in Afghanistan zwei Jahre Rückschritt Richtung Steinzeit", sagte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock. "Es wird keine normalen Beziehungen geben, solange die Taliban weiter die Hälfte der Gesellschaft vom Arbeitsleben und gesellschaftlicher Teilhabe ausschließen."

Ein baldiger Machtwechsel ist nicht in Sicht. Nach mehr als 40 Jahren Krieg haben viele Afghanen kein Interesse an weiteren Kämpfen. Ihnen geht es vor allem darum, wie sie Essen auf den Tisch bekommen.

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