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Menschenhandel: Indischer Airbus mit 300 Passagieren in Frankreich festgehalten

Airbus A340 auf dem Pariser Luftfahrtsalon. 14. Juni 2003
Airbus A340 auf dem Pariser Luftfahrtsalon. 14. Juni 2003 Copyright JACQUES BRINON/AP
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Von Christoph DebetsAP
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Nach einem anonymen Hinweis auf Menschenhandel haben die französischen Behörden einem Airbus der indischen Fluggesellschaft Legend Airlines den Weiterflug untersagt und die Passagiere interniert.

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Ungefähr 300 indische Staatsbürger, die sich auf dem Weg nach Mittelamerika befanden, werden am Samstag einen dritten Tag in Folge auf einem französischen Flughafen festgehalten. Es bestehe der dringende Verdacht auf Menschenhandel, sagten die Behörden.

An Bord befanden sich auch Kinder und Familien. Die örtliche Katastrophenschutzbehörde teilte dem Regionalsender France-3 mit, dass der jüngste Passagier ein Kleinkind von 21 Monaten sei und dass sich unter den Kindern 13 unbegleitete Minderjährige befänden.

15 Besatzungsmitglieder des Legend Airlines-Charterflugs auf dem Weg von den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Nicaragua wurden nach ihrer Befragung wieder freigelassen, teilte ein Anwalts der kleinen rumänischen Fluggesellschaft mit. Sie sagte, sie seien zutiefst erschüttert über das, was passiert sei.

Der Airbus A340 der Legend Airlines war am Donnerstag in Vatry in der Champagne zum Auftanken zwischengelandet. Er wurde von der französischen Polizei am Weiterflug gehindert, nachdem ein anonymer Hinweis eingegangen war, dass es sich möglicherweise um Opfer von Menschenhandel handelte, teilte die Pariser Staatsanwaltschaft mit. Es hieß, zwei Personen seien festgenommen worden und Sonderermittler würden die anderen Passagiere befragen.

Der Zwischenfall sorgte für Behinderungen im Feiertagsverkehr, da die Polizei den Flughafen sperrte. Einige Flüge mußten umgeleitet werden. Der Flugplatz wird hauptsächlich für Charter- und Frachtflüge genutzt.

Nach Angaben der Regionalverwaltung wurden die Passagiere auf dem Flughafen interniert. Es hieß, sie seien zunächst in der A340 geblieben, die auf dem Rollfeld von Polizisten umstellt war, wurden dann aber zum Schlafen in die Haupthalle des Flughafens gebracht.

Rettungskräfte, Mitarbeiter des Roten Kreuzes, ein Arzt und örtliche Freiwillige seien vor Ort, um sich um die Bedürfnisse der Passagiere zu kümmern, darunter regelmäßige Mahlzeiten und medizinische Versorgung sowie Zugang zu Toiletten und Duschen, teilte die Verwaltung am Samstag in einer Erklärung mit.

Ein spezieller Bereich des Terminals wurde für Familien ausgestattet. Die hohen Erkerfenster des kleinen Flughafens wurden mit weißen Planen verhüllt, um die Privatsphäre der festgehaltenen Passagiere im Inneren zu gewährleisten.

Die indische Botschaft in Frankreich veröffentlichte auf X, dass das Botschaftspersonal konsularischen Zugang zu den Passagieren erhalten habe. „Wir untersuchen die Situation und sorgen für das Wohlergehen der Passagiere“, hieß es.

Die Ermittlungen werden von einer Spezialeinheit für organisierte Kriminalität, der Grenzpolizei und der Luftfahrtgendarmerie durchgeführt.

Die Anwältin von Legend Airlines, Liliana Bakayoko, sagte, das Unternehmen bestreite jegliche Beteiligung am möglichen Menschenhandel und begrüße die Nachricht, dass die Flugzeugbesatzung nach der Befragung freigelassen worden sei, als „gute Nachricht für die Fluggesellschaft“.

Ein „Partner“-Unternehmen, das das Flugzeug gechartert hatte, sei für die Überprüfung der Identitätsdokumente jedes Passagiers verantwortlich und habe übermittelte der Fluggesellschaft 48 Stunden vor dem Flug die Passinformationen der Passagiere übermittelt, sagte Bakayoko gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press.

Der Kunde habe mehrere Flüge mit Legend Airlines von Dubai nach Nicaragua gechartert, und einige andere hätten die Reise bereits ohne Zwischenfälle zurückgelegt, sagte sie. Legend Airlines will den Kunden nicht nennen und sagt nur, dass es sich nicht um ein europäisches Unternehmen handele.

Die Besatzungsmitglieder, die aus mehreren Nationalitäten bestehen, „sind ziemlich traumatisiert“, sagte Legend Anwältin Bakayoko. „Sie haben mir Nachrichten geschrieben, dass sie ihre Familien zu Weihnachten sehen wollen.“

Die US-Regierung hat Nicaragua als eines von mehreren Ländern eingestuft, die die Mindeststandards zur Beseitigung des Menschenhandels nicht erfüllen.

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