Das besetzte Mariupol "wählt" einen russischen Präsidenten

Theater in Mariupol nach der Zerstörung im Jahr 2022
Theater in Mariupol nach der Zerstörung im Jahr 2022 Copyright Alexei Alexandrov/Copyright 2023 The AP. All rights reserved
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Von Christoph Debetseuronews digital mit AP
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Dieser Artikel wurde im Original veröffentlicht auf Englisch

Wahlhelfer der Besatzungsmacht und bewaffnete Soldaten ziehen mit „mobilen Wahlurnen“ von Tür zu Tür - für die russische Präsidentschaftswahl am 2. Jahrestag des Bombenangriffs auf das Stadttheater von Mariupol.

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Mariupol ist eine der von Russland besetzten ukrainischen Städte, in der „Wahlen“ abgehalten werden, die Kiew als "illegal und nichtig" bezeichnet. Das Team der Nachrichtenagentur Associated Press, das sich mit Genehmigung der Besatzungsmacht in Mariupol aufhält, Team sprach mit Einheimischen, die vor laufender Kamera etwas sagten wie „Wir haben auf Putin gewartet, ich habe ihn immer so sehr geliebt.“

Wie in anderen besetzten Regionen begann dort bereits vor mehreren Tagen die „frühe Abstimmung“, bei der „mobile Wahlurnen“ von Tür zu Tür gebracht wurden. Die Besatzungsmacht gab für das Vorgehen Sicherheitsgründe an. Kiew sieht es als Versuch, die Wahlbeteiligung künstlich zu steigern und die Wähler schlicht einzuschüchtern. Die „mobilen Wahlurnen“ werden „aus Sicherheitsgründen“ von bewaffneten Personen begleitet.

In Mariupol kam es während der russischen Belagerung und der schweren Kämpfe Anfang zu zahlreichen Todesfällen und schweren Zerstörungen. Die Besatzungsbehörden betonen, dass sie die Stadt aktiv wieder aufbauen und zeigen erneuerte Fassaden von Wohngebäuden, die durch Beschuss beschädigt worden waren.

Am Samstag jährte sich in der besetzten Stadt der russische Bombenangriff auf das städtische Theater zum zweiten Mal. Er gilt als der tödlichste einzelne russische Angriff auf Zivilisten. Man geht davon aus, dass zwei 500-kg-Bomben das Theater getroffen haben, in dem 800–1200 Menschen in Luftschutzbunkern Schutz gesucht hatten. Hunderte starben – die genaue Zahl ist noch unbekannt. Die Besatzungsmacht hat keine Ermittlungen eingeleitet. Der Kreml bestreitet jegliche Verantwortung für den Angriff und weist der ukrainischen Seite die Schuld zu. Ende 2023 wurde mit dem Abriss der Ruinen begonnen, was Kiew als Versuch wertet, Beweise zu vertuschen.

Mehrere Organisationen sprechen von einem vorsätzlichen Bombenangriff und werten ihn als Kriegsverbrechen, da das Theater eindeutig als ziviles Objekt gekennzeichnet war. Man hatte mit großen Buchstaben „Kinder“ auf dem Parkplatz geschrieben. Weit und breit habe es kein militärische Ziel gegeben, so dass man nicht von einem unglücklichen Treffer ausgehen könne.

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