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Ein "sauberes" Paris für Olympia 2024: Frankreich verlegt seine Obdachlosen aufs Land

Paris bereitet sich auf die Olympischen Spiele 2024 vor, Obdachlose passen da offenbar nicht ins Stadtbild.
Paris bereitet sich auf die Olympischen Spiele 2024 vor, Obdachlose passen da offenbar nicht ins Stadtbild. Copyright JOEL SAGET/AFP or licensors
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Von Ilaria Federico
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Paris bereitet sich auf die Olympischen Spiele 2024 vor. Dazu gehört auch, dass die Obdachlosen der französoschen Hauptstadt in andere Regionen verlegt werden. NGOs verurteilen diese Maßnahmen, es handele sich dabei, um "soziale Säuberungen."

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Die französische Regierung hat im Frühjahr beschlossen, Obdachlose aus Paris in die Provinz umzusiedeln. In Städten wie Toulouse, Bordeaux und Straßburg wurden mittlerweile rund ein Dutzend Notunterkünfte eingerichtet. Die Obdachlosen sollen raus aus der französischen Hauptstadt, die sich auf die Olympischen Spiele 2024 vorbereitet.

Mehr als sechzig französische Verbände haben einen Brief an das Komitee der Olympischen Spiele geschickt, in dem sie diese Umsiedlungsstrategie als Methode der "sozialen Säuberung" verurteilen. Sie glauben, dass die Regierung beabsichtigt, das Image der Hauptstadt vor den Olympischen Spielen 2024 in Paris aufzupolieren. 

Paul Alauzy, Koordinator der Gesundheitsüberwachung von Migranten bei Ärzte der Welt, zeigt auf, warum diese Maßnahmen wenig bringen:

"Stellen wir uns vor, ich bin ein afghanischer Asylbewerber auf der Flucht vor der Taliban-Diktatur. Ich schaffe es nach Paris, aber eines Tages kommt ein Bus zu meinem Lager und bringt mich weg. Wenn ich nicht die richtigen Kriterien erfülle, könnte es sein, dass ich in einer Region lande, in der es viel weniger Unterstützungsorganisationen für medizinische, soziale oder rechtliche Hilfe gibt, und dass ich letztendlich gezwungen bin, nach Paris zurückzukehren." Er erklärt weiter: "Diese Maßnahmen gab es bereits, aber die Olympischen Spiele haben die Dinge beschleunigt. Es besteht der Zwang, eine "saubere Stadt" zu schaffen, wie es der Innenminister ausdrückt, und "Schikane und Reinigung" zu betreiben. Wir wissen, dass dies auch auf Personengruppen abzielt, die die Regierung für unerwünscht hält."

Das größte besetzten Gebäude in Paris - bekannt als Unibéton - wurde im April von der Polizei aufgelöst. Mehr als 400 Menschen, vor allem aus dem Tschad und dem Sudan, wurden von dem seit drei Jahren besetzten Gelände vertrieben. Das Gebiet soll Teil des Olympischen Dorfes für die Spiele 2024 in Paris werden.

Euronews hat den politischen Flüchtling Faris getroffen, er wohnte einst in dem besetzten Haus. Er erzählt: "Wir hatten einige Treffen mit der Präfektur. Es wurden Versprechungen gemacht, dass eine Unterkunft zur Verfügung gestellt und sich um die Menschen gekümmert würde. Keines dieser Versprechen wurde eingehalten. Folglich fanden sich all diese Menschen auf der Straße wieder. Die Flüchtlinge werfen einen negativen Schatten auf die Olympischen Spiele. Deshalb haben sie beschlossen, uns auszuweisen. Aber den Menschen, die aus den besetzten Häusern entfernt wurden, wurde keine Lösung angeboten."

Auch andere Obdachlosenunterkünfte in der Stadt werden unter Druck gesetzt, da sie sich in Gebieten befinden, die für die Olympischen Spiele vorgesehen sind.

Benjamin Cagan, Leiter einer Tagesstätte, ist besorgt: "Menschen, die auf der Straße leben, insbesondere Migranten, werden immer weiter von Paris weggedrängt. Wir hören häufig Berichte über Menschen, die nachts geweckt und aufgefordert werden, die Stadt zu verlassen. Wir machen uns große Sorgen, wie werden sich diese Menschen während der Olympischen Spiele fortbewegen können, um bestimmte Orte zu erreichen, wo sie sicher sind und verschnaufen können?"

Die Pariser Präfektur hat Euronews gegenüber bekräftigt, ihr Ziel sei es die Menschen von der Straße zu holen, um ihnen eine bessere Unterbringung anzubieten.

Euronews-Journalistin Ilaria Federico fasst das Dilemma zusammen, in dem sich viele der Migranten befinden: "Die Obdachlosen sind in einer prekären Situation, da sie gezwungen sind, an Gesprächen mit der Pariser Präfektur teilzunehmen, ein potenziell gefährliches Verfahren für die Migranten ohne legalen Status, das zu ihrer Ausweisung aus dem Land führen könnte."

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